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Malignes Melanom: Statine lösen in Melanomzellen ein zelluläres Selbstmordprogramm aus. Zur Aktivierung dieses Anti-Tumoreffekts muss jedoch der Botenstoff Interleukin-6 vorhanden sein
 
Onkologie 13. Juni 2016

Der Tumorfeind Nummer eins

Statine können ein Selbstmordprogramm in Melanomzellen auslösen – vorausgesetzt es ist Interleukin-6 vorhanden. Das haben Labortests ergeben.

Diese erstmals gemachte Beobachtung wurde vor Kurzem im Journal „Melanoma Research“ veröffentlicht. Die Forscher zeigten, dass die in Melanomzellen beobachtete Anti-Tumorwirkung von Statinen auch bei anderen Tumorarten auftritt.

Das Team um Martin Hohenegger vom Institut für Pharmakologie und Christoph Minichsdorfer vom Comprehensive Cancer Center der Med-Uni Wien konnte zeigen, dass der zelluläre Botenstoff IL-6 eine notwendige Voraussetzung für das Auslösen des Selbstmordprogramms durch Statine ist.

Selbstmord-Botschaft

Dazu erläutert Hohenegger: „Vergleiche verschiedener Studien zeigten, dass Melanomzellen sehr unterschiedliche Empfindlichkeiten für das Auslösen des Selbstmordprogramms durch Statine besitzen. Warum dies so ist, war nicht bekannt. Weiters wusste man bereits, dass IL-6 das Wachstum frühphasiger Melanomzellen hemmt – nicht aber das Wachstum weiterentwickelter Melanomzellen. Wir fragten uns also, ob zwischen diesen scheinbar unabhängigen Phänomenen eventuell ein Zusammenhang bestehen könnte.“

In der Folge wurde untersucht, inwieweit die unterschiedlichen Empfindlichkeiten für das Auslösen eines zellulären Selbstmordprogramms durch Statine mit der Wirkung von IL-6 zusammenhängen könnten. „Wir konnten zeigen, dass das Statin Simvastatin in frühphasigen Melanomzellen zunächst kein zelluläres Selbstmordprogramm auslöste –, erst wenn wir zusätzlich IL-6 anbieten, aktiviert Simvastatin dieses Programm. Ein guter Hinweis darauf, dass Statine zur Auslösung dieses Anti-Tumoreffekts auf den Botenstoff IL-6 angewiesen sind.“

Hemmung durch Antikörperbindung

Weitere Hinweise für diesen Zusammenhang sammelte die Gruppe dann mit einem Antikörper-Experiment. Dabei machte sie sich zunutze, dass der Antikörper Tocilizumab an zelluläre Rezeptoren für IL-6 bindet und so die entzündliche Wirkung des Botenstoffs unterbindet.

Dieser Effekt wird in der Rheumatherapie seit 2014 bei fortgeschrittenen Krankheitsverläufen erfolgreich eingesetzt. „Wir konnten zeigen, dass in metastasierenden Melanomzellen die Anti-Tumorwirkung von Simvastatin durch die gleichzeitige Blockierung der IL-6-Rezeptoren durch den Antikörper Tocilizumab aufgehoben wurde. Ein weiterer Hinweis, dass die hemmende Wirkung der Statine auf das Tumorwachstum nur im Zusammenhang mit IL-6 effizient funktioniert“, erläutert Hohenegger. Noch sind Details darüber, wie IL-6 und Statine auf dem molekularen Level miteinander interagieren, vollkommen im Dunkeln, doch für frühphasige Melanomzellen deuten erste Hinweise auf die beiden Proteine Bcl-XL und Bcl-2. Diese hemmen für gewöhnlich das Selbstmordprogramm der Melanome und werden durch IL-6 reduziert. In metastasierenden Zellen hingegen scheinen diese beiden Proteine durch Statine kaum reguliert zu sein.

Klinische Relevanz

Insgesamt brachte die Arbeit des Wiener Teams um Hohenegger zahlreiche Erkenntnisse mit potenziell hoher klinischer Relevanz, sowohl für die Behandlung des Melanoms als auch für die Rheumatherapie, in der Antikörper wie Tocilizumab eingesetzt werden können. Tatsächlich konnte das Team zusätzlich zeigen, dass die in Melanomzellen beobachtete Anti-Tumorwirkung von Statinen auch bei anderen Tumorarten, wie dem Neuroblastom, auftritt, was diesen Ergebnissen noch weitere Bedeutung verleiht.

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