zur Navigation zum Inhalt
 
Pulmologie 6. Oktober 2009

Das Asthma wegoperieren

Mit Hitze kann die hypertrophierte Atemwegsmuskulatur reduziert werden.

Bronchiale Thermoplastie ist eine neue Methode, bei der die glatte Atemwegsmuskulatur unter Sicht durch das Bronchoskop thermisch reduziert wird. Die ersten klinischen Studien an selektierten Patienten verlaufen vielversprechend. Die Methode wird aber wohl „letztes Mittel“ bleiben.

Die Hauptmerkmale von Asthma sind Kontraktion, Hyperplasie und Hypertrophie der glatten Muskulatur der Atemwege. Dr. Pallav L. Shah, Konsiliararzt am Royal Brompton Hospital, England, stellte beim ERS-Kongress ein neues System vor, dass manchen schwerst betroffenen Patienten Erleichterung bringen könnte. Die Idee: Durch die Verringerung der Muskelfasern reduzieren sich Bronchokonstriktion und damit Symptome und Exzerbationen. Die Methode: An einem Bronchoskop wird ein faltbarer Drahtkorb angebracht, der in den Bronchien ausgefahren wird, etwa zehn Sekunden lang auf 65 Grad erhitzt wird und so die glatte Muskulatur zerstört.

Das System wurde zunächst an Hunden erprobt, inzwischen liegen aber auch schon Ergebnisse erster klinischer Studien vor. In beiden Fällen bleiben die behandelten Bronchien sowohl im normalen Stadium als auch nach Provokation mit Metacholin weiter geweitet als die unbehandelten. Shah: „Die Compliance des Gewebes bleibt unverändert. Das ist wichtig, weil man sich andernfalls Gedanken über Kollagenablagerungen machen müsste.“ Im Hundemodell wurden auch nach drei Jahren keine wesentlichen Kollagenablagerungen beobachtet.

Knapp 300 sorgfältig ausgewählte Patienten wurden in ersten klinischen Studien behandelt, rund 800 Prozeduren durchgeführt. Die Probanden waren trotz adäquater Therapie symptomatisch, hatten jedoch einen FEV1-Wert von über 60 %  predicted. Weder Raucher noch Patienten, die nicht compliant sind, wurden in die Studie aufgenommen.

Ruhige Hand gefragt

Die Technik der Thermoplastie ist schwierig. Das Bronchoskop wird so weit wie möglich eingeführt und zwischen den Energiestößen jeweils um fünf Millimeter zurückgezogen. Der Patient muss also ruhig liegen und der Arzt eine ruhige Hand haben. Kleine distale Atemwege werden aufgrund der Gerätegröße nicht erreicht. Der rechte Mittellappen wird grundsätzlich ausgelassen, um in den klinischen Studien eine Kontrolle zu haben und die Entwicklung eines Mittellappensyndroms zu vermeiden.

Naturgemäß reagieren die Bronchien auf den Eingriff mit verstärkter Mucusproduktion, die nicht nur Hustenreiz erzeugt, sondern auch dem Arzt die Sicht nehmen kann. Das Absaugen des Schleims sollte möglichst so erfolgen, dass der Operateur die Position des Bronchoskops beibehalten kann. Zudem kann die starke Schleimproduktion zu Atelexien führen, die Bronchien sollten also nach dem Eingriff so gut wie möglich gesäubert werden.

Pavord et al.1 beschreiben eine vorübergehende Aggravierung der Asthmasymptome nach der Behandlung, aber signifikante Verbesserungen 22 und 52 Wochen später. Die Ergebnisse der größeren AIR2-Zulassungsstudie, „Placebo“-kontrolliert, doppelblind und randomisiert, an 200 Patienten stehen noch aus.

 

1 Pavord I, Cox G, Thomson N, et al, Am J Respir Crit Care Med 2007;176:1185-1191.

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 41 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben