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Onkologie 14. Februar 2013

Zervixkarzinom

Systemische Therapie in einem kurativen multimodalen Konzept

Die systemische Therapie zählt neben der Operation und der Bestrahlung zum Standard in der kurativen Behandlung von Patientinnen mit Zervixkarzinom. Die höchste Wirksamkeit hat die Chemotherapie in Kombination mit Bestrahlung. Der Wert einer primären (neoadjuvanten) oder einer adjuvanten Chemotherapie ist umstritten.

Im Vordergrund der Therapie von Patientinnen mit Zervixkarzinom im lokal begrenzten oder lokal fortgeschrittenen Stadium steht die lokale Kontrolle. Die therapeutischen Algorithmen orientieren sich am Tumorstadium [ 1 , 7 , 14 ]. Standard ist die Operation; ebenfalls effektiv ist die Strahlentherapie. Die Chancen der systemischen Therapie liegen in:

- Verkleinerung des Tumorvolumens vor einer effektiven lokalen Therapie (primäre oder neoadjuvante Therapie),

- Wirkungsverstärkung der lokalen Therapie (kombinierte Radiochemotherapie) oder

- Verhinderung von Rezidiven (adjuvante Therapie; Abb. 1 ).

Im Folgenden werden die Daten zur Bewertung dieser 3 Therapieoptionen dargestellt und diskutiert.

Kombinierte Radiochemotherapie

Etablierung der kombinierten Radiochemotherapie als Standard im Jahr 1999

Die kombinierte Radiochemotherapie zählt seit 1999 zum Standard der Behandlung von Patientinnen mit Tumoren der FIGO

Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique.

-Stadien IB2–IVA [ 7 , 13 ]. Im Jahr 1999 sind 5 Studien zum Wert einer kombinierten Radiochemotherapie im Vergleich zur alleinigen Radiatio veröffentlicht worden ( Tab. 1 ; [ 8 , 12 , 16 , 17 , 23 ]). Die Daten waren so überzeugend, dass das National Cancer Institute (NCI) der USA eine Verlautbarung herausgab, nach der die kombinierte Radiochemotherapie anstelle einer alleinigen Bestrahlung bei Patientinnen mit Zervixkarzinom empfohlen wurde [ 13 ].

Krankheitsfreies Überleben und Gesamtüberlebenszeit signifikant verlängert

In den 5 randomisierten klinischen Studien wurden übereinstimmend eine signifikante Steigerung der Ansprechraten der Radiochemotherapie bei präoperativer Bestrahlung und eine Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens sowie auch der Gesamtüberlebenszeit beobachtet.

Radiochemotherapie vs. alleinige Radiatio

Die der Etablierung der Radiochemotherapie als Standardbehandlung zugrunde liegenden und nachfolgenden Studien waren im Design durchaus heterogen. Die Einschlusskriterien reichten vom FIGO-Stadium IB–IV; die Chemotherapie reichte von einer Cisplatinmonotherapie bis zu Kombinationen von bis zu 3 Medikamenten; Dosierungen und Applikationsformen variierten.

In Metaanalysen wurden die Daten erneut kritisch beleuchtet [ 6 , 10 , 22 ], u. a. von der Chemoradiotherapy for Cervical Cancer Meta-Analysis Collaboration [ 3 ]. In dieser Metaanalyse aus 2008 wurden die Daten von insgesamt 13 randomisierten klinischen Studien ausgewertet. Die Gesamtüberlebensrate lag für die kombinierte Radiochemotherapie bei 66 vs. 60% für die alleinige Strahlentherapie. Die „hazard ratio“ (HR) für die Gesamtüberlebenszeit betrug 0,81 (p = 0,0006), entsprechend einer relativen Verbesserung der Prognose um 19%. Die krankheitsfreie Überlebensrate betrug 58% in der kombiniert-behandelten Gruppe von Patientinnen, verglichen mit 50% in der Strahlentherapiegruppe. Dieser Unterschied ist mit einer HR von 0,78 (p = 0,00005) statistisch hoch signifikant. Auch die Zeit bis zum lokalen Progress und die metastasenfreie Zeit werden durch die kombinierte Radiochemotherapie signifikant verlängert.

