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Pulmologie 13. Februar 2008

Pneumonierisiko erhöht

Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, gehen bei Operationen das Risiko erheblicher Lungen-Komplikationen ein. Das haben Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt herausgefunden. Wie die Wissenschaftler um Prof. Dr. Claudia Spies, Leiterin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, in der aktuellen Ausgabe des Magazins Alcoholism: Clinical and Experimental Research (2008; 32: 331-8) berichten, trägt Alkohol erheblich zur Schwächung des Immunsystems bei. Sie wiesen diese Reaktion bei Mäusen nach, die sie zunächst an Ethanol gewöhnten. Dann führten sie an ihnen eine mediane Laparotomie durch und setzten die Mäuse entweder Klebsiella pneumoniae oder einer Salzlösung aus. Das Ergebnis: Im Blut der Alkohol-Mäuse fanden sich signifikant höhere Spiegel von Interleukin 6 und 10, die Pneumonie war mit ausgeprägterer Gewebszerstörung und schlechteren klinischen Scores verbunden.
„Ähnliches haben wir auch bei Menschen festgestellt, die vor der Operation häufig Alkohol tranken“, erläutert Prof. Spies.
Verhältnismäßig geringe Mengen genügen, um den Effekt zu erzeugen. „Wir beobachten diese schweren Lungen-Komplikationen bereits bei Patienten, die in den drei Monaten vor der Operation jeden Tag drei Gläser Bier oder zwei Gläser Wein getrunken haben. Derartige Trinkgewohnheiten gibt es bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung“, sagt Spies.
Das Problem ist laut Spies in Kliniken alltäglich: „Etwa 50 Prozent aller Patienten, die als Notfall eingeliefert werden, haben Alkohol im Blut“, schätzt sie. Menschen, die ihre Operation planen können, sollten in den Monaten zuvor ihren Alkoholkonsum zwar einschränken, aber nicht völlig darauf verzichten. „Auch der Schock eines Entzugs kann nachteilig wirken.“ Besonders eindringlich ist ihr Appell an die Ärzte: „Sie müssen alle Patienten vor der Operation eingehend nach ihren Trinkgewohnheiten fragen. Es kann Leben retten, wenn man auf Komplikationen vorbereitet ist.“

Quelle: IDW

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