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Onkologie 4. September 2015

Schlecht aufgeklärt

Bei Informationen für Krebspatienten besteht Verbesserungsbedarf.

Krebs-Früherkennung soll Leben retten, birgt aber auch Risiken in Form von Falschalarm und unnötigen Behandlungen. Broschüren sollen über beides, Nutzen und Schaden, aufklären. Dies ist leider nicht immer der Fall, wie eine rezente Studie zeigt.

Das Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems analysierte aktuell 22 Informationsunterlagen für Laien zum Thema Krebs. Das Ergebnis war – vor allem aus österreichischer Sicht – ernüchternd, da sich keine der Materialien als perfekt herausstellte. Während die Dokumente der Deutschen Krebsgesellschaft immerhin 82 Prozent der Qualitätskriterien erfüllten, waren es bei der Österreichischen Krebshilfe nur 35 Prozent. Zusätzlich werden in Österreich Untersuchungen empfohlen, die in Deutschland und der Schweiz abgelehnt werden, weil sie nicht evidenzbasiert sind (Originalstudie: http://bit.ly/1N4cqBr ).

„Die österreichischen Informationsmaterialien bieten den Menschen keine optimalen Entscheidungsgrundlagen. Es besteht viel Verbesserungsbedarf“, sagt Julia Hofmann, Erstautorin der Studie. Gerald Gartlehner, Direktor von Cochrane Österreich und Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems sowie Koautor der Studie ergänzt: „Die Art und Weise wie Empfehlungen der österreichischen Krebshilfe erstellt werden, entspricht nicht internationalen Standards: Interessenskonflikte werden nicht transparent gemacht, Risiken der Untersuchungen werden verheimlicht und der mögliche Nutzen wird einseitig hervorgehoben.“ In der Analyse wurden Informationsmaterialien zu Brust-, Gebärmutterhals-, Darm- und Prostatakrebs der Krebshilfe Institutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz danach berücksichtigt, wie sehr die Information auf aktuellem Wissen basiert und wie verständlich die zu erwartenden Folgen erklärt sind.

Die Studie wird beim 23. Cochrane Colloquium präsentiert, dem größten internationalen Kongress Evidenzbasierter Medizin der heuer von 3. bis 7. Oktober in der Bundeshauptstadt stattfindet ( https://colloquium.coch rane.org ).

Springer Wien veranstaltet am 19.11. gemeinsam mit dem Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems ein Seminar zum Thema „Kritisches Lesen von medizinischen Studien (weitere Informationen auf Seite 12).

Für weitere Nachrichten aus der Onkologie siehe auch www.springermedizin.at/memo---inoncology

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