Medikamente

Bereits in der Auflistung der 5 Studien ( Tab. 1 ) wird deutlich, dass die Monotherapie mit Cisplatin eine effektive Behandlung darstellt. In den Studien der Gynecologic Oncology Group der USA wurde Cisplatin als einmal wöchentlich verabreichte i.v.-Infusion in einer Dosierung von 40 mg/m2KOF gegeben. In den vorher durchgeführten Phase-II-Studien war Cisplatin zunächst in 5-tägigen Kursen mit einer Tagesdosierung von 20 mg/m2KOF appliziert worden. Wegen der leichteren, ambulant durchführbaren und kostengünstigeren Applikation setzte sich dann das Schema der wöchentlichen Verabreichung durch. Vergleichende, nichtrandomisierte Studien stellen durchaus infrage, dass das jetzige Standardschema die Applikationsform mit der höchsten Wirksamkeit ist [ 5 ]. Die relative gute Standardisierung der Applikation, die Monotherapie und das überschaubare Risikoprofil haben die Akzeptanz der Cisplatinmonotherapie gefördert.

Schon Tab. 1 macht deutlich, dass auch die Kombination von Cisplatin und 5-Fluorouracil (5-FU) eine wirksame Therapie darstellt. In den ersten Studien wurde Cisplatin in 3-wöchentlichen Abständen und einer Dosierung von 75 mg/m2KOF gegeben, gefolgt von einer 96-stündigen 5-FU-Infusion. In der Metaanalyse aus 2008 sind auch 3 Studien ausgewertet worden, in denen nichtplatinhaltige Schemata eingesetzt wurden [ 3 ]. Auch mit diesen Zytostatika wurde in der kombinierten Radiochemotherapie ein signifikanter Überlebensvorteil gegenüber der alleinigen Bestrahlung erzielt. Die HR betrug 0,77 (p = 0,009). In aktuellen Studien ist die Radiochemotherapie mit Gemcitabin, Taxanen oder dem oral verabreichten Capecitabin ebenfalls effektiv [ 2 , 4 ]. Ob auch die alleinige Cisplatingabe in einer 3-wöchentlichen Dosierung wirksam ist, ist offen. Eine kleine, aktuell publizierte randomisierte Studie suggeriert eine höhere Wirksamkeit mit besseren Überlebensraten. Dieser Ansatz ist allerdings nicht in großen Patientenkollektiven validiert [ 18 ].

Naheliegend ist ein Ersatz von Cisplatin durch Carboplatin bei Patientinnen mit spezifischen Kontraindikationen gegenüber Cisplatin, v. a. bei eingeschränkter Nierenfunktion. Carboplatin ist effektiv in der Therapie des metastasierten Zervixkarzinoms und wurde auch in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt. In Phase-II-Studien bei Risikopatientinnen waren die Ergebnisse carboplatinhaltiger Regime vergleichbar mit denen einer cisplatinhaltigen Radiochemotherapie. Auch ist die Toxizität, selbst in Kombination mit einem anderen Zytostatikum, akzeptabel. Der Nachweis einer Äquieffektivität von Carboplatin und Cisplatin steht jedoch aus. Carboplatin kann nicht als Standard in der kurativen Therapie von Patientinnen mit Zervixkarzinom angesehen werden. Die wöchentliche Gabe von Cisplatin ist eine wirksame, aber nicht die einzig mögliche Form der Chemotherapie in Kombination mit Bestrahlung.

Risikofaktoren

Für eine risikoadaptierte Differenzialtherapie ist die Analyse der Relevanz validierter und standardisierter Parameter von besonderem Interesse. Hierzu gehören beim Zervixkarzinom v. a. das klinische Stadium und histopathologische Parameter.

In den großen randomisierten Studien wurden Patienten der FIGO-Stadien I–IVA aufgenommen. Im Vergleich einzelner Studien und in den Metaanalysen bestätigt sich die Bedeutung des Krankheitsstadiums. Die Radiochemotherapie ist in allen Krankheitsstadien effektiver als die alleinige Bestrahlung.

Patienten in frühen Stadien haben einen größeren Gewinn als Patienten in fortgeschrittenen Stadien.

Dieser Unterschied ist statistisch signifikant (p = 0,017; [ 3 ]). Der absolute Unterschied in der Überlebenszeit nach 5 Jahren beträgt 10% in den FIGO-Stadien I–IIA, 7% im FIGO-Stadium IIB und 3% in den FIGO-Stadien III–IVA. In der Auswertung derselben Studien in Bezug auf das krankheitsfreie Überleben zeigte sich ebenfalls ein Unterschied, der aber nicht statistisch signifikant war (p = 0,073). Für andere Parameter wie histologische Charakterisierung (Adeno- oder Plattenepithelkarzinom), Grading oder die Beteiligung iliakaler Lymphknoten fand sich kein signifikanter Einfluss.

