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© menonsstocks / iStock
 
Onkologie 1. Juni 2015

Trockene Haut ist häufig

Höhere Aufmerksamkeit für verbreitete Nebenwirkung von modernen Krebstherapien

Fast jeder fünfte Krebspatient, der mit modernen Therapeutika wie Antikörpern oder Tyrosinkinasehemmern behandelt wird, bekommt trockene Haut. Ausgeprägte Symptome, die bis zu einem Therapieabbruch führen können, sind einer Studie zufolge jedoch selten.

Pruritus ist eine bekannte Nebenwirkung einer „targeted therapy“ gegen Krebs und kann Grund für eine Dosisreduktion oder eine Therapieunterbrechung sein. Weniger intensiv wurde bisher das Augenmerk auf trockene Haut als Folge der Therapie gerichtet. Um den Zusammenhang zwischen dieser Nebenwirkung und der modernen Krebstherapie zu untersuchen, analysierten die Dermatologin Dr. Johanna Valentine vom Naval Medical Center in San Diego und ihre Kollegen aus einem Pool von fast 13.000 Studien 99 Phase-II- und 31 Phase-III-Studien zwischen 1966 und 2014. Die Studien untersuchten unter anderem die Wirksamkeit von monoklonalen Antikörpern, Tyrosinkinasehemmern, Hormontherapeutika und Proteasominhibitoren. In den meisten Studien wurde Sorafenib (n = 17), Erlotinib (n = 24) und Gefitinib (n = 29) geprüft.

Xerosis bei 17,9 Prozent der Patienten

Die Analyse ergab, dass der Anteil der Patienten, bei denen sich unter der jeweiligen Therapie eine Xerosis vom Grad 1 bis 4 entwickelte, bei 17,9 Prozent lag. Am niedrigsten sei das Risiko bei Anwendung von Anastrozol (1,0 Prozent), am höchsten bei der Therapie mit dem Antikörper Panitumumab (46,5 Prozent) bei Patienten mit metastasiertem Darmkrebs. Ausgeprägte Symptome der trockenen Haut (Grad 3), also solche, die zur Dosisreduktion oder zum Therapieabbruch geführt haben, wurden bei etwa einem Prozent der Patienten – und damit vernachlässigbar selten – dokumentiert.

Mit vier Prozent die höchste Rate wurde bei der Therapie mit Dasatinib bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom beobachtet. Die Grad-3-Nebenwirkung wurde nach Angaben der Ärzte vor allem bei Präparaten der jüngeren Generation nicht diagnostiziert.

Wegbereiter für Pruritus

Eine Xerosis bei Patienten mit gezielter Krebstherapie stelle, so die Autoren, unter anderem ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Allergensensibilisierungen und Pruritus dar. Die Zerstörung der Hautbarriere wird durch trockene Haut erleichtert. Daher sollte bei einer „targeted therapy“ frühzeitig an die Möglichkeit der Xerosis gedacht und die Patienten bei trockener Haut darauf hingewiesen werden, nicht heiß zu duschen, die betroffene Haut nicht mit der Bürste zu reinigen und bei der Hautpflege keine Mittel mit hohem pH-Wert, Alkohol oder Duftstoffen zu verwenden.

Bei Xerosis Grad 1 oder 2 kann die Therapie ohne Dosisreduktion fortgesetzt werden. Sind weniger als zehn Prozent der Körperoberfläche von trockener Haut betroffen (Grad 1) und fehlen Erytheme oder Pruritus, empfehlen die Ärzte eine Behandlung der Haut im Gesicht mit einer OTC-Salbe plus ein Pflegeprodukt mit zwölf-prozentigem Ammoniumlaktat für die übrigen Körperregionen.

Bei Grad-2-Nebenwirkungen auf zehn bis 30 Prozent der Körperoberfläche stelle, so die Autoren, eine Behandlung mit sechs-prozentiger Salizylsäure-Creme statt der Ammoniumlaktat-haltigen Creme eine Option dar. Sind mehr als 30 Prozent der Körperoberfläche von einer Xerosis von Grad 3 oder höher betroffen und klagen die Patienten über Pruritus, wird neben der Dosisreduktion oder dem Therapieabbruch eine Kombination der Salizylsäure-Creme mit einem topischen Steroid zum Auftragen auf die ekzematöse Hautregion empfohlen.

Für weitere Nachrichten aus der Onkologie siehe auch www.springermedizin.at/memo---inoncology

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