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© Jan-Peter Kasper / dpa
 
Onkologie 20. Dezember 2015

Zu scharf eingestellt

MRT der Mamma: Viele falsch-positive Befunde außerhalb des Brustbereichs.

Die Magnetresonanztomografie gilt als hochsensitives Verfahren für die Diagnose von Brustkrebs. Der Preis der hohen Sensitivität ist eine Vielzahl falsch-positiver Befunde – nicht nur in der Brust, sondern auch außerhalb.

Die kontrastverstärkte Magnetresonanztomografie (MRT) der Mamma ist in ihrer Ergebnisqualität nicht von der Gewebedichte abhängig. Sie steht im Ruf, Brustkrebs mit hoher Sensitivität zu entdecken und auch Tumoren aufzuspüren, die mit anderen Methoden unerkannt geblieben wären. In Studien erreichte die MRT-Sensitivität für Mammakarzinome Werte bis zu 100 Prozent. Doch wie bei anderen Diagnosetechniken auch, ist für die hohe Sensitivität ein Preis zu entrichten. Er besteht in einer relativ geringen Spezifität, was zu einer hohen Rate falsch-positiver Befunde in dem Sinne führt, dass es sich um benigne und nicht um maligne Veränderungen handelt.

Angrenzende Anatomie im Bild

Ins Bild gelangen bei einer Mamma-MRT nicht nur intendierte Strukturen wie die Brustdrüsen, die Pektoralismuskulatur und die Axillen, sondern auch angrenzende anatomische Bereiche. Brustspezialisten um Dr. Shilpa Padia von der Cleveland Clinic in Columbus, Ohio, haben untersucht, ob in den benachbarten Gebieten der Brüste inzidentell ebenfalls solche nichtmalignen MRT-Befunde auftauchen, die andernfalls unbekannt geblieben wären und kein weiteres Aufheben verursacht hätten. Dazu analysierten sie retrospektiv die Tomogramme aller 327 Patientinnen, die sich im Jahr 2010 nach einer Brustkrebsdiagnose an der Cleveland Clinic einer MRT unterzogen hatten.

Knapp 11 Prozent der Patientinnen wiesen inzidentelle MRT-Befunde im extramammären Bereich auf. Am häufigsten betroffen war die Leber (60 %), es folgten die Brusthöhle (34,3 %), das muskuloskeletale System (9 %), der Halsbereich (3 %) und die Nieren (3 %).

In keinem einzigen Fall handelte es sich um eine Metastase des zuvor diagnostizierten Mammakarzinoms oder um ein anderes Malignom. Das musste aber zunächst einmal gesichert werden, und so durchliefen 57 % der betroffenen Patientinnen weitere diagnostische Maßnahmen. Dazu gehörten weitere – in der Hälfte der Fälle sogar mehrere – radiologische Aufnahmen und zusätzliche Labortests. Bei immerhin knapp 6 % der Patientinnen mit entsprechendem Nachweis wurde das Inzidentalom biopsiert.

Therapieverzögerung möglich

Abgesehen von den zusätzlichen Kosten der mit der Brustkrebsdiagnose in keinerlei Verbindung stehenden Untersuchungen, verzögerte der zusätzliche Aufwand womöglich auch die eigentliche Therapie. Denn es dauerte bis zu sieben Wochen (im Durchschnitt 15 Tage), bis die nötige Zusatzdiagnostik abgeschlossen war. 17 % der Patientinnen mit zufällig entdeckten Veränderungen mussten sich in ärztliche Nachbeobachtung begeben, im Minimum für ein Sechs-Monats-Intervall.

Padia und Kollegen raten Ärzte daher, das Auftreten von extramammären Zufallsbefunden einzukalkulieren, wenn sie ein Brust-MRT anordnen. Die Möglichkeit, auf Inzidentalome außerhalb der Brustdrüse zu stoßen, vermehre die Argumente gegen einen verbreiteten und routinemäßigen Einsatz der MRT in der Abklärung neu diagnostizierter Mammakarzinome.

springermedizin.de

Originalpublikation:

Padia S. et al. False-positive Extra-Mammary Findings in Breast MRI: Another Cause for Concern. Breast J 2015, online 28. Oktober; DOI 10.1111/tbj.12524

Robert Bublak, Ärzte Woche 48/2015

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