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Onkologie 5. August 2015

Hodenkrebsrisiko nimmt weiter zu

Vor allem Männer unter 26 Jahren sind betroffen. Über die Ursachen wird bisher nur spekuliert.

Die Hodenkrebsinzidenz ist in den vergangenen zwei Dekaden in Industrienationen deutlich angestiegen. Und der Trend scheint anzuhalten.

Hodenkrebs ist bekanntlich die häufigste Krebserkrankung junger Männer in Europa und den USA. Aus bisher noch unklaren Ursachen nimmt die Inzidenz in vielen Ländern kontinuierlich zu – sie stieg zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren in den USA um etwa 50 Prozent, und dieser Trend scheint nach einer Analyse von US-Forschern in den meisten Industrienationen anzuhalten. Ein Team um Dr. Manas Nigam von der Universität in Chicago hat sich die Entwicklung der Keimzelltumoren nun bei Männern anhand der US-amerikanischen Datenbank SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) sowie des European Network of Cancer Registries (EUREG) erneut angeschaut. Die Wissenschaftler fanden zwischen 1992 und 2009 über 18.000 Hodenkrebsdiagnosen im SEER-Register. 59 Prozent der Patienten waren an einem Seminom erkrankt – dieser Anteil lag bei den 15- bis 29-Jährigen bei 29 Prozent, bei den über 40Jährigen bei 78 Prozent. Insgesamt war die Inzidenz innerhalb von 15 Jahren von 5,7 auf 6,8 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr gestiegen. Am höchsten war sie im Jahr 2009 bei weißen US-Amerikanern (8,6/100.000), am niedrigsten bei Afroamerikanern (1,7/100.000). Über alle Ethnien hinweg stieg die Inzidenz um 1,1 Prozent pro Jahr, am stärksten bei Männern mit lateinamerikanischem Hintergrund (5,6 % pro Jahr), der Anstieg betraf Seminome und Nicht-Seminome gleichermaßen. Auffallend war, dass die Inzidenz vor allem bei Männern unter 26 Jahren deutlich stieg, weniger stark hingegen bei älteren.

In vielen europäischen Ländern ist die Inzidenz von Keimzelltumoren noch deutlich höher als in den USA. Über 10 bis 20 Jahre gemittelt liegt sie in Dänemark bei 13,7 und in der Schweiz sowie Norwegen bei 12,7/100.000. Deutschland folgt auf Platz vier mit 11,9/100.000. Am niedrigsten ist die Inzidenz in Osteuropa und Spanien mit weniger als 5/100.000. Allerdings steigt sie in diesen Ländern auch am stärksten an – zum Teil um mehr als 5 Prozent pro Jahr. Dagegen ist der Anstieg in den Hochinzidenzländern relativ gering, in Deutschland sind es nur 0,8 Prozent pro Jahr. Auf lange Sicht scheinen sich die Inzidenzen also anzugleichen. Über die Ursachen lässt sich nur spekulieren. Als Risikofaktoren gelten Kryptorchismus, eine vorzeitige Geburt sowie eine Zwillingsgeburt. Diese Faktoren, so Nigam, deuten auf einen hormonellen Einfluss in utero, möglicherweise ist hier die Östrogenexposition von Bedeutung. Auch Chemikalien wie PVC, Phthalate und chlororganische Verbindungen sowie der Marihuanakonsum werden mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht.

Für weitere Nachrichten aus der Onkologie siehe auch www.springermedizin.at/memo---inoncology

Originalpublikation: Nigam M et al. Increasing incidence of testicular cancer in the United States and Europe between 1992 and 2009. World J Urol 2015; 33: 623–631

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/2015

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