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Prof. Dr. Horst Olschewski Klinische Abteilung für Lungenkrankheiten an der Medizinischen Universität Graz

 
Pulmologie 1. September 2009

Anwälte für saubere Luft

Die Pneumologen im Kampf gegen Feinstaub & Co.

Mit dem Mitte September stattfindenden europäischen Lungenkongress ERS (European Respiratory Society) in Wien machen die Pneumologen hierzulande von sich reden. Die Ärzte Woche sprach mit dem neuen Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Prof. Dr. Horst Olschewski, Klinische Abteilung für Lungenkrankheiten an der Medizinischen Universität Graz.

Zentrale Themen des Interviews sind die sinnvolle Nutzung finanzieller Ressourcen im Gesundheitsbereich und der Aufholbedarf im Bereich der heimischen pneumologischen Forschungstätigkeit.

Was haben Sie sich für die Zukunft der ÖGP vorgenommen?

Olschewski: Die finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen werden zunehmend knapp, diagnostische und therapeutische Maßnahmen immer kostenintensiver. Als Gesellschaft müssen wir Wege finden, mit den vorhandenen Mitteln möglichst effektiv und klug umzugehen. Chronische Erkrankungen wie die COPD werden in den kommenden Jahren weitaus häufiger und belasten das Gesundheitssystem. Hier sind wir als Pneumologen aufgerufen, entsprechend bedarfsorientiert zu handeln.

Wie sieht das im Detail aus?

Olschewski: Nur wenn man Therapieempfehlungen und Maßnahmen nennen kann, die auf dem Boden der Evidenz stehen, wird man die Kostenträger hinter sich bringen können. Wir haben damit einen Bedarf an wissenschaftlich fundierten Aussagen über die adäquaten diagnostischen und therapeutischen Schritte. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft sind wir verpflichtet, solche Aussagen zu machen und die Grundlagen dafür zu erarbeiten. Das heißt nicht, dass die Fachgesellschaft selbst Studien durchführen möchte, sondern dass wir optimale Rahmenbedingungen dafür schaffen wollen.

Studien sind heute jedoch kaum ohne Finanzierung durch die Industrie möglich...

Olschewski: Es stimmt, dass neue Medikamente überwiegend in klinischen Studien geprüft werden, die von der pharmazeutischen Industrie stammen. Unser Interesse ist, dass viele pneumologischen Zentren und Praxen in Österreich dabei eingebunden werden. Der ÖGP geht es aber vielmehr um Themen, die nicht von unmittelbarem wirtschaftlichem Interesse für Firmen sind, etwa epidemiologische Untersuchungen über Asthma, COPD oder interstitielle Lungenkrankheiten. Hier liegt das Interesse insbesondere bei den Kostenträgern und bei der Fachgesellschaft. Daher werden wir uns in diesen Bereichen besonders einsetzen und durchaus versuchen, die industriellen Partner mit einzubinden.

In diesem Zusammenhang müssen wir uns aber auch der Diskussion über Vorteilsnahme und Korruption im medizinischen Bereich stellen. Als Fachgesellschaft sind wir diesbezüglich gut aufgestellt und brauchen den Vergleich mit anderen Gesellschaften nicht zu scheuen. Wir wollen eine optimale Kooperation mit der pharmazeutischen Industrie unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben.

Auf welche Weise wird dies intern bewerkstelligt?

Olschewski: Wir müssen der Wissenschaftlichkeit in unserer Gesellschaft eine hohe Bedeutung geben. Wir haben unsere Arbeitskreise neu strukturiert, die zudem mit übergreifenden neuen Strukturen ergänzt werden: Es sollen hier Task Forces etabliert werden, die sich schwerpunktmäßig mit einer Thematik beschäftigen, über die Grenzen der einzelnen Arbeitskreise hinaus.

Weiterhin haben wir eine Reihe von Forschungsföderungsmaßnahmen bereits umgesetzt. Über Short-Time-Fewllowships können junge Kollegen neue Techniken aus dem Ausland nach Österreich bringen. Forschungspreise, wie der Michael Neumann Gedächtnispreis, Posterpreise, eine Auszeichnung für den „Fall des Jahres“ für gut vorgetragene Kasuistiken und Auslandsgrants unterstützen die Forschungstätigkeit.

Die Nachwuchsförderung war schon Ihrem Vorgänger ein großes Anliegen…

Olschewski: Tatsächlich ist der pneumologische Nachwuchs für uns sehr wichtig. Denn nicht zuletzt haben auch wir es in unseren eigenen Reihen mit einer gewissen Überalterung zu tun. So müssen wir bestrebt sein, unser Fach attraktiv für die jungen Kollegen zu machen. Dazu zählen standespolitische Aufgaben, aber auch ein gutes Forschungsumfeld.

Wie schlägt sich Österreich im internationalen Feld der Forschung?

