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© YinYang / iStock
 
Onkologie 1. April 2014

Glaskugellesen beim Pankreaskarzinom

Die Prädiktion bleibt schwierig.

Gute Biomarker fehlen, das Screening ist selbst bei familiären Formen problematisch.

Es gibt einen ganzen Katalog von potenziellen Biomarkern, die für das Pankreaskarzinom identifiziert wurden, darunter 1.094 Moleküle, die in Vorläuferläsionen hochreguliert sind, 930 Moleküle, die durch Pankreaskarzinome induziert werden und in Körperflüssigkeiten nachweisbar sind und 567 Moleküle, die in Pankreaskarzinomzellen überexprimiert werden und auf der Plasmamembran zu finden sind, also ein Angriffspunkt für eine gezielte Therapie sein könnten (Harsha HC et al.: PLoS Med 2009).

„Damit können wir nicht arbeiten, das ist eine Riesen-Geldverschwendung“, sagte PD Dr. Jens Siveke, Wissenschaftlicher Direktor des Roman-Herzog-Krebszentrums in München. Er fordert eine Erforschung von Biomarkern parallel zu klinischen Studien (sogenannte coklinische Studien), statt einem klassischen Ablauf der Medikamentenentwicklung von einer Präklinik und klinischen Phase-I- bis -III-Studien. „Das müssen wir machen, wenn wir schneller werden wollen“, betonte Siveke auf dem 31. Deutschen Krebskongress. Ein positives Beispiel sei die Identifizierung von genetischen Modifikatoren beim Bronchialkarzinom (Chen Z et al.: Nature 2012): Im Mausmodell wurde parallel zu einer laufenden klinischen Studie gezeigt, dass der MAK-Inhibitor Selumetinib das Ansprechen auf Docetaxel erhöht.

Allerdings stellte Siveke auch deutliche Forderungen an die präklinische Forschung: Sie müsse bessere Modelle entwickeln, auch funktionelle, die helfen, die dahinterstehenden Mechanismen aufzudecken, es müsse wie in klinischen Studien nach geplanten Behandlungsprotokollen vorgegangen werden und es sei eine verlässliche Bioinformatik mit Echtzeit-Integration von Informationen notwendig.

Hohes Risiko – und nun?

Das Pankreaskarzinom ist eine Krebserkrankung mit schlechter Prognose. Ein allgemeines Screening macht aber wenig Sinn – zu gering ist die Inzidenz, zu schlecht sind die Methoden, sagte Prof. Dr. Thomas Gress, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin in Marburg. Nur bei einem 5- bis 10-fach erhöhten Risiko ist an eine regelmäßige Kontrolle zu denken. Das ist der Fall bei der nicht hereditären chronischen Pankreatitis mit einem 13,3- bis 16-fach erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms. Bei zusätzlichem Rauchen ist das Risiko sogar 25-fach erhöht. Ohne dass ein Überlebensvorteil durch das Screening in diesem Fall durch prospektive Studiendaten belegt wäre, würde Gress hier doch empfehlen, klinisch und mit endoskopischem Ultraschall (EUS) zu kontrollieren.

Zystenresektion ist nicht zu empfehlen

Eine weitere Gruppe stellen die familiären Risikogruppen dar, die etwa 3 bis 10 Prozent aller Pankreaskarzinome ausmachen. Vier von fünf dieser Fälle weisen ein familiäres Pankreaskarzinom-Syndrom mit zwei oder mehr betroffenen erstgradigen Verwandten auf. Derzeit wird in dieser Gruppe ein Screening ab einem Alter von 50 Jahren empfohlen, also gut zehn Jahre vor dem typischen Erkrankungsalter von 65 bis 68 Jahren. Auch diese Empfehlung ist allerdings nicht durch prospektiv gewonnen Daten belegt. Zudem gibt es auf der einen Seite eine mäßige diagnostische Sicherheit, zum anderen ist aber auch keineswegs klar, was bei welchem Befund eigentlich zu tun ist.

Am häufigsten werden zystische Raumforderungen beobachtet, die aber nicht zwangsläufig maligne werden müssen. Symptomatische Zysten werden in jedem Fall reseziert, so Gress. Hochrisikozeichen wie Verschlussikterus, kontrastmittelanreichernde solide Zystenanteile oder ein Hauptgang von ≥10mm Durchmesser sowie besorgniserregende Anzeichen wie Pankreatitis oder eine Zystengröße von ≥3mm sind für nicht-familiäre Fälle etabliert, aber es ist unklar, ob sie auf familiäre Formen übertragbar sind.

Tatsächlich zeigen sich hier sehr häufig zystische Veränderungen im gesamten Pankreas, meist kleiner als 2mm. Die histopathologische Untersuchung von Pankreatektomien im Rahmen des Pankreaskarzinomregisters in Marburg belegte, dass diese Zysten meist nicht maligne sind. Dagegen fanden sich an anderen Stellen, häufig duktal, pankreatische intraepitheliale Neoplasien (PAN), die vorher nicht bekannt gewesen waren (Bartsch DK et al.: Fam Cancer 2013).

Die Zysten sind also nicht die wesentlichen Läsionen und Gress betonte deshalb im Hinblick auf Personen mit familiärem Risiko: „Zystenresektion ist nicht zu empfehlen.“ Auch Biopsien trügen nichts zur Klärung des Vorgehens bei zystischen Raumforderungen im Pankreas bei. Letztlich könne nur dringend empfohlen werden, familiäre Risikopersonen wegen der vielen offen Fragen und der Notwendigkeit eines standardisierten Vorgehens beim Screening an Studienzentren zu überweisen.

Quelle: Symposium „Moderne Konzepte in der gastrointestinalen Onkologie – von der Prävention zur Therapie“, 31. Deutscher Krebskongress (DKK), 20. Februar 2014, Berlin

springermedizin.de, Ärzte Woche 14/2014

  • Herr Doctor Nabil Abdul Kadir DEEB, 10.11.2016 um 13:10:

    „For the improvement of the prognosis of the pancreatic carcinoma are in addition to the optimization of the therapy, the recognition of early stages or tumor precursor lesions.

    Pour l'amélioration du pronostic du carcinome pancréatique s'ajoutent à l'optimisation de la thérapie, à la reconnaissance de stades précoces ou de lésions précurseurs de tumeurs.

    Für die Prognoseverbesserung des Pankreaskarzinoms sind neben der Optimierung der Therapie das Erkennen von Frühstadien oder Tumorvorläuferläsionen .

    Nabil Abdul Kadir DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V. in 53173 BONN GERMANY

    Das Pankreaskarzinom ist der zweithäufigste maligne Tumor des Gastrointestinaltraktes und gehört zu den Tumoren mit der schlechtesten Prognose. Aufgrund der aggressiven Tumorbiologie und fehlender Frühsymptome beträgt die Mortalität annähernd 100% .
    In den meisten Fällen wird der Tumor erst entdeckt, wenn er schon andere Organe befallen hat.

    Klinik und Tumoren des Pankreas : -

    Die meisten Pankreaskarzinome (80%) entstehen im Pankreaskopf, wo sie aufgrund der Gallengangsobstruktion typischerweise zu einem schmerzlosen Ikterus führen. Zusätzlich auftretende gürtelförmige Oberbauch- oder Rückenschmerzen deuten auf eine Infiltration retroperitonealer Nervengeflechte hin.

    Durch eine lokale Kompression eines Tumors im Pankreaskopf kann zusätzlich zur biliären eine intestinale Obstruktion hinzukommen, die sich durch rezidivierendes Erbrechen zeigt. Karzinome des Pankreasschwanzes fallen aufgrund der Lage nicht durch einen schmerzlosen Ikterus, sondern durch Rückenschmerzen, intestinale Obstruktion oder Symptome der Metastasierung auf .

    Die intraduktal papillär muszinöse Neoplasie(IPMN) ist der häufigste zystische Bauspeicheldrüsentumor.

    Häufiger kommen maligne zystische Tumoren des Pankreas vor, zu denen neben den muzinösen Zystadenokarzinomen mit schlechter Prognose die Karzinome in einer intraduktal-muzinösen Neoplasie (IPMN) zählen.

    Diese IPMN-Karzinome entstehen hauptsächlich aus einer Main-duct-IPMN ; das mediane Überleben von Patienten mit IPMN-Karzinom ist ebenfalls deutlich besser als das von Patienten mit duktalem Adenokarzinom .

    Da man in grossen Kollektiven bei 70% der resezierten Main-duct - IPMN maligne Befunde dokumentiert hat , gilt dieser zystische Tumor als Präkazerose und stellt auch bei Fehlen eines Malignitätsnachweises eine Operationsindikation dar.

    In der Literatur werden zudem die ampullären Karzinome historisch als eigene histologische Entität mit deutlich besserer Prognose geführt. Dabei scheint jedoch nach neueren Untersuchungen weniger die Lokalisation in der Ampulle als vielmehr die histologische Subklassifizierung in intestinalen und pankreatobiliären Typ prognoseentscheidend zu sein: Während intestinal differenzierte Karzinome der Ampulle biologisch und prognostisch einem Kolonkarzinom ähneln, zeigen pankreatobiliär differenzierte Karzinome eine Biologie ähnlich dem duktalen Pankreaskarzinom .


    Wesentlich für die Prognoseverbesserung sind neben der Optimierung der Therapie das Erkennen von Frühstadien oder Tumorvorläuferläsionen. Hier sollen gerade zystische Pankreasläsionen betrachtet werden. Unproblematisch sind dabei Pseudozysten und seröse Zystadenome. Ein malignes Potenzial haben muzinöse Zystadenome und die intraductale papilläre muzinöse Neoplasie (IPMN).

    Die Literatur sind beim Verfasser Nabil Abdul Kadir DEEB .



    Mit freundlichen kollegialen Grüßen
    Ihr
    Nabil Abdul Kadir DEEB

    Nabil Abdul Kadir DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V. in 53173 BONN GERMANY
    .Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    Bonn – Bad Godesberg 53173
    GERMANY


    Doctor Nabil Abdul Kadir DEEB

    &

    Fatima Zahra Boukantar - DEEB


    (FPÄA) e.V. - Medizinjournalistin
    (FPÄA) e.V. - journaliste médicale
    Förderverein Palästinensischer Ärzte und Akademiker (FPÄA) e.V.
    53173 Bonn - GERMANY“

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