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Als strahlungsarm werden mobile Endgeräte mit einem SAR-Wert von 0,6 W/kg oder darunter definiert.
 
Onkologie 13. Jänner 2016

Durchblick im Handy-Dickicht

Das Smartphone ist eine junge Technologie, die manchen als gefährlich gilt. Grund: vermutete Strahlungsschäden.

Mögliche Langzeitwirkungen der Vieltelefoniererei machen Eltern nervös. Auf einer Liste des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz sind für Geräte von 60 Herstellern SAR-Werte angeführt.

Eine Bescherung ohne Handys oder Tablets – heute fast unvorstellbar. Doch viele Eltern fragen sich auch, wie es um die gesundheitlichen Gefahren durch die mobilen Endgeräte bestellt ist. Die World Health Organization (WHO) stuft elektromagnetische Felder als „womöglich krebserregend“ ein, mit einem eventuell erhöhten Risiko für Gliome.

Fest steht zumindest, dass zu hohe Strahlungsintensitäten thermische Veränderungen im Körper hervorrufen können.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Liste mit derzeit 2.505 im Handel befindlichen Handys und Tablets veröffentlicht, in denen die Strahlungsintensität der jeweiligen Modelle angezeigt ist. Und es hält zudem eine ganze Reihe einfacher Tipps bereit, wie man die Strahlenbelastung deutlich reduzieren kann.

Handys und andere mobile Endgeräte erlauben die drahtlose Kommunikation sowie Empfang und Austausch von Daten, Bildern, Musik und Filmen, ein Komfort, auf den kaum jemand mehr verzichten mag. Immer häufiger wird zugunsten des Mobiltelefons sogar auf einen Festnetzanschluss verzichtet.

Der Mobilfunk funktioniert über hochfrequente elektromagnetische Felder, die von entsprechenden Sendeanlagen ausgehen, die ein bestimmtes Gebiet, eine so genannte Funkzelle, abdecken. Von der Größe dieses Gebietes hängt die Intensität der Strahlung ab.

Dass die elektromagnetischen Felder (EF) auf den Körper wirken, ist unstrittig. Ihre Energie wird vom Körper aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Bei entsprechend hoher Energie kann das zur Erwärmung der inneren Organe führen, was über einen längeren Zeitraum Gesundheitsschäden auslösen kann. Man hat berechnet, dass dabei 4 Watt pro Kilogramm über 30 Minuten die Körperkerntemperatur – und damit die der Organe – um 1 Grad Celsius erhöhen.

Watt pro Kilogramm ist die Einheit der spezifischen Absorptionsrate (SAR) und das Maß für die Energieaufnahme im Körper. Dieser SAR-Wert variiert von Handy zu Handy, wobei der maximale Wert nicht mehr als 2 W/kg betragen darf. Als strahlungsarm werden mobile Endgeräte mit einem SAR-Wert von 0,6 W/kg oder darunter definiert. Elektromagnetische Felder haben über die thermischen Auswirkungen auf den Körper hinaus auch nicht-thermische Wirkungen, etwa in Form von Krafteinwirkungen auf die Zellen. Allerdings treten diese erst ab deutlich höherer Strahlenbelastung als die thermischen Wirkungen auf, sodass sie zumindest bezogen auf mobile Endgeräte ausgeschlossen werden können.

Laut einer 2013 veröffentlichten Mitteilung der International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO könnten elektromagnetische Felder womöglich das Risiko für Gliome und Akustikusneurinome erhöhen. Für andere Krebsformen gibt es laut der Behörde keine ausreichenden Hinweise.

Eindeutige Zusammenhänge mit diesen Hirntumoren konnten jedoch noch nicht sicher nachgewiesen werden, auch wenn einige Beobachtungsstudien bei Viel-Telefonierern eine signifikante Häufung der Tumoren aufzeigten. Die möglichen zugrunde liegenden biologischen Mechanismen konnten bislang ebenso wenig aufgeklärt werden. Worin sich die Experten einig sind: Die Langzeitwirkungen über 10 Jahre sind genauso unbekannt wie der Einfluss der elektromagnetischen Felder auf Kinder. Gerade bei ihnen sollte also auf ein möglichst strahlungsarmes Gerät Wert gelegt werden. Beim Bundesamt für Strahlenschutz gibt es eine Liste der Handys ( http://bit.ly/1PdxfX0 ). Diese zeigt Mobiltelefone von mehr als 60 Herstellern.

Bundesamt für Strahlenschutz, Ärzte Woche 1/2/2016

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