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Foto: stockbyte_George Doyle
Eine Virusinfektion könnte für Blutkrebs mitverantwortlich sein.
 
Onkologie 24. April 2012

Was Blutkrebs auslösen kann

Wiener Studie: Antigen des Cytomegalievirus könnte beteiligt sein.

Bisher sind die Ursachen für die Entstehung der chronisch-lymphatischen Leukämie unbekannt. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Eine Forschergruppe der MedUni Wien hat jetzt einen Hinweis auf die Entstehung dieser Erkrankung entdeckt.

Bei der Entstehung der chronisch-lymphatischen Leukämie (CLL) könnte ein Protein des Cytomegalievirus beteiligt sein. Doz. Dr. Christoph Steininger, Leiter der Forschungsgruppe von der Universitätsklinik für Innere Medizin I am AKH-Wien ist überzeugt: „Das könnte den Therapieansatz der chronisch-lymphatischen Leukämie beeinflussen.“

Seit etwa 20 Jahren wird vermutet, dass die chronisch-lymphatische Leukämie durch die Stimulation von B-Zellen – im Zusammenspiel mit anderen Faktoren – entsteht.

In der aktuellen Forschungsarbeit1 suchten die Wissenschaftler nach einem Antigen, das an den Rezeptoren der Leukämiezellen bindet, und konnten das Protein pUL32 des humanen Cytomegalievirus identifizieren. Das Cytomegalievirus, das zur Familie der Herpesviren gehört, tragen etwa 60 bis 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung in sich, ohne zu erkranken. Zumeist infiziert man sich im Kindesalter mit dem Virus, das danach ein Leben lang in den Zellen des Immunsystems überlebt. Dabei „versteckt“ es sich in den Zellen und „verwirrt“ außerdem durch viruseigene Botenstoffe das Immunsystem, hieß es in einer Aussendung der MedUni Wien.

Erst wenn es zu einer Schwächung des Immunsystems bei einem infizierten Menschen kommt, etwa durch medikamentöse Unterdrückung im Rahmen einer Organtransplantation oder bei einer HIV-Erkrankung, kann das Virus Erkrankungen auslösen.

Ob diese Virusinfektion Blutkrebs auslösen kann oder der beobachte Zusammenhang zwischen Leukämie und Cytomegalievirus auf einen anderen, vom Virus unabhängigen Mechanismus in der Krebsentstehung hindeutet, ist nun Gegenstand mehrerer Folgestudien. So wird man versuchen, mit einer antiviralen Therapie die Stimulation der Leukämiezellen und somit das Fortschreiten der CLL zu bremsen.

Literatur:

Steininger C. et al.: Recombinant antibodies encoded by IGHV1-69 react with pUL32, a phosphoprotein of cytomegalovirus an B-cell superantigen. Blood 2012; doi:10.1182/blood-2011-08-374058

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