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Onkologie 1. Februar 2016

Das Treffen der Onko-Primare

Kürzlich trafen sich hochrangige Vertreter der Onkologie. Ihr Fazit: Durch die Fortschritte in der Krebstherapie konnte die Lebenserwartung und -qualität der Krebspatienten deutlich verbessert werden.

In den vergangenen Jahren gab es im Bereich der Onkologie eine rasante Entwicklung neuer Diagnostiken und Therapien. Vor allem der Immuntherapie und der personalisierten Medizin, ist es zu verdanken, dass viele Krebspatienten, die vor zehn Jahren als unheilbar galten, heute relativ gut leben können.

Die Tumortherapie hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt. Dank innovativer Ansätze in der Diagnostik und Therapie können Patienten mit verschiedensten Krebsformen und -stadien von entscheidenden Verbesserungen der Lebenserwartung sowie der Lebensqualität profitieren.

Einen wesentlichen Beitrag zu dieser positiven Entwicklung haben in jüngster Zeit immunologische Tumortherapien geleistet. Sie beruhen auf der Erkenntnis, dass Tumorzellen die Immunantwort gegen sich selbst unterdrücken und sich so erfolgreich einer Zerstörung durch körpereigene Abwehrmechanismen entziehen können. Durch die neuen Immuntherapien wird das Immunsystem durch eine Blockade dieser Mechanismen geschützt bzw. wieder gegen den Tumor aktiviert.

„Die ersten zugelassenen Präparate bewähren sich bereits im klinischen Einsatz, vor allem bei fortgeschrittenen Stadien des Melanoms, des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms sowie des Nierenzellkarzinoms. Viele neue Substanzen stehen bereits kurz vor der Marktreife“, betont Prof. Dr. Christoph Zielinski, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I und Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie der MedUni Wien/ AKH Wien am 26. Jänner bei einer Pressekonferenz im AKH Wien – anlässlich des Welttags des Krebses am 4. Februar 2016. Neben der guten Wirksamkeit zeichnen sich die neuen Immuntherapeutika auch durch eine ausgezeichnete Verträglichkeit aus.

Neue Kombinationen und personalisierte Medizin

„Ein wichtiges Forschungsfeld ist auch die Etablierung neuer Kombinationen von Medikamenten, welche die Funktion der Immunabwehr entweder verstärken oder deren Blockade aufheben“, berichtet Zielinski. Parallel zu den Arbeiten auf dem Gebiet der Krebsimmuntherapie laufen auch im Bereich der personalisierten Medizin intensive Forschungsaktivitäten. Zum einen werden neue Medikamente in Studien geprüft, zum anderen neue prädiktive Biomarker entwickelt, mit denen sich das individuelle Ansprechen auf eine Therapie vorab einschätzen lässt. Ein großer Vorteil dieser zielgerichteten Therapien besteht darin, dass sie im Allgemeinen sehr gut verträglich sind.

„Auf dem Gebiet der hämatologischen bösartigen Erkrankungen ist in den letzten zwei bis drei Jahren kein Stein auf dem anderen geblieben“, erläutert Ulrich Jäger, Leiter der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien/ AKH Wien. Bahnbrechende Fortschritte wurden bei verschiedensten Krebsformen erzielt, vor allem bei der akuten und der chronischen lymphatischen Leukämie, dem multiplen Myelom, der akuten myeloischen Leukämie und Morbus Hodgkin. Dadurch konnten bei bestimmten Patientengruppen auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien die Überlebensraten bzw. die Heilungschancen drastisch erhöht werden.

In der Behandlung von B-Zell-Tumoren stellt die Zelltherapie mit CAR (Chimaric Antigen Receptor)-T-Zellen einen völlig neuartigen Therapieansatz dar. Dabei wird in normale T-Zellen eines Patienten bzw. einer Patientin mittels eines Virus ein CD19-Rezeptor eingeschleust, der bösartige B-Zellen erkennt. Bei Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie, die bereits aufgegeben waren, konnten mit dem Verfahren Remissionsraten von 90 Prozent realisiert werden. Bei Erwachsenen mit diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen kommt immerhin die Hälfte der Patienten in komplette Remission. Die MedUni Wien ist gemeinsam mit dem St. Anna-Kinderspital eines von neun Zentren in Europa, die an einer Studie mit dieser Methode teilnehmen. Der erste Patient wurde erst kürzlich aufgenommen.

Heilungschancen bei Brustkrebs steigen weiter

In der Behandlung des Hormonrezeptor-positiven Karzinom (Luminal-B-Karzinom) bietet die Einführung neuer Immuntherapien in Kombination mit antihormoneller Therapie einen innovativen Chemotherapie-freien Behandlungsansatz. Von dieser Tumorart sind rund 40 bis 60 Prozent der Patientinnen betroffen, insbesondere Frauen nach dem Wechsel.

