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Bei manchen Brustkrebs-Patientinnen wäre auch weniger Therapie ausreichend gewesen.
 
Onkologie 10. März 2014

Weniger ist manchmal mehr

Mammakarzinom: Richtiges Maß wirksamer Therapie erkennen.

Bei der Behandlung von Brustkrebs gilt es Patientinnen zu erkennen, bei denen die Intensität der Therapie vermindert werden kann.

Heute kann Brustkrebs in über 80 Prozent der Fälle geheilt werden. Dieser Erfolg beruht vor allem auf multimodalen adjuvanten Therapiekonzepten, welche lokale mit systemischen endokrinen, chemotherapeutischen und zielgerichteten Behandlungen kombinieren.

Das aktuelle Dilemma besteht nicht nur darin, für die 20 Prozent immer noch unzureichend behandelten Patientinnen eine Therapie zu entwickeln. Unter den 80 Prozent Geheilten sind Frauen, bei denen auch weniger Therapie ausreichend gewesen wäre. Eine Reduktion der Behandlungsintensität und damit der Morbidität bei diesen Patientinnen ist zwingend.

Erheblich reduziert

Das Ausmaß der Operation wurde erheblich reduziert: Die Mastektomie wurde weitgehend durch die brusterhaltende Operation ersetzt; die routinemäßige Axilladissektion bei klinisch unauffälliger Axilla durch die Sentinellymphknotenbiopsie abgelöst; selbst Frauen mit tumorbefallenem Sentinel kann manchmal die Axilladissektion erspart werden.

Ein weites Spektrum operativer Optionen steht zur Verfügung, um das Körperbild einer mastektomierten Frau mit angemessenem Aufwand zu rekonstruieren. Zur Brusterhaltung gehörte bisher unweigerlich die mehrwöchige Bestrahlung der ganzen Brust. In definierten Patientenkollektiven erhöht der Verzicht darauf zwar die lokale Rezidivrate, nicht aber das Mortalitätsrisiko. Der Verzicht auf Bestrahlung mag daher für manche Frau eine Option sein. Zudem scheint bei manchen Tumorkonstellationen eine alleinige intraoperative Bestrahlung mit weicher Röntgenstrahlung eine vergleichbare lokale Tumorkontrolle zu bewirken.

Histologische und immunhistochemische Untersuchungen und zunehmend auch Protein- und Genexpressionsanalysen gewähren steigende Einsicht in die Biologie des individuellen Tumors und erlauben die Einteilung in unterschiedliche Typen: Luminal A- und B- Tumore exprimieren Hormonrezeptoren (HR) und sind endokrin behandelbar, unterscheiden sich aber in Wachstumsgeschwindigkeit und Metastasierungspotenzial.

HER2-positive Tumoren stellen mindestens 2 Entitäten dar (HR-positive und –negative) und sind mit einem wachsenden Arsenal gegen HER2-gerichteter Therapeutika zunehmend besser zu beherrschen. Bei vielen dieser Patientinnen wird die Prognose durch eine zusätzliche Polychemotherapie gebessert. Eine besondere therapeutische Herausforderung sind triple negative (HR- und HER2-negativ) Tumore, ein Sammelbegriff für biologisch sehr heterogene Karzinome mit schlechter Prognose, für die derzeit Chemotherapeutika die einzige systemische Therapieoption darstellen. Substanzen, die gezielt Regelmechanismen des Tumors angreifen werden derzeit erforscht.

 

Quelle: 31. Deutscher Krebskongress (DKK), 19. – 22. Februar 2014, Berlin

springermedizin.de , Ärzte Woche 11/2014

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