Olschewski: In Österreich haben wir zwar einen ausgezeichneten Stand im Hinblick auf die medizinische pneumologische Versorgung. Dies lässt sich anhand einiger Parameter, wie der Ärztedichte und der Zahl struktureller Einrichtungen, definieren. Dagegen ist die wissenschaftliche Leistung nur durchschnittlich. Zwar hat sich dies in den letzten Jahren deutlich gebessert, wir liegen diesbezüglich jedoch immer noch weit hinter Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark zurück, die auf eine lange pneumologische Forschungstradition aufbauen können. Hinsichtlich Forschung ist also hierzulande ein großer Aufholbedarf gegeben. Unsere wissenschaftlichen Arbeitskreise müssen daher nicht nur gefördert, sondern auch gefordert werden.

Dass der Europäische Lungenkongress ERS wieder in Wien stattfindet, ist eine große Ehre...

Olschewski: Unser Past-Präsident Prof. Burghuber ist ERS-Kongresspräsident, was uns natürlich sehr stolz macht. Immerhin ist diese Veranstaltung mit zirka 20.000 erwarteten Teilnehmern mittlerweile deutlich größer als der ATS, der größte amerikanische internationale Lungenkongress. Diesen Höhenflug hätte vor fünf Jahren noch niemand vorhergesehen. Er ist tatsächlich als europäische Erfolgsstory zu werten.

Welche Botschaft hätten Sie an die niedergelassenen Kollegen?

Olschewski: In der Vergangenheit konnten sich eine Reihe niedergelassener Pneumologen nicht ganz mit der Gesellschaft identifizieren. Hier ist in letzter Zeit jedoch eine merkliche Verbesserung zu spüren. Diesen Weg wollen wir weiter verfolgen, alle Lungenfachärzte sollen den Eindruck haben, dass sie in der ÖGP ihre Heimat haben und dass die ÖGP auch ihre Interessen ausgezeichnet vertritt. Auch suchen wir die Kooperation mit anderen Fachdisziplinen, etwa der Inneren Medizin und den allgemeinmedizinischen Kollegen. Sie sind in der Regel erste Ansprechpartner für unsere Patienten und sollen sich daher entsprechend gut mit pneumologischen Belangen auskennen, die pneumologischen Erkrankungen erkennen und auch wissen, wo ihre Grenzen sind. Dabei können sie selbstverständlich mit unserer vollen Unterstützung rechnen.

Wird man in der Öffentlichkeit von der ÖGP hören?

Olschewski: Wir konnten bereits unter unserer ehemaligen Generalsekretärin und derzeitigen Vizepräsidentin, Dr. Hartl, in der ÖGP Strukturen aufbauen, die wir heute benutzen können, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Als aktuelles Beispiel wäre der Gesundheitsbus zu nennen, der quer durch Österreich gefahren ist und der Bevölkerung niederschwellig eine Überprüfung der Lungenfunktion ermöglichte. Die aus dieser Aktion erhobenen Daten werden zurzeit noch ausgewertet und stehen beim im September in Wien stattfindenden ERS zur Diskussion. Jetzt schon kann gesagt werden, dass diese österreichische Initiative im europäischen Vergleich das wohl erfolgreichste Projekt darstellt.

Auch der Feinstaub ist für die ÖGP ein großes Thema, das es nach außen hin zu kommunizieren gilt. Wir verstehen uns als Anwälte für saubere Luft. Insofern müssen wir auch zukünftig Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger ausüben, wenn es etwa darum geht, saubere Luft zu erreichen. Das Zigarettenrauchen als wichtigster Produzent von Feinstaub in Innenräumen spielt dabei eine wichtige Rolle. Hinsichtlich der Maßnahmen gegen das Rauchen ist Österreich gegenwärtig leider das absolute Schlusslicht im europäischen Vergleich. Da gab es gravierende Versäumnisse in der Politik. Wir werden uns intensiv dafür einsetzen, dass dies in Zukunft korrigiert wird.

Was planen Sie noch für die weitere Zukunft?

Olschewski: Ich freue mich auf diese Präsidentschaft, und es gibt eine Menge zu tun. Kurzfristig stellt die Ausrichtung des Kongresses 2010 in der Grazer Stadthalle eine große Verantwortung dar. Als wissenschaftlichen Schwerpunkt haben wir die Zirkulation gewählt, Hauptthemen sind die endotheliale Dysfunktion und das Cor pulmonale. Dennoch wird die Tagung den gesamten Bereich der Pneumologie abdecken und die neuesten Erkenntnisse aus allen Bereichen der Pneumologie vermitteln.

Langfristig kommt es darauf an, dass die ÖGP den Weg der Erneuerung konsequent fortsetzt. Ich bin sehr optimistisch, dass das gelingt.

Das Gespräch führte Dr. Ronny Teutscher

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 36 /2009

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