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Regelmäßige Bewegung bringt auch für Darmkrebspatienten einen eindeutigen Überlebensvorteil.
 
Onkologie 24. Februar 2013

Falsche Schonung

Körperliche Aktivität verlängert Darmkrebspatienten das Leben.

Wer sich vor und auch noch nach der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms viel bewegt, hat eine längere Lebenserwartung. Patienten, die ihre freie Zeit vorwiegend sitzend zubringen, sterben früher.

Ebenso wie zur Primärprävention von Krebs wird heute auch Überlebenden einer Krebserkrankung geraten, körperliche Inaktivität zu meiden und sich regelmäßig zu bewegen. Empfohlen werden pro Woche etwa 150 Minuten mäßige bis anstrengende Bewegung. Diese Empfehlung zu befolgen, lohnt sich auch für Patienten mit einem Kolorektalkarzinom, wie eine große prospektive Studie aus den USA nun bestätigt. Studienteilnehmer waren 2.293 Patienten anfangs gesunde Patienten, die sowohl vor als auch nach der Diagnose eines nicht metastasierten kolorektalen Adenokarzinoms detaillierte Fragebögen zu ihrem Lebensstil beantwortet hatten. Je nach Intensität der wöchentlichen körperlichen Aktivität in ihrer freien Zeit wurden sie in drei Gruppen eingeteilt: weniger als 3,5 MET-Stunden (das entspricht weniger als einer Stunde Gehen), 3,5–8,74 MET-Stunden (entsprechend einer bis zweieinhalb Stunden Gehen) oder mehr als 8,75 MET-Stunden.

Während des Follow-up von im Mittel 6,8 Jahren starben 846 Patienten; häufigste Todesursache war bei 379 Patienten das Kolonkarzinom, gefolgt von kardiovaskulären Erkrankungen (n =152) und anderen Malignomen (n = 127). Die geringste Mortalität hatten Patienten aus der Gruppe mit mindestens 8,75 MET-Stunden pro Woche: Ein solches Bewegungspensum vor der Krebsdiagnose reduzierte die Sterberate um 28 Prozent, nach der Krebsdiagnose war es sogar mit einer um 42 Prozent niedrigeren Sterblichkeit assoziiert. Aufgeschlüsselt nach der Todesursache war allerdings nur bei der kardiovaskulären Mortalität ein signifikanter Rückgang zu verzeichnen.

Langes Sitzen erhöht die Darmkrebsmortalität

Umgekehrt hatten Studienteilnehmer, die in ihrer täglichen Freizeit mehr als sechs Stunden saßen, eine kürzere Überlebenserwartung als solche mit Sitzzeiten von weniger als drei Stunden. Sesshaftes Freizeitverhalten vor der Krebsdiagnose erhöhte die Mortalität insgesamt um 36 Prozent. Nach der Diagnose viel herumzusitzen war dagegen mit einem nicht signifikanten Anstieg der Sterberate verbunden, ging aber mit einer um 62 Prozent höheren krebsspezifischen Mortalität einher. Generell bestanden die beobachteten Zusammenhänge von Bewegung bzw. Immobilität und Überleben unabhängig von Geschlecht, Alter, Krebsstadium, Body Mass Index und Raucherstatus.

Die Studienautoren um Dr. Peter T. Campbell vom American Cancer Society Home National Office in Atlanta schließen aus den Daten, dass Ärzte Patienten mit kolorektalem Krebs – wenn möglich – dazu raten sollten, „ein körperlich aktives Leben zu führen, mit dem Ziel, 2,5 Stunden oder mehr pro Woche zu gehen, und langes Sitzen zu vermeiden.“

Quelle: springermedizin.de

Originalpublikation: Campbell PT et al. J Clin Oncol 2013; online 22. Jänner; doi: JCO.2012.45.9735

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