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Onkologie 1. Oktober 2006

Gender Medizin in der Onkologie

Das ganze Feld der Onkologie befindet sich in stürmischer Entwicklung, da nun Erkenntnisse aus mehreren Jahrzehnten Grundlagenforschung und die gewonnenen Erfahrungen aus der Klinik umgesetzt werden können. Erfreulicherweise sind seit der Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, Inzidenz und Mortalitätsraten an bösartigen Erkrankungen rückläufig, was sich in der Europäischen Union mit einem Rückgang von 1 % / Jahr oder 80 000 prognostizierten Todesfällen auswirkt. Das Spektrum der malignen Erkrankungen und auch die Verlaufsformen sind bei beiden Geschlechtern höchst unterschiedlich. Bei gleicher Therapie leben Frauen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen zumeist länger als Männer. Bis vor kurzem war es jedoch nicht üblich, Studienergebnisse getrennt für beide Geschlechter auszuwerten und auch das Wissen über geschlechtsspezifische Unterschiede in Phamakokinetik und Pharmakodynamik der angewandten Substanzen fehlte weitgehend, da wie in anderen Fächern der Medizin, Frauen selten an Studien für Erkrankungen, die beide Geschlechter betreffen, aufgenommen wurden. Nun wird dieses Defizit langsam aufgeholt. Die dabei gewonnenen Daten fügen sich sinnvoll in verbesserte Dosierungsmodelle für Zytostatika und andere Pharmaka ein, die in der Onkologie noch immer auf der fraglich genauen und fraglich relevanten Schätzung der Körperoberfläche beruhen. In ein so komplexes Feld wie eine Krebserkrankung spielen außerdem sozioökonomische und soziokulturelle Faktoren mit, die bei den Geschlechtern höchst unterschiedlich gewichtet sind. Insgesamt eröffnet die gendersensitive Betrachtung möglicherweise neue Möglichkeiten, wie jüngst bei der chronisch lymphatischen Leukämie eindrucksvoll vorgeführt wurde.

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