zur Navigation zum Inhalt
 
Onkologie 30. September 2013

Zunahme des Leberkarzinoms

Forscher entwickeln neue Therapien mit Hochenergie-Strahlung und krebsfressenden Viren.

Das hepatozelluläre Karzinom gehört mittlerweile zu den häufigsten Tumoren weltweit. Nur zwanzig Prozent der Patienten leben länger als fünf Jahre. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen bei Risikogruppen könnten die Früherkennung und somit letztendlich die Heilungschancen deutlich verbessern.

Die Zunahme des hepatozellulären Karzinoms ist unter anderem auf die steigende Zahl von Fettlebern infolge starken Übergewichts und die Zunahme von Hepatitis B- und C-Infektionen zurückzuführen. Diese Erkrankungen können sich langfristig zu Leberzirrhosen entwickeln. „Diese sind wiederum der mit Abstand größte Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs“, so Prof. Dr. Guido Gerken, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen. Deshalb plädiert er für regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen bei Risikogruppen mittels Ultraschall.

Wird ein Tumor der Leber im Anfangsstadium entdeckt und ist noch nicht durch eine Leberzirrhose geschädigt, so ist die chirurgische Entfernung des Tumors die bevorzugte Therapie. Weil die Leber fähig ist, sich selbst zu erneuern, können Chirurgen bis zu 70 Prozent des funktionellen Gewebes entfernen. „Die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs nach Resektion liegt zwar bei etwa 50 Prozent, ein solcher Eingriff kann Leberkrebs aber auch heilen“, betonte Prof. Dr. Hauke Lang, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz. Liegt bei einem Patienten mit der Diagnose „Krebs“ bereits eine Leberzirrhose vor, so ist eine Transplantation die beste Therapieform.

In fortgeschrittenem Stadium kommen minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. So kann etwa über eine Nadel Strom in den Tumor geleitet werden, wodurch seine Zellen erhitzen und absterben. Auch ein Verschluss der tumorversorgenden Gefäße ist möglich. „Eines der neuesten Verfahren ist die selektive interne Radiotherapie (SIRT), bei der radioaktiv strahlende Kügelchen direkt in den Tumor eingebracht werden“, erklärte Gerken. „Die Strahlung kann die Verkleinerung oder gar vollständige Zerstörung des Tumors bewirken.“ Die Methode werde derzeit noch in klinischen Studien geprüft. Ein weiterer neuer Therapieansatz, der sich derzeit in Entwicklung befindet, ist die Behandlung mit onkolytischen Viren. Diese vermehren sich gezielt in Krebszellen und zerstören diese dadurch. Als systemischer Therapieansatz ist derzeit die Behandlung mit antiproliferativen Molekülen wie Sorafenib der Goldstandard bei Patienten mit noch guter Leberfunktion.

„Obgleich wir Patienten mit fortgeschrittenem hepatozellulärem Karzinom heute meist noch nicht heilen, sondern nur die Progression bremsen können, besteht kein Anlass mehr zum Nihilismus bei der Therapie“, betonte Gerken. „Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt und tun dies weiterhin.“

Pressekonferenz anlässlich des Kongresses Viszeralmedizin 2013, 13. September, Nürnberg

PR Viszeralmedizin 2013, Ärzte Woche 40/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben