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Pulmologie 11. September 2009

Ein Neujahrskonzert für Pulmologen

Bis zum 16. September tagt der 19. Jahreskongress der European Respiratory Society (ERS) zum dritten Mal in Wien. Zwischen einer Symphonie aus „Spirometrie-Zelt“ und neuer COPD Therapie,  H1N1-Influenza und Rahmenprogramm, hatte der diesjährige österreichische ERS-Kongresspräsidenten Dr. Otto Burghuber noch genug Zeit für ein Interview, um uns unter anderem darüber aufzuklären, dass es heuer nicht nur das "eine Neujahrskonzert" in Wien gibt.

SpringerMedizin.at: Man schätzt, dass rund 25 Prozent der ÖsterreicherInnen über 40 Jahre an einer COPD leiden. Spiegelt sich dieses Verhältnis auch in Ihren Ergebnissen im Rahmen des Spirometrie-Events wider? Oder wird dieses Event vor allem nur von jenen wahrgenommen die ohnehin bereits besonders gesundheitsbewusst sind ?

Burghuber: Es macht sehr wenig Sinn, Daten aus so einer Kampagne, wie es das Spirometrie-Zelt ist, zu erheben, denn das ist wissenschaftlich nicht entsprechend. Wie Sie richtig sagen, dass ist durch verschiedene Faktoren beeinflusst.

Wir wissen und das ist die wichtigere Zahl, dass etwa zehn Prozent der Österreicher eine Behandlungsbedürftige obstruktive Lungenerkrankung haben, das heißt jeder 10 Österreicher hat eine obstruktive Lungenerkrankung und diese sollte behandelt werden. Ob das Zahlen widerspiegeln ist irrelevant. Hier geht es in erster Linie um die „Awareness“ für diese Erkrankung und nicht primär um eine wissenschaftliche Untersuchung.

SpringerMedizin.at: Ist die Spirometrie im Rahmen der Gesundheitsvorsorge-Untersuchung vorgesehen? Und wenn nein, würden Sie sich die Durchführung im Rahmen dieser wünschen?

Burghuber: Sie ist zunächst nicht Teil der Gesundheitsuntersuchung und sie sollte nicht im Sinne eines Screenings verstanden werden. Allerdings sollte sie dann breit eingesetzt werden, wenn es Risikofaktoren gibt, wie das Rauchen, oder wenn Symptome bestehen, wie etwa morgendliches Husten oder Schleimsekretion - dann ist ein klinisches Zeichen gegeben. Diesen Menschen sollten Lungenfunktionstests zugeführt werden. Wir sagen immer, jeder Raucher über 40 und jeder der hustet oder vermehrten Auswurf hat, sollte einem Lungenfunktionstest unterzogen werden. 

SpringerMedizin.at: Die Pulmologie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Beispielsweise wird prognostiziert, dass die COPD bis 2020 weltweit die dritthäufigste Todesursache sein wird. Bei den chronischen Erkrankungen ist sie heute bereits ganz vorne. Bleiben in der Pulmologie, im Vergleich zu den anderen Disziplinen, die therapeutischen Entwicklungen aus oder gibt es andere Gründe für den Zuwachs der Bedeutung der Disziplin?

Burghuber: Sie haben völlig recht. Im Gegensatz zu den kardiovaskulären Erkrankungen oder den Krebserkrankungen, welche stagnieren oder sogar abnehmen, nehmen die Lungenerkrankungen und hier vor allem die chronischen Lungenerkrankungen deutlich zu. Einer der Gründe dürfte das Rauchverhalten der letzten 30 Jahre sein, besonders auch der Jugendlichen. Hier ist in der nächsten Zeit eine Trendwende abzusehen.

Außerdem ist klar, dass wesentlich weniger in die Forschung für chronische Lungenerkrankungen gesteckt wird, als dies bei kardiovaskulären Erkrankungen oder Krebserkrankungen der Fall ist. Auch das hat sich in der letzten Zeit geändert. Wir sind zuversichtlich, dass mit einer vermehrten wissenschaftlichen Aktivität, mit mehr Aufklärung und mit mehr Anti-Raucher-Kampagnen in Zukunft die Zunahme der chronischen Lungenerkrankungen gestoppt werden kann.