Aus diesen Daten kann abgeleitet werden, dass bei Patienten mit Tumoren in einem höheren Stadium möglicherweise eine intensivere Therapie, z. B. als Kombinationschemotherapie, wirksamer sein könnte. Daten zur Unterstützung einer solchen stadienorientierten Differenzierung der Radiochemotherapie als Standard gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Toxizität

Die akute Toxizität einer cisplatinhaltigen Radiochemotherapie beeinträchtigt insbesondere hämatologische und gastrointestinale Funktionen. Bei der hämatologischen Toxizität sind alle drei Zellreihen betroffen. Diese Nebenwirkungen sind transient.

Jeder Arzt, der Patientinnen mit einer langfristigen Schleimhautintoxikation von Blase oder Rektum betreut, weiß um die Verminderung der Lebensqualität der Betroffenen. Statistisch liegt die Rate von schweren Langzeitnebenwirkungen bei 1–3% [ 3 ]. Diese Aussage leidet darunter, dass die Dokumentation dieser Daten auch in den großen multizentrischen Studien zum Zeitpunkt der Publikation oft nicht vollständig ist.

Patientinnen mit Zervixkarzinom haben ein signifikant erhöhtes Risiko für Zweitneoplasien [ 9 ]. Der Quotient von beobachteten gegenüber erwarteten Ereignissen [“observed-to-expected (O/E) ratio“] beträgt in den „Surveillance-Epidemiology-and-End-Results“(SEER)-Daten 1,32 entsprechend einer Risikosteigerung um 32%. Malignome von Lungen und Bronchien machen etwa ein Viertel dieser Tumoren aus und sind mutmaßlich auf die gemeinsame Noxe des Zigarettenkonsums zurückzuführen. Patientinnen, die eine Strahlentherapie erhielten, wiesen einen O/E-Quotienten von 1,46 entsprechend einer Risikosteigerung um 46% auf. Darunter wurde auch eine erhöhte Rate an Malignomen von Rektum und Anus registriert. Eine differenzierte Aufschlüsselung nach Patientinnen mit kombinierter Radiochemotherapie vs. alleiniger Strahlentherapie ist in diesen Daten nicht enthalten.

Gravierende Langzeittoxizitäten sind für die Patientinnen sehr belastend, insgesamt aber relativ selten. Das Risiko für Zweitneoplasien ist für Patientinnen mit Zervixkarzinom erhöht und wird durch eine Strahlentherapie zusätzlich gesteigert.

Cisplatin/Gemcitabin als möglicher neuer Standard im Jahr 2011

Im Mai 2011 wurden die Ergebnisse einer multizentrischen randomisierten klinischen Studie an 515 Patientinnen mit Zervixkarzinom in den FIGO-Stadien IIB–IVA publiziert [ 4 ]. Sie verglich die Kombination von Cisplatin und Gemcitabin mit der Cisplatinmonotherapie, jeweils als Bestandteil der simultanen Radiochemotherapie. Patientinnen in der Kombinationsgruppe erhielten 2 zusätzliche Chemotherapiekurse als adjuvante Therapie.

Die Kombination von Cisplatin mit Gemcitabin führte zu einer signifikanten Erhöhung der progressionsfreien Überlebensrate nach 3 Jahren von 65,0 auf 74,4% (p = 0,0227, HR 0,68). Die Nebenwirkungen betrafen gravierender in der Kombinationstherapie und – wie erwartet – v. a. hämatologische Funktionen. Zwei Todesfälle wurden als möglicherweise therapieassoziiert gewertet.

Die Studie hatte allerdings nicht die Gesamtüberlebenszeit als Endpunkt [ 20 ]. Auch ist das Ergebnis nicht nur durch die Hinzunahme von Gemcitabin, sondern ebenso durch den zusätzlichen adjuvanten Therapieanteil beeinflusst. Von besonderem Interesse bei späteren Analysen dieser Studie wäre insbesondere, ob auch Patientinnen mit Tumoren in den FIGO-Stadien III und IVA profitieren. Für diese Gruppe ist der Gewinn durch die Cisplatinmonotherapie relativ gering (s. Abschn. „Risikofaktoren“).

