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Auch beim Mamma-Ca griffen die verbesserten Therapieoptionen.
 
Onkologie 12. Mai 2014

Neue Strategien in der Onkologie greifen

Steigerung der Fünfjahres-Überlebensrate liegt zwischen 1,5 und zwei Prozent.

In der Onkologie haben sich im vergangenen Jahr einige Verbesserungen ergeben. Dies wird auch im Rückgang der Fünfjahres-Mortalität ersichtlich.

Onkologische Experten vermelden derzeit Positives: Bei einem derzeitigen Fünfjahres-Überleben aller Krebserkrankten von 66 Prozent kann eine jährliche Verbesserung der Fünfjahres-Überlebensrate zwischen 1,5 Prozent und zwei Prozent festgestellt werden. Neben dem freien Zugang zur Therapie und der Verbesserung therapeutischer Optionen spielen hier sicherlich auch präventive Maßnahmen eine wesentliche Rolle.

Im Bereich der klassischen Zytostatika sind Fortschritte erreicht worden. Dies auch bei schwierig zu therapierenden Erkrankungen wie dem Pankreaskarzinom. Hier konnte die erste Studie vorgelegt werden, die in einer Kombination mit Gemcitabine eine Verbesserung gegenüber einer Gemcitabine-Monotherapie bringt. In Kombination mit Nab-Paclitaxel kann eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens bei fortgeschrittenen Pankreaskarzinomen in der Erstlinientherapie erzielt werden.

Neue therapeutische Ansätze

Neben klassischen Zytostatika haben sich aber auch im Bereich der monoklonalen Antikörper neue therapeutische Möglichkeiten ergeben. So kann mit einem gegen den VEGF-Rezeptor-2 gerichteten monoklonalen Antikörper (Ramucirumab) bei metastasiertem Magenkarzinom in der Zweitlinientherapie sowohl als Monotherapie als auch in der Kombination mit Paclitaxel eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur besten supportiven Therapie bzw. auch einer Chemo-Monotherapie mit Axanen erreicht werden. Dies sind die ersten positiven Phase-III-Studien für einen Anti-VEGF-Ansatz beim Magenkarzinom. Molekulare Subtypisierung und prädiktive Marker in dieser Situation sind jedoch noch nicht etabliert. Beim Mammakarzinom ist eine gegen HER2 gerichtete Therapie seit Jahren etablierter Standard bei HER2 überexprimierenden Karzinomen.

Hier ergaben sich im Jahr 2013 zwei neue Therapieansätze. Zum ersten konnte mit Pertuzumab, einem gegen HER2 gerichteten monoklonalen Antikörper ein höchst effizienter neuer Ansatz entwickelt werden. Pertuzumab wird gemeinsam mit Trastuzumab eingesetzt und verbessert in der palliativen Therapie das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben. Besonders beeindruckend sind jedoch die neo-adjuvanten Daten, die mit unvergleichlich hohen pathologischen kompletten Remissionsraten in der Kombination mit Chemotherapie, aber auch chemotherapiefrei, einen Beweis für die Effizienz dieses Therapieansatzes bringen. Darüber hinaus konnte beim HER2 positiven Mammakarzinom mit dem Antikörper-Zytostatika-Konjugat T-DM1 das erste Mal bei soliden Tumoren eine positive Studie für diese gezielte Chemotherapie erbracht werden. Dabei wird das Spindelgift Emtansin als direkte Chemotherapie an die HER2 überexprimierende Tumorzelle herangebracht. Diese Therapie führt bei vorbehandelten Patienten in der Monotherapie zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens und des progressionsfreien Überlebens. Dabei sind die systemischen Nebenwirkungen nur etwas höher als in der Trastuzumab-Monotherapie. Beide Substanzen werden derzeit unter anderem auch beim HER2 überexprimierenden Magenkarzinom untersucht.

Patientenselektion

Patientenselektion durch prädiktive Marker ist ein Schlagwort in der Therapie der soliden Tumore. Bei vielen Tumorentitäten hat sich jedoch hier in den letzten Jahren keine wesentliche Verbesserung erzielen lassen. Beim kolorektalen Karzinom konnte für den Anti-EGFR-Ansatz jedoch in mehreren retrospektiven Auswertungen großer Phase-III-Studien gezeigt werden, dass eine bessere Patientenselektion hinsichtlich aktivierender KRAS-Mutation in weiteren Codons und der NRAS-Mutation ebenfalls als negativer Prädiktor für die Therapie sowohl mit Cetuximab als auch mit Panitumumab fungieren können. Dadurch kann eine unwirksame Therapie bei in etwa weiteren 17 Prozent der kolorektalen Karzinompatienten vermieden werden. Im Gegensatz dazu kann bei Patienten mit einem panRAS-Wildtyp das Ansprechen mit einer Panitumumab- oder Cetuximab-Kombination erhöht werden. Diese Untersuchungen stellen ein Beispiel für eine Post-hoc-Analyse dar, die bereits nach Zulassung eines Medikamentes zu einer Verbesserung der Patientenselektion und letztlich auch zu einer Einschränkung des Zulassungsstatus im Sinne einer Therapieoptimierung geführt haben.

Geänderte Therapiestrategien

Neben molekularen Ansätzen, Patientenselektion und neuen Zytostatika wurden auch bei mehreren Tumorentitäten durch eine geänderte Therapiestrategie Verbesserungen erzielt. Mithilfe von Erhaltungstherapien wie bei NSCLC (Adenokarzinom) mit Pemetrexed oder Erlotinib sowie mit monoklonalen Antikörpern (z.B. Bevacizumab beim kolorektalen Karzinom) konnte eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens erreicht werden. Für selektionierte Patienten stellt diese Strategie eine Verbesserung dar und eröffnet eine zusätzliche Therapielinie.

Insgesamt zeigt sich durch neue Behandlungsstrategien und die Entwicklungen der letzten Jahre eine verbesserte Therapiesteuerung, wenn auch noch viele Schritte notwendig sind, um eine individualisierte Tumortherapie zu realisieren.

Der Autor Prof. Dr. Ewald Wöll ist als Ärztlicher Direktor am Krankenhaus St. Vinzenz, Zams tätig.

Der Originalartikel ist erschienen im wmw-Skriptum 3/2014.

Ewald Wöll, Ärzte Woche 20/2014

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