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Ohne Folsäure funktionieren weder die Synthese noch die Reparatur der DNA. Nicht eindeutig geklärt ist, ob eine Supplementierung das Krebswachstum fördert.
 
Onkologie 19. Februar 2013

Für und Wider Folsäure

Die Hoffnung, aus der Analyse mehrerer Studien zur Supplementierung von Folsäure Informationen zu erhalten, die klarere Aussagen über deren Nutzen oder Risiko ermöglichen, wurde nicht erfüllt. Zumindest innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren ließ sich kein wesentlicher Effekt auf die Krebsinzidenz herauslesen. Die Diskussion über das B-Vitamin im Zusammenhang mit Krebs hält also weiter an. 

In den vergangenen Jahren gab es in klinischen Studien uneinheitliche Ergebnisse zum Schaden oder Nutzen einer Supplementierung von Folsäure. Für größeren Wirbel sorgte 2007 eine Studie, die in den USA und Kanada just zu dem Zeitpunkt einen Anstieg der Kolorektal-Karzinom-Inzidenz feststellte, als Nahrungsmittel mit Folsäure angereichert wurden. Danach sank die Inzidenz wieder.

Epidemiologen aus Oxford betrachteten nun in einer Metaanalyse 13 randomisierte Studien und prüften, ob Folsäure-Supplementierung über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum von im Mittel 5,2 Jahren das Krebsrisiko hebt oder senkt. Von den fast 50.000 Studienteilnehmern hatten mehr als 2.600 in insgesamt drei Studien vor Studienbeginn ein kolorektales Adenom. Knapp 47.000 Studienteilnehmer hatten ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

In allen außer einer Studie wurde der Effekt mit dem einer Supplementierung mit Placebo verglichen. Die tägliche Folsäuredosis lag zwischen 0,5 mg und 5 mg. Nur in einer Studie erhielten die Studienteilnehmer 40 mg Folsäure pro Tag. Im Median betrug die Folsäurekonzentration im Plasma 57,3 nmol/l, in den Placebogruppen 13,5 nmol/l. Bei hochdosierter Supplementierung war die Plasmakonzentration 100fach höher.

Kein Unterschied bei Krebsinzidenz

Innerhalb des Studienzeitraums erkrankten 7,7 Prozent in der Gruppe mit Folsäure-Supplementierung und 7,3 Prozent in der Vergleichsgruppe an Krebs – ein nicht signifikanter Unterschied.

Peto und seine Kollegen konnten zudem keinen zunehmenden Einfluss von Folsäure mit der Dauer der Supplementierung erkennen, noch nicht einmal in der Studie mit Einnahme von 40 mg Folsäure pro Tag. 

Die Autoren betonen aber, dass aufgrund der begrenzten Dauer der analysierten Studien noch immer unklar bleibt, ob die Supplementierung viele Jahre nach Studienende nicht doch einen positiven oder negativen Effekt haben wird.

Darüber hinaus beträgt der RR-Wert beim Prostata-Ca. 1,15  (99%-Konfidenzintervall zwischen 0,94 und 1,41). Mit einem p-Wert von 0,07 bedeute das, dass der Unterschied fast signifikant sei, so Miller und Ulrich, zumal der gewöhnlich verwendete Grenzwert von p = 0,05 bei der Beurteilung der Signifikanz recht willkürlich sei. Allerdings ist auch zu bedenken, dass die in den Studien aufgenommene Folsäuremenge etwa zehnfach höher ist als die durch die Anreicherung von Lebensmitteln. Sollte das leicht erhöhte Krebsrisiko tatsächlich existieren, würde das daher eher bei Menschen zum Tragen kommen, die deutlich erhöhte Mengen an Folsäure aufgrund der Anreicherung plus der Supplementierung aufnehmen, wie die beiden Wissenschaftler vermuten. Immerhin bis zu vier Prozent der US-Bevölkerung würden mehr als die empfohlene Höchstmenge an Folsäure (1 mg/Tag) zu sich nehmen.

Vollset SE et al.: Lancet 2013; doi: 10.1016/S0140-6736(12)62001-7

springermedizin.de/ple, Ärzte Woche 8/2013

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