zur Navigation zum Inhalt
 
Onkologie 14. Februar 2013

Neue antithrombotische Therapie bei onkologischen und Nicht-Tumor-Patienten - Wirksam ohne erhöhtes Risiko

Thrombosen stellen im Rahmen onkologischer Erkrankungen eine nicht unbeträchtliche Komplikation dar. Moderne Antithrombotika mit höherer Wirksamkeit und verbesserter Sicherheit bieten heute Möglichkeiten, das Risiko effektiv zu senken. Antithrombotika in der Onkologie standen auch am Programm des 54. Kongresses der American Society for Hematology (ASH) im vergangenen Dezember in Atlanta. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Studienergebnisse gab Univ.-Prof. Dr. Ingrid Pabinger, Medizinische Klinik I, Medizinische Universität Wien, im Anschluss in Wien.

Die erhöhte Thromboseneigung von Tumorpatienten ist multifaktoriell bedingt: Interaktionen von Plättchen sowie Epithel und den Tumorzellen führen zu einer Stimulation von Monozyten und Makrophagen und schließlich zur Freisetzung von fibrinolytischen und proteolytischen Substanzen. Dazu kommen die Begleitumstände der Erkrankung. Die aktuellen Daten zeigen Einsatzgebiete und Stellenwert von modernen Antithrombotika im Thrombosemanagement.
So hatten bei einer retrospektiven Studie mit 506 Brustkrebspatientinnen mit venösem Verweilkatheter 26 Prozent eine symptomatische venöse Thrombose der oberen Extremität. Von den bekannten Risikofaktoren für eine Erstthrombose der unteren Extremität wie Thrombozytose, Anämie und Leukozytose war in diesem Fall, so Pabinger, nur die Leukozytose prädiktiv. Im Unterschied zur spontanen tumorassoziierten Thrombose bzw. einer nicht durch Katheter bedingten Thrombose, bei der die Mortalität stark erhöht ist, trifft dies bei der Katheter-assoziierten Thrombose nicht zu.
Für die Risikoabschätzung einer Thrombose bei Patienten, die bereits eine tumorassoziierte Thrombose erlitten hatten, untersuchten Lozzada et al. in einer retrospektiven Kohortenstudie die Daten von 353 Patienten, die entsprechend den Leitlinien zu 83 Prozent niedermolekulares Heparin (NMH) und zu 17 Prozent Warfarin erhielten. Dabei wurde eine Rezidivrate von zwölf Prozent verzeichnet, berichtete Pabinger. Aus den vorliegenden Daten entwickelten die Autoren einen Punktescore. Relevanz gewinnt diese Risikoeinschätzung für die Dauer der Verabreichung von NMH, die sowohl für den Patienten belastend sei als auch Kosten verursache.
Vor allem von europäischen Experten erarbeitete Guidelines für die Verabreichung von Antithrombotika bei Tumorpatienten empfehlen die Therapie mit NHM für die Dauer von zumindest drei Monaten, gefolgt von weiteren drei Monaten als fallbasierte Behandlung. „Noch deutlicher als bisher wird hier“, so Pabinger, „eine primäre Prophylaxe bei metastasiertem Pan­kreas- und Lungenkarzinom in Erwägung gezogen, wobei sich allerdings in den Studien ein eher niedriges absolutes Risiko gezeigt hat.“
Daten, die sich auf Thromboseprophylaxe bei allgemeinen Patienten bezogen, ergaben einen Vorteil für eine verlängerte Prophylaxe mit dem Anti Xa-Inhibitor Apixaban für Patienten, die bereits eine Thrombose erlitten hatten. Die Patienten erhielten nach einer sechsmonatigen Phase der initialen Antikoagulation entweder Placebo oder Apixaban 5mg oder Apixaban 2,5 mg. Dabei zeigte sich mit Apixaban nicht nur eine deutliche Absenkung der Thromboserezidive und auch der Todesfälle, so Pabinger, sondern auch eine mit Placebo vergleichbare sehr niedrige Blutungsneigung. Dabei spielen die Patientencharakteristika keine Rolle und ermöglichen somit eine fixe Dosis: „Apixaban verhindert Rezidivthrombosen praktisch ohne Erhöhung des Blutungsrisikos.“
Ebenfalls gute Effektivität bei besserer Sicherheit als die bisherige Standardmedikation zeigte eine Zusammenfassung der beiden Studien EINSTEIN DVT und EINSTEIN PE für den bereits zugelassenen Faktor Xa Inhibitor Rivaroxaban. Dabei wurden mehr als 4000 Patienten mit Rivaroxaban mit mehr als 4000 Patienten verglichen, die die Kombination Enoxaparin plus Vi­tamin K erhielten. Das Ergebnis: Tendenziell eine Absenkung des Thromboserisikos und signifikant weniger schwere Blutungen mit Rivaroxaban.
Schwere Blutungen unter Therapie mit dem IIa-Inhibitor Dabigatran können laut einer Auswertung der RE-LY Studie mit Bluttransfusionen gut gemanagt werden. Trotz Fehlens eines Antagonisten, kann man also, so Pabinger, mit diesen Blutungen durchaus umgehen.
Die Schlussfolgerungen: „Neue Antikoagulantien verhindern gut und sicher Rezidivthrombosen“, stellte Pabinger fest. Auch wenn es derzeit bei Tumorpatienten keine Vergleichsstudien mit NMH gibt, könnten diese neuen Antikoagulantien durchaus zur Verhinderung der primär tumorassoziierten Thrombose geeignet sein. Zum Management der Katheterassoziierten Subklaviathrombose gibt es derzeit laut Pabinger keine Richtlinien in Österreich, eine entsprechende Antikoagulation wird fallbezogen durchgeführt. Während das Mortalitätsrisiko bei Nicht-Tumorpatienten nach einer initialen Erhöhung über sehr lange Beobachtungszeiträume mit jenem der Allgemeinbevölkerung vergleichbar ist, liegt es beim Tumorpatienten bis zu vierfach höher als beim Tumorpatienten ohne Thrombose.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben