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© Robert Newald/pa
Der Pathologe Prof. Dr. Sedivy verlässt nach neun Jahren die Landesklinik. Seine Patientenbroschüre soll es weiter geben, hofft er.
 
Onkologie 2. November 2015

„Ich war überrascht, wie kaltherzig man mit den Hinterbliebenen umgeht“

3 Fragen, 3 Antworten

Roland Sedivy hinterlässt im LKH St. Pölten eine große Lücke. Der Sozialarbeiter ging aktiv auf die Angehörige zu und beschränkte sich nicht auf Formalitäten.

Wie viele Angehörige wollen mit Ihnen ein Arztgespräch führen?

Sedivy:Mittlerweile habe ich zwei bis drei Gespräche pro Woche. Die Leute freuen sich, es ist ihnen angenehm, sie bedanken sich herzlich dafür. Zu Beginn war die Patienteninformation einfach himmelschreiend. Den Menschen wurde, salopp formuliert, ein Kaszettel in die Hand gedrückt, auf dem drauf steht, wo Sie hingehen sollen, die Kleidung abgeben und wo Sie die Bürokratie erledigen können. Was meine Mappe auszeichnet ist, dass man einerseits die bürokratische Information hat, andererseits aber auch die persönliche Ansprache. Die amtliche Sprache hat mich schon immer gestört. Da hat einer einen lieben Menschen verloren und dann kriegt er einen Kaszettel überreicht statt einer Empathiebekundung. Das wollte ich ändern. Als ich vor neun hier hergekommen bin, war ich überrascht, wie kaltherzig man mit den Hinterbliebenen umgeht.

Ist das Verabschieden wirklich jedem zu empfehlen?

Sedivy:Die meisten brauchen es. 90 Prozent derer, die sich verabschieden, brauchen das Gespräch dazu. Die haben viele Fragen. Die wenigen Prozent, die sich nicht dafür interessieren . . . das ist aber auch in Ordnung. Das ist zu respektieren, die wollen das dann einfach nicht. Die Menschen wissen in der Regel immer sehr genau, was sie brauchen. Daher steht das in der Broschüre als Einladung drin. Aus der Hinterbliebenenforschung weiß man, dass die Widerstandsfähigkeit der Menschen größer ist, als man gemeinhin glaubt.

Was ist die Motivation für Ihre Hinterbliebenen-Arbeit?

Sedivy: Abgesehen von der belastenden Situation, steht man zunächst einmal neben sich. Das war für mich der wichtigste Beweggrund, den Leuten etwas in die Hand zu drücken, mit dem Sie sich Informationen über ein Thema verschaffen können, an das man normalerweise im Alltag nicht denkt.

Sedivys Trauerbroschüre legt den Angehörigen ans Herz, mit sich selbst behutsam umzugehen und empfiehlt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, u. a. das Trauertelefon des Mobilen Hospizdienstes der Caritas, erreichbar unter 0676/83844299; jeden Dienstag & Donnerstag von 18 bis 20 Uhr.

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