Primäre systemische Therapie

Zielsetzung

Die primäre systemische Therapie ist bei einer Reihe von soliden Tumoren inzwischen Bestandteil einer risikoadaptierten Behandlungsstrategie. Hierzu gehören u. a. das Mammakarzinom, das nichtkleinzellige Lungenkarzinom, das Magenkarzinom, das Rektumkarzinom mit der präoperativen Radiochemotherapie, die Tumoren des Kopf-Hals-Bereichs und Sarkome. Erste Ziele der primären systemischen Therapie sind die Verkleinerung des Tumorvolumens und damit die Erhöhung der Chance auf eine kurative Operation unter weitestmöglicher Vermeidung von funktions- oder lebensqualitätsmindernden Kollateralschäden. Weitere Ziele sind die Erhöhung der Heilungsrate durch frühzeitige Therapie von Mikrometastasen und die In-vivo-Testung des Tumoransprechens auf die eingesetzten Medikamente. Das Argument gegen die primäre systemische Therapie betrifft v. a. den möglichen Zeitverlust bis zum Einleiten einer potenziell kurativen lokalen Therapiemaßnahme.

Primäre systemische Therapie vs. primäre lokale Therapie

Die Ansprechraten auf eine primäre systemische Therapie variieren bei Patientinnen mit Zervixkarzinom zwischen <20 und >60%. Die Remissionsraten sind v. a. von der Patientenselektion, von den eingesetzten Medikamenten und von den Remissionskriterien (bildgebend vs. pathohistologisch) abhängig.

Ansprechraten der primären systemischen Therapie variieren zwischen <20 und >60%

Die Ergebnisse zum Einfluss der primären systemischen Therapie auf die progressionsfreie Überlebenszeit und die Gesamtüberlebenszeit sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von einer signifikanten Verlängerung bis zu einer signifikanten Verkürzung der Überlebenszeit [ 15 ].

In einer ursprünglich 2004 publizierten und 2009 erneut herausgegebenen Cochrane-Analyse wurden die Daten von 18 randomisierten klinischen Studien mit 2074 Patientinnen auf einer individuellen Datenbasis evaluiert [ 21 ]. Aufgrund der statistisch signifikanten Heterogenität der Studiendesigns wurde die Auswertung in präspezifizierten Subgruppen durchgeführt. Ein positiver Effekt auf die Überlebenszeit fand sich nur für Studien mit einer Zykluslänge <14 Tage (p = 0,046, HR 0,83). In Studien mit größerer Zykluslänge und Studien mit einer Cisplatindosisintensität <25 mg/m2KOF/Woche verkürzte die primäre systemische Therapie die Überlebenszeit.

Die Metaanalyse der 5 Studien mit höherer Therapieintensität, kurzer Zyklusdauer und hoher Cisplatindosis ergab eine hoch signifikante Verbesserung der Überlebensrate nach 5 Jahren von 50% in der Kontrollgruppe auf 64% unter der primären systemischen Therapie (p = 0,0004, HR 0,65). Die relativ größte Zahl der Patienten in diesem Teil der Metaanalyse stammt aus der italienischen Studiengruppe [ 15 ] und hatte Tumoren in den FIGO-Stadien IB2–IIB.

Aktuelle Studien evaluieren den Stellenwert der primären systemischen Therapie.

Medikamente

Kombinationen sind wirksamer als eine Monotherapie. Gesetzt ist Cisplatin in ausreichender Dosisintensität, solange keine spezifischen Kontraindikationen vorliegen. Kombinationspartner sind v. a. Alkylanzien, Anthrazykline, Antimetaboliten, Taxane oder Vincaalkaloide. In neueren Schemata wird z. B. Gemcitabin oder eine Dreifachkombination mit einem Taxan eingesetzt.

Das optimale Schema ist mangels vergleichender Studien nicht etabliert. In Studien wird auch der Wert von „Anti-EGFR-Antikörpern (EGFR: „epidermal growth factor receptor“) evaluiert.

Adjuvante systemische Therapie

Zielsetzung

Die Aufgabe einer adjuvanten systemischen Therapie liegt in der Elimination persistierender Tumorzellen nach kurativer Lokaltherapie. Ziele sind die Steigerung der Zahl der langfristig rezidivfrei lebenden Patienten und die Verlängerung der Überlebenszeit. Gegen den Nutzen einer adjuvanten Therapie sind die Risiken, insbesondere die Akut- und die Langzeittoxizität, abzuwägen. Eingesetzt werden zurzeit Substanzen aus der Gruppe der Zytostatika oder antihormonell wirkende Medikamente. Bei einer Reihe solider Tumoren zählt die stadienorientierte adjuvante systemische Therapie zum Standard, z. B. beim Mammakarzinom, beim kolorektalen Karzinom, beim Lungen- oder Prostatakarzinom. Beim Zervixkarzinom ist der Wert der adjuvanten systemischen Therapie nicht gesichert.

