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Onkologie 14. November 2014

17 Krebsarten gewichtsabhängig

Bei 17 der 22 häufigsten Krebsarten haben britische Epidemiologen Zusammenhänge mit dem Body-Mass-Index gefunden.

Der mit Abstand größte Effekt wurde beim Uteruskarzinom sichtbar. Mit jeder Zunahme des BMI um 5 kg/m2 stieg das adjustierte Risiko annähernd linear um 62 %. Weitere lineare Risikosteigerungen für eine Krebserkrankung fanden sich für die Gallenblase (31 %), Niere (25 %), Zervix (10 %), Schilddrüse (9 %) sowie bei der Leukämie (9 %). Keine Effekte zeigten sich bei Tumoren des Rektums, der Blase, des Gehirns, des ZNS sowie beim Non-Hodgkin-Lymphom und beim multiplen Myelom.

Bei einigen Krebsarten variierten die Zusammenhänge mit den individuellen Eigenschaften der Probanden. Hierzu zählten Tumoren der Leber, bei denen sich pro 5 kg/m2-Schritt das Gesamtrisiko um 19 % erhöhte, des Kolons (10 %) und des Ovars (9 %) sowie der postmenopausale Brustkrebs (5 %). Beim Kolon- und Leberkarzinom war der BMI-Effekt bei Männern deutlicher ausgeprägt als bei Frauen. Die Risikosteigerung für ein Ovarialkarzinom war bei prämenopausalen Frauen mit zunehmendem BMI klarer erkennbar als bei postmenopausalen.

Beim prämenopausalen Brustkrebsrisiko und beim Prostatakarzinom zeigten sich sowohl innerhalb der Gesamtgruppe als auch bei den Nichtrauchern mit steigendem BMI > 22 kg/m2 bzw. > 27 kg/m2inverse Beziehungen. Ein Rückgang von Lungen- bzw. Mundhöhlenkrebs mit ansteigendem BMI wurde in der Gesamtgruppe gefunden, nicht aber bei Menschen, die nie geraucht hatten. Die Heterogenität des BMI-Effekts lässt die Autoren vermuten, dass bei verschiedenen Tumoren und in verschiedenen Patientenpopulationen unterschiedliche Mechanismen ablaufen. So scheinen beispielsweise Veränderungen im Hormonhaushalt Einfluss auf die Zusammenhänge zu nehmen.

Mehr Krebserkrankungen durch Bauchzuwachs

Vorausgesetzt, es besteht tatsächlich eine Kausalität zwischen BMI und Krebsgeschehen, könnten nach Berechnungen der Autoren 41% der Uteruskarzinome und mindestens 10% der bösartigen Tumoren in Gallenblase, Niere, Leber und Kolon dem Übergewicht zugeschrieben werden. Dies bedeutet nach weiteren Berechnungen von Bhaskaran und Kollegen, dass bei einem populationsweiten Anstieg des BMI um 1 kg/m2 weitere 3.790 Briten jährlich an einer der zehn Krebsarten, deren Risiko durchgängig mit einem erhöhten BMI in Verbindung gebracht wurde, erkranken würden (Bhaskaran et al. Lancet 2014; 384).

springermedizin.de, Ärzte Woche 47/2014

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