SpringerMedizin.at: Beim heurigen Kongress soll eine neue Therapie, Stichwort: Roflumilas, für COPD präsentiert werden. Wie steht es um diese Entwicklung? Steckt sie noch in den experimentellen Kinderschuhen oder können COPD-Patienten schon bald einen Nutzen erwarten?

Burghuber: Es gibt, und das ist vor ganz kurzer Zeit im renommierten Journal „The Lancet“ publiziert worden, eine neue orale Therapie für die COPD. Eine anti-inflammatorische Therapie, die in der Lage ist, wie andere Medikamente bisher auch, die Häufigkeit der Exazerbation, also der Verschlechterung der Erkrankung, beziehungsweise auch die Lebensqualität der Betroffenen positiv zu beeinflussen. Inwieweit diese neue Therapie den natürlichen Verlauf der Erkrankung beeinflusst, kann aber bislang noch nicht gesagt werden.

SpringerMedizin.at: Dass der Kongress sich mit neuen Therapiemöglichkeiten befasst, die im Lancet veröffentlicht werden, ist klar. Aber wie sieht es mit Themen aus, die, aufgrund der umfassenden Medienberichte ein großes Gewicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit haben, wie beispielsweise die H1N1-Influenza (Neue Grippe). Welche Bedeutung wird dieses Thema im Rahmen des Kongresses einnehmen?

Burghuber: Wir sind sehr stolz, dass wir hochkarätige Spezialisten auf diesem Gebiet einladen konnten. Es wird zwei „Top-Topic“ Symposien während des Kongresses über die H1N1 Pandemie geben, wo Virologen, Epidemiologen und Infektiologen das Wort haben um die Teilnehmer des Kongresses entsprechend zu informieren.

SpringerMedizin.at: Der ERS-Kongress findet zum dritten Mal in Wien statt. Herr Prof. Burghuber, sie sind in diesem Jahr ERS-Kongresspräsident - eine beeindruckend große Veranstaltung, die weltweit größte im Rahmen der Pulmologie, mit entsprechendem logistischen Aufwand. Wie kann man sich die Arbeit im Hintergrund dieses Events vorstellen. Sind Sie erschöpft?

Burghuber: Der ERS Kongress bzw. die ERS selbst ist eine hochprofessionelle wissenschaftliche Gesellschaft die diesen Kongress jährlich macht und eine sehr hohe Expertise hat. Die wissenschaftlichen Teilnehmer und Mitglieder dieses Events organisieren über ein ganzes Jahr den wissenschaftlichen Inhalt des Kongresses.

Meine Aufgabe als lokaler Kongresspräsident ist es, das Bindeglied zwischen der ERS und der Stadt Wien zu sein und in diesem Dunstkreis die Probleme die auftauchen zu lösen. Das größte Problem, dass ichhatte, war die Diskussion über die „swine flu“. Da wussten wir im Vorfeld nicht was auf uns zukommt. Wir mussten wissen welche Möglichkeiten Österreich oder die Stadt Wien hat, beziehungsweise vorhält und wie die ERS auf diese Situation reagiert.

SpringerMedizin.at: Als letzte Frage: Für das Gesellschaftsprogramm haben Sie sich etwas Besonderes einfallen lassen…?

Burghuber: Da können Sie sicher sein. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist den Musikverein am Dienstag zu reservieren. Die Wiener Symphoniker werden ein „Neujahrskonzert“ aufführe. Somit können alle Teilnehmer des Kongresses die Atmosphäre eines echten Neujahrskonzerts erleben. Eine ganz besondere Sache, die selbst die meisten ÖsterreicherInnen und Wiener in ihrem Leben nicht schaffen.

Das Gespräch führte Jürgen Beer 

Zur Person

 Burghuber Portrait 02

Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber

ERS-Kongresspräsident und
ÖGP-Vizepräsident

Vorstand der 1.Lungenabteilung am
Otto Wagner Spital, Wien 

Redaktion, Jürgen Beer

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