Adjuvante systemische Therapie vs. Bestrahlung oder Beobachtung

Die Zusammenstellung von Studienergebnissen zur adjuvanten systemischen Therapie ist kurz und entspricht der Aussage in der deutschen S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms“:

Bis heute gibt es keine klinischen Belege dafür, dass eine adjuvante Chemotherapie ohne gleichzeitige Bestrahlung einen klinischen Benefit bringt. [ 1 ]

Die aktuelle Situation wird zum einen dadurch geprägt, dass die Studien mit längerer Beobachtungszeit Medikamente und Schemata verwendet haben, die nach heutigem Wissensstand nicht optimal sind, z. B. Cisplatin plus Bleomycin, Methotrexat und 5-FU [ 11 ]. Zum anderen wird die adjuvante Chemotherapie in der Mehrzahl der neueren Studien nicht isoliert, sondern in Kombination mit der Bestrahlung eingesetzt [ 2 , 4 ]. Dadurch ist nur eine Bewertung des Gesamttherapiekonzepts, nicht aber eine Bewertung des Bausteins „adjuvante systemische Therapie“ möglich. Der Stellenwert der adjuvanten systemischen Therapie ist grafisch in Abb. 2 dargestellt.

Zusammenfassung

Die Therapie des Zervixkarzinoms ist multimodal. In Abhängigkeit vom Stadium der Erkrankung, weiteren biologischen Risikofaktoren, von der Komorbidität der Patientin und ihrer Therapiepräferenz wird die optimale Behandlungsstrategie erarbeitet. Die Chemotherapie hat ihren Platz in der Kombination mit der Strahlentherapie. Die kombinierte Radiochemotherapie ist Standard. Weitere potenzielle Optionen zum Einsatz einer systemischen Therapie sind primär (neoadjuvant) oder adjuvant. Hier werden v. a. im Rahmen von Studien die neueren Erkenntnisse zur optimalen Kombination und zur Dosisintensität wirksamer Medikamente umgesetzt.

Fazit für die Praxis

  • Die kombinierte Radiochemotherapie verlängert die Überlebenszeit im Vergleich mit einer alleinigen Strahlentherapie.
  • Die wöchentliche Gabe von Cisplatin ist eine wirksame, aber nicht die einzig mögliche Form der Chemotherapie in Kombination mit Bestrahlung. Der Effekt der Radiochemotherapie ist in frühen Stadien größer als in fortgeschrittenen Stadien.
  • Gravierende Langzeittoxizitäten der Radiochemotherapie sind für die Patientinnen sehr belastend, insgesamt aber relativ selten.
  • Der Stellenwert der primären systemischen Therapie beim Zervixkarzinom ist offen und muss in prospektiv randomisierten klinischen Studien geklärt werden.
  • Die alleinige adjuvante systemische Therapie (ohne simultane Bestrahlung) zählt nicht zum Standard in der Therapie von Patientinnen mit Zervixkarzinom.

Interessenkonflikt

Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

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Tab. 1: Standarddefinierende Studien zur kombinierten Radiochemotherapie
Stadium FIGO Anzahl (n) der Patientinnen Kontrolle Neue Therapie ÜLZ HR Autoren
IB2 369 Keine Chemotherapie Cisplatin, wöchentlich 0,54 Keys et al. [ 8 ]
IIB–IVA 353 Hydroxyurea Cisplatin 0,61 Rose et al. [ 17 ]
IIB–IVA 350 Hydroxyurea Cisplatin, 5-FU, Hydroxyurea 0,58 Rose et al. [ 17 ]
IB2–IVA 403 Keine Chemotherapie Cisplatin, 5-FU 0,52 Morris et al. [ 12 ]
IIB–IVA 368 Hydroxyurea Cisplatin, 5-FU 0,72 Whitney et al. [ 23 ]
IB, IIA postoperativ 268 Keine Chemotherapie Cisplatin, 5-FU 0,50 Peters et al. [ 16 ]

5-FU 5-Fluorouracil, FIGO Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique, HR „hazard ratio“, ÜLZ Überlebenszeit.

Abb. 1:  Möglicher Einsatz der systemischen Therapie beim Zervixkarzinom. Op. Operation

Abb. 1: Möglicher Einsatz der systemischen Therapie beim Zervixkarzinom. Op. Operation

Abb. 2:  Aktueller Stand des Einsatzes der systemischen Therapie beim Zervixkarzinom. Op. Operation

Abb. 2: Aktueller Stand des Einsatzes der systemischen Therapie beim Zervixkarzinom. Op. Operation

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