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© Bernd Wüstneck/dpa
Das Brustkrebsrisiko ist bei Diabetespatientinnen um 23 Prozent höher.
 
Onkologie 9. Dezember 2013

Erhöhtes Brust- und Darmkrebsrisiko bei Diabetes

An diesen Krebsarten scheinen Diabetespatienten nicht nur häufiger zu erkranken, sondern auch häufiger zu sterben.

Den Zusammenhang zwischen Diabetes und Brust- sowie Darmkrebs bestätigt eine Metaanalyse mit Daten von knapp zwei Millionen Patienten.

Das Brustkrebsrisiko war bei Diabetikern um 23 Prozent, das Risiko eines Kolorektalkarzinoms um 26 Prozent erhöht. Die Forscher um Kirstin Marie Jeanne De Brujin von der Erasmus-Universität in Rotterdam haben auch die krebsspezifische Mortalität unter die Lupe genommen: Für den Brustkrebs war diese bei den Diabetikern um 38 Prozent erhöht, für den Darmkrebs um 30 Prozent. Damit ist sowohl das Erkrankungsrisiko als auch die Assoziation zur krankheitsspezifischen Sterblichkeit höher als bisher angenommen, schreiben die Autoren im British Journal of Surgery (BJS).

Effekte unterschätzt?

20 Studien wurden ausgewertet: sechs Studien zur Inzidenz von Brustkrebs bei Diabetes, sechs zur Darmkrebshäufigkeit, acht zur brustkrebsspezifischen Mortalität und neun, die sich auf die Darmkrebssterblichkeit konzentrierten. Eine klare Limitation der Metaanalyse: Die ausgewerteten Studien beinhalteten überwiegend Daten von Patienten mit Typ-2-Diabetes, aber auch Typ-1-Diabetiker wurden erfasst. Möglicherweise würden dadurch die Auswirkungen auf Krebsinzidenz und Mortalität sogar noch unterschätzt, vermuten die Autoren.

Die beiden Diabetestypen werden in der Literatur mit unterschiedlichen Krebsarten in Verbindung gebracht und auch die Mechanismen, nach denen es zur Krebsentstehung kommt, sind unterschiedlich. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wird den Gewebshormonen Leptin und Adiponectin, die vor allem in Fettgewebe vorkommen, eine Schlüsselrolle in der Karzinogenese zugeschrieben.

Einfluss von Medikamenten nicht berücksichtigt

Es gibt außerdem Hinweise dafür, dass eine antidiabetische Therapie mit Insulin die Zellproliferation fördert und die Apoptose hemmt. Den Einfluss von Diabetesmedikamenten auf das Krebsrisiko hatten die Niederländer nicht berücksichtigt. Insulin beispielsweise steht seit längerem im Verdacht, die Karzinogenese zu fördern, wenngleich dies nach wie vor keineswegs geklärt ist und Studien wie die kürzlich publizierte ORIGIN Gegenargumente hierfür geliefert haben. Für Metformin dagegen mehren sich die Hinweise, dass es das Krebsrisiko senkt.

Der Metaanalyse im BJS ist zugute zu halten, dass die ausgewerteten Studien von geringer Heterogenität waren und kein Publikationsbias vorlag. Die Autoren regen weitere Kohortenstudien an, in denen Typ-1-Diabetiker ausgeschlossen werden und sowohl Dauer der Diabeteserkrankung als auch Einsatz von Antidiabetika berücksichtigt werden.

Originalpublikation: : De Bruijn KMJ et al.:. Br J Surg 2013; 100: 1421–1429

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/52/2013

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