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Onkologie 29. August 2007

Lungenkrebs entschlüsselt

Bei etwa neunzig Prozent der Krebserkrankungen sind Metastasen für den Tod der Patienten mitverantwortlich. An der Universität Würzburg wurde erforscht, wie das Wachstum von Blutgefäßen in Lungentumoren die Ausbreitung von Metastasen in Knochenmark und Lymphknoten begünstigt. Die Forscher um Prof. Dr. Ulf Rapp arbeiteten mit Krebsmäusen, die zwei Wochen nach Geburt gutartige Lungentumoren entwickelten. Das harmlose, verdrängend wachsende Gewebe wurde durch die Wissenschafter invasiv – also bösartig – gemacht. Die Umwandlung von gut- zu bösartig wurde genau untersucht (Cancer cell 12, 145-159, online 13 August 2007).
Zuerst wurde das Protein E-Cadherin blockiert. Dieses Eiweiß ist für die Anheftung von Zellen auf Oberflächen wichtig. Resultat der Blockade war eine massive Neovaskularisation der Geschwulst. Durch die intensive Blutversorgung konnten die Tumoren schneller wachsen, drangen ins umliegende Lungengewebe ein und bildeten Metas­tasen, unter anderem in Lymphknoten und Knochenmark.
Die verstärkte Gefäßbildung wurde durch den Wachstumsfaktor VGEF (Vascular Endothelial Growth Factor) ausgelöst, der durch den Beta-Catenin-Signalweg aktiviert wurde. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die zunächst gutartigen Zellen durch die Inaktivierung des Proteins E-Cadherin neu programmiert worden sind. Das heißt, dass sie vorübergehend Eigenschaften eines anderen Zelltyps angenommen haben“, so Studienautor Rapp. Die Zellen fielen auf primitivere Entwicklungsstufen zurück: „Sie bekamen leberähnliche Eigenschaften und können daher in die Leber metastasieren“, erklärt Rapp. In der Embryogenese entstehen Leber und Lunge aus Ausstülpungen des Darmschlauches.

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