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Onkologie 20. September 2007

Tumor trifft Nervenzelle

Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke erforschen die Tumorzell-Kommunikation: Nach dem Konzept der Neoneurogenese beeinflussen sich Nervensystem und Tumorzellen gezielt, direkt und gegenseitig. Das von Prof. Dr. mult. Kurt Zänker und Prof. Dr. Frank Enschladen, beide tätig am Institut für Immunologie und experimentelle Onkologie an der Universität Witten, Herdecke, entwickelte Tumor-Kommunikationsmodell geht davon aus, dass neuronale Synapsen gezielt am Krebsgewebe gebildet werden.
Der Tumor selbst sendet laut Enschladen Signale an das Nervensystem, damit sich Nervenzellen direkt an den Tumor anlagern. Denn sind die Nervenzellen erst in den Tumor vorgedrungen, können sie Botenstoffe ausschütten und so die Verbreitung im Körper vorantreiben. Die Kommunikation zwischen Nervenzelle und Tumor findet unter anderem über Noradrenalin statt. Den Wissenschaftler gelang es im Tierversuch, die Metastasenbildung durch Anwendung von Betablockern zu verzögern. Bei den Untersuchungen wurden humane Krebszelllinien aus der Prostata in Mäuse verpflanzt. Die Betablocker verhinderten erfolgreich die Rezeptorbindung von Noradrenalin, wodurch die Metastasenbildung unterbrochen wurde.
Dieses Resultat bestätigte die direkte Verbindung zwischen Tumor und Nervensystem. Stand bislang in der Tumortherapie das Immunsystem alleine im Vordergrund, werden durch diese Entdeckung neue Therapiestrategien denkbar. Enschladen zufolge greift das Bild vom Tumor als isolierter Struktur, die in den Körper gelangt, in wesentlichen Aspekten zu kurz. Der Tumor sei zunächst einmal etwas Körpereigenes, so der Studienautor, und die Forschung eben erst dabei, die Wechselwirkungen mit verschiedenen Signalsubstanzen zu verstehen.

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