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© Juan Gärtner / fotolia.com
Nach einer „Gentherapie“ bekämpfen die T-Zellen wieder Tumorzellen.
 
Onkologie 1. März 2016

Das Immunsystem schlägt zurück

Forscher können mit einem neuen Modell Antigene bei Tumorzellen erkennen, die sich als Angriffsziel für körpereigene T-Zellen eignen, und in weiterer Folge diese Lymphozyten darauf trainieren.

Die Immuntherapie gegen Krebs ist derzeit ein heißes Thema. Mittlerweile glauben Wissenschafter, dass die herkömmliche Chemotherapie durch Auslösen von Mutationen in den Krebszellen ihre Erkennung durch das Immunsystem fördert. Ein internationales Forscherteam hat T-Zellen so trainiert, dass sie Mutationen in Krebszellen besser erkennen und dann bekämpfen.

Die Wissenschafter des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC), der Charite, des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG), der Humboldt-Universität und der Universität von Chicago haben ein solches System entwickelt und an Mäusen getestet. Es ging darum, T-Zellen gezielt auf mutierte Proteine in Krebszellen auszurichten (siehe Artikel auf Seite 6).

Die patrouillierenden T-Zellen können die abnormen Proteine von Tumoren als „fremd“ erkennen. Dieser Abwehrmechanismus scheint aber nicht zu greifen: T-Zellen wandern zwar in den Tumor ein und erkennen dessen Antigene, werden aber durch das tumor microenvironment inaktivert.

Diese „natürlichen“ T-Zellen lassen sich daher kaum therapeutisch nutzen, erläutert Dr. Matthias Leisegang vom Berliner MDC, aber „die tumorspezifischen T-Zell-Rezeptoren kann man in frische T-Zellen verpflanzen, die man aus dem Blut des Patienten gewinnt. Diese Verpflanzung erfolgt mit genetisch veränderten Viren, die ihr Erbmaterial in Millionen von T-Zellen einbauen können. Anschließend gibt man diese Zellen dem Patienten zurück.“ Dort bekämpfen die T-Zellen dann den Tumor.

Diese Gentherapie mit T-Zell-Rezeptoren testete das Wissenschafterteam in einem realistischen, klinisch relevanten Szenario. „Wir haben den therapeutischen Ansatz in der Maus nachempfunden“, sagt Leisegang. An der Universität von Chicago analysierte man die Gene eines Tumors aus der Maus und identifizierte eine Mutation, die in allen Regionen des Tumors auftrat und auch als Antigen den Weg an die Oberfläche fand. T-Zellen der Maus wurden mit einem mutationsspezifischen T-Zell-Rezeptor bewaffnet und dem Tier verabreicht. So wurde der Tumor fast vollständig zurückgedrängt.

Klinisch relevant: Kombiniert mit einer lokalen Bestrahlung des Tumors wurde eine vollständige Remission erreicht. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im Fachjournal Clin Cancer Res clincanres, 3168. 2/ 2016 erschienen.

In einer anderen Publikation im Journal of Clinical Investigation haben die Berliner Forscher gezeigt, wie wichtig tierexperimentelle Vorversuche sind, damit eine mutationsspezifische Therapie letztlich erfolgreich ist. So erscheinen manche Mutationen im Zellkulturversuch als geeignetes Ziel einer Therapie, können dieses Versprechen jedoch im Körper des Patienten nicht „einhalten“.

Mit einem Mausmodell, das an entscheidenden Stellen menschliche Moleküle für die Antigen-Erkennung trägt, ist es gelungen, „gute“ von „schlechten“ Antigenen klar zu unterscheiden. „Wir haben ein Tiermodell entwickelt, mit dem T-Zell-Rezeptoren und Antigene auf ihre therapeutische Eignung untersucht werden können – eine wichtige Voraussetzung, um eine klinische Anwendung vorzubereiten“, wurde Leisegang in einer Aussendung des MDC zitiert.

PK/APAmed, Ärzte Woche 9/2016

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