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Foto: Buenos Dias/photos.com
Durch die Bestrahlung mit Nah-Infrarot-Licht erwärmen sich eingebrachte Goldpartikel auf 70° C und schädigen damit nur das umliegende Gewebe.
 
Onkologie 15. Juni 2009

Goldsuche heizt dem Tumor ein

Neue Option für gezielte Krebstherapie in Sicht.

Schon lange ist bekannt, dass Hitze eine effiziente Waffe gegen Tumorzellen ist. Doch diese ohne Schaden an den Tumor heranzubringen, ist ein bisher ungelöstes Problem. Mithilfe von Goldpartikeln könnte dieses Problem gelöst werden, was einem Meilenstein in der Tumordiagnostik und -behandlung gleichkäme.

 

Jetzt haben Forscher am Massachusetts Institute of Technology kleine Goldpartikel entwickelt, die sich im Tumor akkumulieren. Gold-Nano-Stäbchen („Gold Nanorods“) werden intravenös appliziert. Durch die gute Durchblutung des Tumors und die hohe Durchlässigkeit der Tumorkapillaren häufen sich die Goldpartikel im Tumor an. Mit Hilfe des Raman-Effekts reicht diese Akkumulation be-reits aus, um eine Tumorsuche zu ermöglichen.

Für eine Tumorbehandlung folgt nach der Akkumulation die Bestrahlung mit einem Nah-Infrarot-Licht, da dieses ohne weiteren Schaden durch das menschliche Gewebe dringen kann. Die Goldpartikel absorbieren die Energie des Lichts und emittieren diese als Hitze. Die Nano-Stäbchen können so bis zu 70° C erreichen, je nach Lichtstärke, und das in der Nähe der Partikel liegende Gewebe schädigen. Die Goldpartikel werden nach drei Tagen renal und hepatisch eliminiert. Bei Mäusen führte diese Behandlung nach 15 Tagen zu einer Komplettremission von Tumoren, die unter einer einfachen Strahlentherapie nicht verschwanden. V. Maltzahn, der Studienautor, sieht noch weitere Möglichkeiten der Partikel: Die Unterstützung einer Chemotherapie und die mögliche R0-Resektion, die ein Chirurg manchmal nicht schaffen kann, denn die Partikel seien um ein Vielfaches präziser als ein Skalpell.

Doch bevor die Gold-Nano-Stäbchen am Menschen ausprobiert werden können, müssen noch einige klinische Studien durchlaufen werden. Das Prinzip klingt einleuchtend und die Ergebnisse sprechen für sich. Die Partikel könnten eine bahnbrechende Neuerung in der Krebsbehandlung werden.

 

Quellen: Cancer Research, 2009; 69 (9): 3892; Advanced Materials,

doi: 10.1002/adma.200803464

Der Hausarzt/PH , Ärzte Woche 24 /2009

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