Bei Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom, das etwa 12 bis 15 Prozent aller Brustkrebs-Fälle ausmacht, werden die Einsatzmöglichkeiten der verfügbaren Medikamente zunehmend besser charakterisiert. Dadurch können teilweise die Heilungschancen sowie die Lebensqualität deutlich verbessert werden.

„Darüber hinaus werden derzeit am Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des Wiener AKH Möglichkeiten der personalisierten Medizin geprüft. Diese Ansätze erlauben eine Prognose, welche Patientin am besten von welcher Therapie profitiert“, so Prof. Dr. Günther Steger, Programmdirektor für Mammakarzinom der Klinischen Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien/ AKH Wien.

48 h-Woche und die Forschung

Laut Zielinski sind „wir“ mit einer Arbeitszeit von 48 h international wissenschaftlich nicht konkurrenzfähig. Die Zeit für Forschung dürfe nicht zu der Arbeitszeit im Spital eingerechnet werden, um überhaupt mit ausländischen Forschungsbemühungen mithalten zu können. Zum Vergleich: In den USA arbeiten die Nobelpreis-Aspiranten 80 h+ ohne Unterbrechung. „Solche Genies gibt es nicht, die da mithalten können“, sagt Zielinski.

Mit den 48 h könne die Klinik am Laufen gehalten werden, mehr aber nicht. Das Problem dabei ist, dass „Trittbrettfahrer“, die nichts in die Forschung investieren und lediglich die Forschungs-Lorbeeren ausländischer Institute ernten wollen, einige Jahre warten müssen, bevor Neuerungen zu ihnen durchdringen. Die jetzige Generation sei bei der Forschung noch top, aber, sollte sich nichts ändern, werde es die Nächste nicht mehr sein.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

„Sowohl Krebspatienten als auch Angehörige sind mit vielen Herausforderungen und Problemen konfrontiert“, sagt Prof. Dr. Paul Sevelda, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus Wien-Hietzing, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. Neben psychischen und physischen Belastungen stehen zunehmend wirtschaftliche Probleme im Vordergrund. „Krebspatienten müssen davor geschützt werden, durch die Erkrankung unverschuldet in finanzielle Not zu geraten, etwa durch den Verlust des Arbeitsplatzes, weil sie nicht mehr oder nicht sofort wieder zu 100 Prozent einsatzfähig sind“, sagt Sevelda.

Deshalb fordert die Krebshilfe seit vielen Jahren eine gesetzliche Regelung zum stufenweisen Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Krebserkrankung bzw. die Möglichkeit eines Teilzeitkrankenstandes. Eine weitere zentrale Notwendigkeit ist der Ausbau von Hospiz- und Palliativeinrichtungen, um Menschen auch bei fortgeschrittener Krebserkrankung ein würdevolles und schmerzfreies Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Krebshilfe, Hospiz Österreich und die Österreichische Palliativgesellschaft haben eine Broschüre herausgegeben, die alle Hilfsangebote und Einrichtungen pro Bundesland mit Kontaktdaten aufzeigt.

Krebstag am 9. Februar

„Aufklärung, Information und Erfahrungsaustausch sind für Krebspatienten und ihre Angehörigen äußerst wichtig“, meint auch Prof. Dr. Gabriela Kornek, Präsidentin des Vereins „Leben mit Krebs“, Leiterin der Cancer School CCC Vienna und Ärztliche Direktorin des AKH Wien. Aus diesem Grunde organisiert der Verein „Leben mit Krebs“ regelmäßig Informationsveranstaltungen. Der nächste Termin ist der Krebstag 2016 im Wiener Rathaus am Dienstag, 9. Februar, 11 bis 16 Uhr, mit einem umfassenden Vortragsprogramm.

Das breite Spektrum der Therapiemöglichkeiten bei Krebserkrankungen von Brust, Darm, Lunge und Prostata sowie neue Behandlungsmöglichkeiten von Leukämien stehen im Mittelpunkt. Aber auch begleitende Themen wie Rehabilitation, Impfungen und das Thromboserisiko bei Krebs werden angesprochen. Aber nicht nur medizinische Experten bieten am Krebstag Informationen aus erster Hand, auch Mitglieder von Selbsthilfegruppen und Plattformen, wie etwas der Selbsthilfegruppen Österreichische Krebshilfe Wien, stehen vor Ort für persönliche Fragen zur Verfügung.

Quelle: Die Pressekonferenz „Neue Therapien – neue Hoffnung – neue Herausforderungen“ des Vereins „Leben mit Krebs“ anlässlich des Weltkrebstages fand am 26. Jänner im AKH Wien statt.

Alle Vorträge des Info-Krebstages: www.leben-mit-krebs.at

PK/Hennrich.PR, Ärzte Woche 5/2016

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