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Onkologie 3. April 2012

Mehr Rezidive bei Übergewicht

Werden Lifestyle-Interventionen schon bald zu einem Standardelement der Brustkrebsbehandlung?

Die Verbindung zwischen Fettleibigkeit und dem Entstehen von Brustkrebs ist gut bekannt, die Auswirkungen des Körpergewichts auf das Wiederauftreten der Krebserkrankung und die Überlebensrate sind bislang jedoch viel weniger untersucht worden. Zu diesem Zusammenhang wurde nun in Wien eine neue Studie vorgestellt.

 

Ein erhöhtes Risiko bestand, obwohl das Studiendesign eine Dosisanpassung der Chemotherapie entsprechend dem Körpergewicht vorsah. „Wir haben somit einen weiteren Nachweis, dass einzelne Lebensgewohnheitsfaktoren Einfluss auf die Krebsprognose haben können“, berichtete Dr. Jennifer Ligibel auf der Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC-8) in Wien. Sie ist Onkologin am Dana-Farber Cancer Institute in Boston, USA, und Dozentin an der Harvard Medical School.

Daten von 1.909 Patientinnen

Gemeinsam mit Kollegen wertete sie Daten von 1.909 Patientinnen aus, die zwischen 1997 und 1999 an der CALGB-9741-Studie (Cancer and Leukaemia Group) teilgenommen hatten. Darin wurden verschiedene Dosierungspläne der adjuvanten Chemotherapie für Patientinnen mit knotenpositivem Krebs untersucht.

Ausgewertet wurde die Assoziation zwischen Body Mass Index (BMI) und rezidivfreiem Überleben sowie Gesamtüberleben.

1,2 Prozent der Patientinnen waren untergewichtig, 32,6 Prozent normalgewichtig, 32,9 Prozent übergewichtig und 33,3 Prozent fettleibig. 49 Prozent der Patientinnen waren menopausal, 65 Prozent hatten einen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs und 70 Prozent erhielten den Östrogenrezeptormodulator Tamoxifen. „Es gibt bereits einige andere Studien, die eine Korrelation zwischen Übergewicht oder Fettleibigkeit zum Zeitpunkt der Brustkrebsdiagnose und einem höheren Rezidivrisiko nachweisen. Dabei stellte sich in der Vergangenheit allerdings die Frage, ob fettleibige Frauen auf Grund ihres Körpergewichts nicht eine relativ unterdosierte Chemotherapie erhielten. Unsere Studie sah vor, dass jede Patientin eine gewichtsangepasste Dosis erhielt, was zeigt, dass die bei schwereren Frauen beobachteten Rezidivraten offensichtlich nicht durch Behandlungsfaktoren bedingt sind“, erklärte Ligibel.„Wir haben eine Korrelation zwischen BMI und sowohl dem rezidivfreien als auch des Gesamt-Überlebens festgestellt. Das zehnjährige rezidivfreie Überleben einer übergewichtigen Patientin betrug 70 Prozent, jenes einer fettleibigen Patientin 65 Prozent.“

Prof. Dr. David Cameron von der Universität Edinburgh (Großbritannien), der Vorsitzende der EBCC-8, kommentierte die Ergebnisse: „Diese Studie trifft wichtige Aussagen für Frauen mit Brustkrebs, doch müssen wir einräumen, dass die Gründe, warum die Prognose übergewichtiger Frauen schlechter ist, bisher ungeklärt sind. Zahlreiche gesundheitliche Gründe sprechen dafür, dass übergewichtige Frauen versuchen sollten, auf ein normales Körpergewicht zu kommen. Dies ist jedoch nicht immer einfach, und die Studienautoren wissen nicht, ob eine Gewichtsabnahme auch nach der Brustkrebsdiagnose noch etwas bewirken kann.“

Sollten zukünftige Studien jedoch zeigen, dass eine Änderung des Lebensstils die Überlebensraten bei Brustkrebs erhöht, könnten eines Tages Lifestyle-Interventionen zu einem Standardelement der Brustkrebsbehandlung werden.

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