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Onkologie 4. Juni 2013

Schutz vor Kardiotoxizität bei Chemotherapie

Einige Chemotherapeutika können das Herz dauerhaft schädigen.

Pharmakotherapeutische Protektion scheint möglich zu sein.

Neue Chemotherapeutika und dosisintensive Therapieregime bieten zwar gute Möglichkeiten, die Prognose der Patienten aus onkologischer Sicht zu verbessern - aber um den Preis einer Prognoseverschlechterung durch die klinischen Folgekomplikationen ihrer kardiotoxischen Wirkungen. Viele Chemotherapeutika, darunter insbesondere Anthrazykline wie Doxorubicin und der monoklonale Antikörper Trastuzumab, wirken kardiotoxisch. Die stark dosisabhängige Myokardschädigung durch diese Substanzen kann Ausgangspunkt für die Entwicklung einer schweren und tödlich verlaufenden Herzinsuffizienz sein.

Medikamentöse Protektion

ACE-Hemmer und Betablocker sind seit langem Standtherapeutika bei manifester Herzinsuffizienz auf Basis einer linksventrikulären systolischen Dysfunktion. Gezeigt wurde, dass sich mit diesen Substanzen auch bei asymptomatischen Patienten die Progression einer linksventrikulären Funktionsstörung, gemessen an der Abnahme der Auswurffraktion, verzögern lässt. Ergebnisse experimenteller wie auch kleinerer klinischer Studien nähren die Hoffnung, durch eine Prophylaxe mit ACE-Hemmern und Betablockern auch einer funktionellen Herzschädigung durch Chemotherapeutika vorbeugen zu können.

Kombination auf dem Prüfstand

Eine spanische Forschergruppe um Dr. Xavier Bosch aus Barcelona hat in einer randomisierten kontrollierten Studie namens OVERCOME die prophylaktische Wirksamkeit einer Kombination, bestehend aus dem ACE-Hemmer Enalapril und dem Betablocker Carvedilol, bei 90 Patienten mit hämato-onkolologischen Erkrankungen untersucht.

Von den Teilnehmern wurden 36 wegen akuter Leukämie behandelt. Weitere 54 Patienten mit Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom oder Multiplem Myelom wurden einer Stammzell-Transplantation unterzogen. Alle Studienteilnehmer erhielten eine hoch dosierte Chemotherapie.

Die Studienteilnehmer wurden per Randomisierung entweder einer Behandlung mit Enalapril plus Carvedilol oder einer Kontrollgruppe ohne entsprechende Therapie zugeteilt. Primärer Endpunkt war die absolute Veränderung der linksventrikulären Auswurffraktion in Relation zum Ausgangswert.

Wirksam, aber noch keine endgültigen Empfehlungen

Nach sechs Monaten zeigte sich dieser Parameter der linksventrikulären systolischen Funktion in der mit ACE-Hemmer und Betablocker behandelten Gruppe nahezu unverändert. Im Gegensatz dazu ergab die echokardiografische Messung in der Kontrollgruppe eine signifikante absolute Abnahme um 3,1 Prozentpunkte. Die Art der Chemotherapie wird von den Autoren nicht genauer spezifiziert. Patienten mit akuter Leukämie scheinen aber vor allem mit Anthrazyklinen behandelt worden zu sein.

In dieser Subgruppe war der absolute Unterschied bei der linksventrikulären Auswurffraktion zwischen Interventions- und Kontrollgruppe mit 6,4 Prozent besonders ausgeprägt. Bei den übrigen Studienteilnehmern bestand dagegen nur eine minimale Differenz. Die Inzidenzrate für die beiden klinischen Endpunkte Tod und Herzinsuffizienz war unter der Enalapril/Carvedilol-Therapie signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (6,7 versus 22 Prozent). Angesichts der Tatsache, dass die meisten Todesfälle in Zusammenhang mit Neutropenie-bedingten Infektionen standen, ist aber kaum zu klären, ob die geprüfte Kombination die Mortalität wirklich günstig beeinflusst hat.

Definitive Empfehlungen lassen sich auf Basis dieser Studie angesichts ihrer Limitierungen nicht geben. So erfolgte der Vergleich unverblindet. Zudem wurde die Kombination nicht mit Enalapril und Carvedilol als Monotherapie verglichen. Daher bleibt unklar, ob die Kombination gegenüber der Monotherapie von stärkerer Wirkung ist. Die Autoren fordern deshalb größere Studien zur weiteren Klärung.

ob/springermedizin.de, Cardio News Austria 1/2/2013

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