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Foto: EBCC
Dr. Bernadette Jäger von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde der Ludwig-Maximilians-Universität München
 
Onkologie 28. März 2012

Brustkrebs: Tumorzellen im Blut als Marker

Indikatoren für Überlebenschancen bei Brustkrebs und Hilfe bei Therapiewahl.

Die Ergebnisse der ersten groß angelegten Studie über die Prognoserelevanz von zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) bei frühem Brustkrebs, die an der 8. Europäischen Brustkrebskonferenz präsentiert wurden, zeigen, dass Patientinnen, in deren Blut direkt nach der Operation zumindest fünf Tumorzellen entdeckt werden, ein vierfach erhöhtes Rezidivrisiko und ein dreifach erhöhtes Mortalitätsrisiko haben.

 

Dr. Bernadette Jäger von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Campus Innenstadt, der Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland, berichtete vergangene Woche, dass CTCs nicht nur eine genauere Evaluierung des Krankheitsausgangs ermöglichen, sondern in Zukunft selbst Ziel der Behandlung sein könnten.

Jäger und ihre Kollegen aus neun deutschen Universitätskliniken haben in der Studie SUCCESS A die Anzahl der CTCs im Blut von 2.026 Patientinnen analysiert. Bei allen Frauen war vor Beginn der Chemotherapie eine vollständige Resektion des Primärtumors vorgenommen worden. CTCs wurden im Blut von 21,5 Prozent der Frauen entdeckt. Dieser Prozentsatz ist deutlich geringer als bei metastasiertem Brustkrebs üblich.

Dank technologischer Fortschritte können CTCs heute mithilfe eines halbautomatischen Detektors aufgespürt werden. „Aus Patientinnensicht stellt die Suche nach CTCs im Blut einen deutlich weniger invasiven Eingriff dar als die andere Evaluierungsmethode, die Entnahme von Knochenmark“, erklärte Jäger. „Obwohl es derzeit für die Patientinnen noch keinen direkten Vorteil bringt, ihren CTC-Status zu kennen, bedeutet diese Möglichkeit doch bereits einen Fortschritt. In der Zukunft erwarten wir, dass CTCs als Marker zur Beobachtung der Therapiewirksamkeit eingesetzt werden könnten.“

Die richtige Behandlung finden

Dieser Marker würde es auch erleichtern, die geeignete Chemotherapie für jede Patientin zu finden.

Im Zuge der Nachbetreuung evaluierten die Forscher den CTC-Status der Patientinnen direkt nach der Chemotherapie und dann in Intervallen von zwei und fünf Jahren.

Vor Kurzem hat das Team mit der Studie DETECT III begonnen. „Wir möchten untersuchen, was eine Ergänzung der Standardtherapie durch eine HER2-zielgerichtete Therapie mit Lapatinib bei Patientinnen mit HER2-positiven CTCs, jedoch HER2-negativem Primärtumor, bewirkt“, sagte Jäger. „Wir wissen, dass sich der HER2-Status mit dem Fortschreiten der Krankheit ändern kann. Befindet sich jedoch an der Stelle des Primärtumors kein Rezidiv, erschwert dies eine neue histopathologische Untersuchung, da die Biopsie einer Metastase häufig aufgrund der anatomischen Gegebenheiten schwierig ist. Die Feststellung der Änderung des HER2-Status auf CTCs würde einen deutlich weniger invasiven Eingriff bedeuten. Wenn wir CTCs mit einem anderen HER2-Status als jenem des Primärtumors oder der Metastase finden, prüfen wir, ob nicht eine Umstellung der Therapie angezeigt wäre.“ Deshalb wurden die Vorteile einer auf HER2 zielgerichteten Therapie bei Frauen mit HER2-positiven CTCs und HER2-negativem Primärtumor oder Metastasen untersucht. „Ist diese Therapie erfolgreich, können wir sicher sein, dass wir den Krebs auf die richtige Weise und am richtigen Ort bekämpfen.“

 

Quelle: 8th European Breast Cancer Conference (EBCC-8), Abstract #301.

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