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Pulmologie 2. Juli 2008

Die Zukunft der Behandlung von Nikotinsucht

Weltweit gibt es etwa 1,2 Milliarden Raucher, wovon mehr als die Hälfte an durch das Rauchen verursachten Erkrankungen sterben werden; jährlich sind es fast fünf Millionen Menschen. Da etwa zwei Drittel am liebsten aufhören würden, es aber nicht ohne Weiteres schaffen, wird allerorts fieberhaft daran geforscht, wie man zukünftige Ex-Raucher unterstützen kann. Nikotinabhängigkeit ist eine chronische Erkrankung, die auf die Patienten persönlich zugeschnittene Behandlungsansätze erfordert, fasst eine Forschergruppe des Tobacco Use Research Center der Universität von Minnesota rund um Dr. Dorothy K. Hatsukami in der Fachzeitschrift The Lancet (2008; 371: 2027-2038) zusammen.
Dr. Hatsukami meint: „Pharmakotherapien für Nikotinabhängige können die Aussteigerraten um das Zwei- bis Dreifache erhöhen.“ Darüber hinaus werden verbesserte Erfolgsraten bei kombiniertem Einsatz von Pflastern und nach Belieben verwendeten Nikotinersatz-Produkten wie Nikotinkaugummi untersucht.
Das Rauchen bloß einzuschränken bringt, so die Autoren, wenig: „Die Raucher kompensieren dies durch wesentlich tieferes Inhalieren jeder Zigarette, so dass ein Rückgang des Zigarettenkonsums um 50 Prozent oder mehr einen nur 30-prozentigen Rückgang der Biomarker für toxische Belastungen zur Folge hat.“
Breit angelegte randomisierte Studien bewerteten die Wirksamkeit des Medikaments Rimonabant auf die Raucherentwöhnung. Schluss­endlich wird auch die Pharmakogenetik – hierbei wird die Behandlung dem genetischen Profil der individuellen Patienten angepasst – als Therapiemöglichkeit in Betracht gezogen.
Die Autoren folgern: „Die Nikotin- oder Tabakabhängigkeit sollte wie eine chronische Störung behandelt werden. Die Therapie erfordert anhaltende Anstrengungen, Raucher bei ihren Versuchen, das Rauchen aufzugeben, zu unterstützen. Mögliche Rückfälle müssen von vornherein in Betracht gezogen werden.“ Die wichtigste Therapiekomponente ist die tatsächliche Bereitstellung potenter Behandlungsmethoden.
Zu den Anwärtern auf die Therapie der Zukunft gehört die Anti-Raucher-Impfung, die das Immunsystem zur Bildung von Antinikotin-Antikörpern anregen soll, wodurch das Gefühl der Belohnung, das beim Rauchen erzielt wird, ausfällt. In den Versuchen sind die Vorstufen davon erreicht worden. International sind mehrere Forschungszentren damit beschäftigt, so eine Impfung herzustellen.
So ließ beispielsweise das Karolinska-Institut in Stockholm vor rund einem Monat verlauten, dass sie eine Raucher-Impfung entwickelt hätte, die nun an 400 Anhängern des blauen Dunstes getestet wird. Bis die Resultate aus diesem Testlauf zu erwarten sind, vergeht aber mindestens noch ein Jahr.

The Lancet/APAmed/PH

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