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Onkologie 24. April 2008

Schutz vor Schäden

Ein Medikament, das den Körper gegen die Schädigung durch ra­dioaktive Strahlung schützen soll, wird derzeit von Wissenschaftlern des Lerner Research Institute entwickelt. CBLB502 soll die Strahlenbehandlung für Krebspatienten sicherer machen und könnte auch bei einer nuklearen Katastrophe zum Einsatz kommen. Das Medikament wurde bisher nur im Tierversuch getestet, klinische Studien werden vorbereitet. Details der Forschungsergebnisse wurden jüngst veröffentlicht (Science 2008 320: 226-230). Ra­dioaktive Strahlung kann Zellen so schädigen, dass der zell­eigene Apoptosemechanismus aktiviert wird. Gesunde Zellen werden bei der Bestrahlung von Tumorzellen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Radiologen versuchen daher, die Krebszellen so genau wie möglich ins Visier zu nehmen. Ausgangspunkt der Forschung war laut Studienautor Andrei Gudkov, den gesunden Zellen die Möglichkeit zu geben, sich durch das Imitieren der Fähigkeiten der Tumorzellen gegen den Zelltod zu wehren. Dafür musste dieser Effekt temporär begrenzbar und reversibel gemacht werden.
Der neue Wirkstoff wurde im Rahmen der Erforschung strahlenresistenter Krebszellen entdeckt. Die Substanz CBLB502 unterdrückt jenes Protein, welches den programmierten Zelltod auslöst. Tierversuche ergaben, dass CBLB502 die gesunden Zellen im Knochenmark und im Verdauungstrakt schützt. Die Tumorzellen sprachen jedoch weiterhin auf die Behandlung an.
Mäusen und Affen, denen das Medikament vor dem Kontakt mit einer normalerweise tödlichen Strahlungsdosis verabreicht wurde, überlebten eher oder lebten länger als nicht behandelte Tiere. Ein Risiko bei der Verhinderung des Zelltodes besteht darin, dass auch geschädigte Zellen überleben könnten, die später kanzerös werden, so die Forscher. Bei den durchgeführten Tests konnten dafür aber keine Anzeichen gefunden werden. Offensichtliche Nebenwirkungen wurden ebenfalls nicht nachgewiesen. Der Schutz der gesunden Zellen gegen die Strahlung sollte bei Krebspatienten eine längere Bestrahlungsdauer und eine höhere Dosierung ermöglichen.

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