zur Navigation zum Inhalt
© MedUni Graz
Verena Stiegelbauer und Martin Pichler von der MedUni Graz.
 
Onkologie 25. August 2017

Erklärung für Metastasierung bei Dickdarmkrebs

Grazer Wissenschaftler arbeiten an der Entschlüsselung der Rolle sogenannter nicht kodierender RNAs bei der Metastasierung bei Dickdarmkrebs.

MedUni Graz. Das Kolonkarzinom ist in Österreich die zweithäufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern. Die Identifizierung der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen soll den Weg zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze ebnen.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass sogenannte MicroRNAs – kleine nichtkodierende RNA Moleküle, die die Genexpression maßgeblich beeinflussen – eine tragende Rolle in der Streuung von Metastasen beim Kolonkarzinom spielen. „In allen Körperzellen und somit auch in Tumorzellen laufen ständig biochemische Prozesse ab, welche maßgeblich durch Eiweißmoleküle, Proteine, gesteuert werden“, erklärt Prof. Dr. Martin Pichler, Leiter der Research-Unit „Non-coding RNAs and Genome Editing in Cancer“ der MedUni Graz. Krebszellen benötigen diese Eiweißmoleküle, um in gesundes Gewebe eindringen zu können, sich auszubreiten und in das Blutgefäßsystem eintreten sowie in andere Organe streuen zu können. Ob und wie viele solcher Eiweißstoffe gebildet werden, ist ein subtil reguliertes, komplex kontrolliertes Gleichgewicht. „Eine Ebene dieser Regulation läuft über MircroRNAs, welche die Produktion der Eiweißstoffe hemmen können“, so Pichler. „Dieser Mechanismus in Krebszellen wurde erstmals von Professor George Calin 2002 beschrieben. Der international renommierte Experte ist derzeit als Gastprofessor an der MedUni Graz in der Forschung und Lehre tätig.“

Gemeinsam mit Calin und Wissenschaftlern seiner eigenen Forschungsgruppe untersucht der Onkologe und Molekularbiologe Pichler die Anomalien dieser „Non-Coding RNAs“ beim Dickdarmkrebs. „Hat man früher angenommen, dass nur die für proteincodierende Gene definierten Abschnitte im menschlichen Genom Bedeutung haben und die viel umfangreicheren dazwischen liegenden Abschnitte irrelevant sind – diese wurden von einigen Autoren sogar als Junk-DNA bezeichnet –, so hat sich das Wissen um jene Non-coding-Anteile vervielfacht. Pharmakologische und Biomarker-Studien weisen auf das große Potenzial zur Nutzung der MicroRNAs hin, nicht nur bei Krebserkrankungen, sondern auch bei Infektionserkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen“, erklärt Pichler.

Im Rahmen mehrerer aktueller wissenschaftlicher Arbeiten konnten Pichler und seine Kollegen einige dieser MicroRNAs und andere Non-coding-RNAs entdecken, welche die Ausbreitung von Dickdarmkrebszellen regulieren. So beschreiben die Forscher beispielsweise die Rolle der MicroRNA miR-196b-5p als möglichen Biomarker zur Prognose der Metastasierung von Dickdarmkrebs.

Zwei unabhängige Kohorten mit insgesamt rund 300 atienten zeigen, dass eine niedrige Expression von miR-196b-5p signifikant mit Metastasenbildung assoziiert ist. Die Wissenschaftler haben entdeckt, dass miR-196b-5p einen direkten Einfluss auf die Krebszellmigration und die Bildung von Metastasen ausübt, wobei das verminderte Vorkommen von miR-196b-5p zu einer erhöhten Metastasenbildung führte, wohingegen eine Überexpression den gegenteiligen Effekt erzielte und die Metastasierung hemmte. „Könnte man hier ansetzen und die Funktion dieser Regulatoren beeinflussen, wären die Ergebnisse unserer Studien für mögliche therapeutische Ansätze potenziell nutzbar“, so Dr. Verena Stiegelbauer, ehemalige Dissertantin in der Doctoral School „Translational Molecular and Cellular Biosciences“ in Graz.

Martin Pichler et al.: „Genome-wide miRNA analysis identifies miR-188-3p as a novel prognostic marker and molecular factor involved in colorectal carcinogenesis“, erschienen in „Clinical Cancer Research“, DOI 10.1158/1078-0432.CCR-16-0497.

Pharmakologische und Biomarker-Studien weisen auf das große Potenzial zur Nutzung der MicroRNAs hin.

Prof. Dr. Martin Pichler
, Ärzte Woche 35/2017

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben