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Mittels MRT lassen sich 90 Prozent der fokalen Läsionen beim multiplem Myelom erkennen.
 
Onkologie 7. April 2015

Magnetfeld sticht ionisierende Strahlung aus

Noch im Jahr 2009 wurde das Ganzkörper-Röntgen (Whole-Body X-Ray, WBXR) als Goldstandard für die Beurteilung von Knochenschäden infolge eines multiplen Myeloms empfohlen. Auf dieser Grundlage wurde die Therapieentscheidung getroffen. Ein Patient mit „asymptomatischem“ multiplen Myelom, der weder lytische Erscheinungen im WBXR noch andere typische Zeichen (Hyperkalzämie, Nierenversagen, Anämie, Knochenerkrankung) aufwies, wurde bis dato nur beobachtet, aber nicht behandelt, auch wenn das MRT fokale Läsionen zeigte. Laut den Experten der International Myeloma Working Group bedarf diese Empfehlung jedoch einer Revision.

Um eine Knochenmarkbeteiligung frühzeitig diagnostizieren zu können, noch bevor es zur Knochendestruktion gekommen ist, empfiehlt die Gruppe aktuell die MRT als Goldstandard (Evidenzgrad A). Diese hat sich als deutlich sensitiver als das Röntgen erwiesen. Die MRT von Wirbelsäule und Becken erkennt nach derzeitiger Datenlage 90 Prozent der fokalen Läsionen bei multiplem Myelom. Mit einer Ganzkörper-MRT ließe sich diese Rate zwar noch steigern, so die Experten um Prof. Dr. Meletios A. Dimopoulos von der Universität Athen, dieses Verfahren sei jedoch nicht überall verfügbar.

Auch zur Bewertung von Rückenmarkskompressionen

Die MRT ist den Experten zufolge die Methode der Wahl, um schmerzhafte Läsionen, insbesondere im Achsenskelett, zu beurteilen. Darüber hinaus gilt sie nunmehr als Goldstandard zur Erkennung von Rückenmarkskompressionen (für beides Evidenzgrad A). Speziell bei nicht aktiven Myelomen hilft das Verfahren außerdem zu entscheiden, ob eine Wirbelkörperfraktur auf ein benignes oder malignes Geschehen zurückzuführen ist (Evidenzgrad B).

Darüber hinaus haben die Befunde auch prognostischen Wert. So korreliert die Zahl der fokalen Läsionen im MRT mit schlechteren Überlebenschancen: Mehr als sieben Läsionen sprechen für eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, drei Jahre zu überleben, als eine Zahl darunter.

Das Expertenteam betont den Nutzen der MRT bei einer speziellen Gruppe von Patienten, die vormals als asymptomatisch galten: Wer mehr als eine fokale Läsion von einem Durchmesser über 5 mm im MRT aufweise, so Dimopoulos et al., habe neuen Daten zufolge ein hohes Progressionsrisiko und benötige demnach eine Therapie. Solche Patienten seien heute als symptomatisch zu klassifizieren (Evidenzgrad B).

Patienten mit unklaren fokalen Läsionen sollten die MRT nach drei bis sechs Monaten wiederholen. Falls sich der Befund in dieser Zeit verschlechtert, gilt die Erkrankung nach der neuen Definition als symptomatisch und erfordert ebenfalls eine Therapie (Evidenzgrad C).

Bei Patienten mit solitärem Plasmozytom ist die MRT nunmehr unerlässlicher Bestandteil des Stagings (Evidenzgrad A). Die Untersuchung dient dazu, das lokale Tumorausmaß zu bestimmen und okkulte Läsionen an anderer Stelle zu erkennen.

 

Originalpublikation:

Dimopoulos MA et al. Role of magnetic resonance imaging in the management of patients with multiple myeloma: a consensus statement.

J Clin Oncol 2015; 33(6): 657–64;

DOI 10.1200/JCO.2014.57.9961

springermedizin.de, Ärzte Woche 15/2015

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