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Onkologie 21. März 2012

EBCC: Brustkrebsfrüherkennung – wann zur MRT?

Die Durchführung von Magnetresonanztomografien (MRT) zusätzlich zum Brustkrebs-Standardscreening per Röntgen-Mammografie bzw. eventuell zusätzlich noch Ultraschalluntersuchung ist zwar teuer, könnte sich bei einer bestimmten Gruppe von Frauen trotzdem lohnen: für Frauen, die zwar keine genetische Neigung zu Brustkrebs besitzen, aber ein familiäres Risiko aufweisen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die anlässlich der 8. Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC-8) am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.


Bekannt ist, dass Frauen mit BRCA1/2-Genmutationen ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, und zwar schon in jungen Jahren. Um die Mortalität durch Brustkrebs in dieser Hochrisikogruppe zu senken, müssen Screeningprogramme daher bereits früher mit den Mammografien ansetzen als im Bevölkerungsdurchschnitt. Zusätzlich eine MRT einzuführen, hat sich bei Frauen, die tatsächlich oder mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent und mehr Trägerinnen von BRCA1/2-Mutationen sind, als kosteneffektiv erwiesen.


Eine Forschergruppe in den Niederlanden hat an 1.597 Frauen, die zwischen 1999 und 2007 an der Dutch MRI Screening Study teilnahmen und ein kumuliertes lebenslanges Risiko, vor dem Alter von 70 an Brustkrebs zu erkranken, von 15 bis 50 Prozent hatten, eine Kosten-Wirkungs-Analyse durchgeführt. Diese Frauen im Alter zwischen 25 und 70 wurden alle sechs Monate einer klinischen Brustuntersuchung unterzogen und absolvierten einmal jährlich eine Mammografie und eine MRT.


Die Wissenschafter errechneten anhand der Kosten, die Diagnose, Screening und Behandlung der Frauen mit einem familiären Risiko verursachten, die Kosten pro diagnostiziertem Krebsfall und schätzten die gewonnenen Lebensjahre. "Dabei stellten wir fest, dass es etwa das Dreifache kostet, das Screeningverfahren um die MRT in jedem gewonnenem Lebensjahr zu erweitern ", erklärte Sepideh Saadatmand, Ärztin am Erasmus Univerity Medical Center in Rotterdam.


Die Expertin weiter: "Die Kosten eines Screenings mit klinischer Brustuntersuchung, Mammografie und MRT beliefen sich je entdecktem Krebsfall auf rund 103.000 Euro. Wir prognostizierten, dass ein solches Screening von Frauen zwischen 35 und 60 Jahren die Brustkrebsmortalität um 24 Prozent senken und je gewonnenem Lebensjahr 30.000 Euro kosten würde. Durch ein Screening nur mit jährlicher Mammografie und klinischer Brustuntersuchung würde die Mortalität um 20 Prozent gesenkt, die Kosten pro gewonnenem Lebensjahr betragen 20.000 Euro.


"Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Erweiterung der Screeningprogramme um eine MRT für alle Frauen mit einem kumulierten lebenslangen Brustkrebsrisiko von 15 bis 50 Prozent zwar sehr effektiv, möglicherweise aber zu teuer ist. Für eine bestimmte Untergruppe könnte sich ein solches Screening jedoch lohnen", meinen die Experten.

OTS/AN

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