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Onkologie 20. Jänner 2013

Zur Leukämiebehandlung ohne Chemotherapie

Bösartige Erkrankungen von Lymphknoten und Knochenmark zählen zu den weltweit häufigsten Krebserkrankungen. Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Leukämie der westlichen Welt und derzeit nach wie vor unheilbar. Die Prognose der Erkrankung ist äußerst unterschiedlich und kann von einer Lebensdauer von Jahrzehnten bis zu einer Lebensdauer von unter zwei Jahren reichen. Im Falle der Behandlungsnotwendigkeit stellen Chemoimmunotherapien mit stark wirksamen Zytostatika nach wie vor den Grundpfeiler der Behandlung dar.

 

Die Entartung von Zellen der normalen menschlichen Immunabwehr, die auf unterschiedlichen Funktionsstufen betroffen und massiv verändert sein kann, konnte das „Laboratory for Immunological & Molecular Cancer Research“, kurz LIMCR, als häufige Ursache für die Entwicklung dieser Erkrankungen feststellen. „Um das Überleben der Krebszellen zu verhindern, ist eine Art Reset des Immunsystems nötig. Untersuchungen an Zellen von Krebspatienten zeigen, dass die immununterdrückende Wirkung von Chemotherapien zum Teil einen solchen Reset begünstigen. Dies legt nahe, dass Impfungen während und nicht nach der Chemotherapie erfolgen sollten“, so der Leiter des LIMCR, Prim. Univ.-Prof. Dr. Richard Greil, Vorstand der III. Medizinischen Universitätsklinik in Salzburg. „Neueste Erkenntnisse aus Studien im Reagenzglas an unserer Abteilung könnten den Weg in eine neue Ära der chemotherapiefreien Behandlung führen“, stellt Greil fest. Dieser neue Therapieansatz könnte auch in der Lage sein, die ungünstigsten molekularen und genetischen Risikofaktoren zu überwinden, an denen die klassische Chemotherapie bisher scheiterte. Auf der Grundlage der neuesten Forschungsergebnisse in Salzburg werden zwei internationale Phase I/II Studien in der von Salzburg aus geleiteten Studiengruppe „Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie“ begonnen.

Bei der Leukämie liegt im Gegensatz zu anderen Tumorerkrankungen nicht nur eine Entartung der Abwehrzellen sondern auch eine noch komplexere Umprogrammierung des Immunsystems durch den Tumor vor. Dieser Mechanismus soll nun durch eine gezielte Unterbrechung der Signalübertragung aufgehoben und damit den Leukämiezellen der zentrale Wachstumsimpuls genommen werden.

Damit scheint es auch möglich zu sein, die ungünstigsten molekularen Veränderungen der Leukämiezellen, die üblicherweise eine Resistenz gegen Chemotherapie aufweisen und mit sehr kurzen Überlebenszeiten verbunden sind, überwinden zu können. Andererseits dürfte es möglich sein, mit der immunmodulatorischen Substanz Lenalidomide die ausgeschaltete Immunantwort wieder zu reaktivieren. Eine entsprechende Chemotherapie-freie zielgerichtete Immunomolekulare Therapie wird nun klinisch untersucht.

Darüberhinaus wird nun eine Phase I Studie initiiert, in der das Wissen um das spezielle Mikromilieu, das für die Zellteilung von CLL Zellen notwendig ist, genützt wird. „Die Ergebnisse aus unseren Labormodellen”, so Greil, “sprechen dafür, in therapeutischer Absicht die Leukämiezellen aus dem Lymphknoten und dem Knochemark zu lösen und in die Blutbahn zu bewegen, sodass der spezielle Schutz und die Funktion der Wachstumszentren aufgehoben werden. Dabei haben wir sehr erfolgreich verantwortliche molekulare und biologische Prozesse identifiziert. Im Falle eines Erfolges würde sich damit ein weiteres Medikament zur chemotherapiefreien Kombinationstherapie anbieten.“

Quelle: Landeskrankenhaus Salzburg – Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

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