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Onkologie 5. März 2012

ECR: Problematik der Mammadiagnostik

"Die behandelnden Radiologen müssen akzeptieren, dass ihre Tätigkeit nie mit der absoluten Sicherheit verbunden ist, jede einzelne Krebserkrankung zu erkennen“, meint Dr. Matthew Wallis, Experte für Brust-Bildgebung an der Cambridge Universität: „Wir sind verpflichtet dieses Wissen nach außen zu tragen und es unseren Patientinnen, der Bevölkerung und den zuständigen politischen Stellen zu kommunizieren.“


Klare Kommunikation


Natürlich wolle das nicht jeder hören, aber wenn etwas schief gehe, seien die meisten Patientinnen für eine offene und ehrliche Antwort dankbar. Wallis setzt sich für eine klare Kommunikationsstrategie bezüglich der Stärken und Schwächen in der Brustkrebsvorsorge ein.


Dem Radiologen stehen verschiedene zusätzliche Methoden wie Ultraschall, Tomosynthese oder MRT zur Verfügung, deren Verwendung das Gefühl gibt, alle Möglichkeiten für den jeweiligen Patienten auszuschöpfen. "Aber mit jedem zusätzlichen Test erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden, das nicht zwingend Krebs sein muss", warnt Wallis.


Screening-Programme ab welchem Alter?


Auch die Frage, ob Screening-Programme für Frauen unter 50 Jahren zu einer Reduktion der Mortalitätsrate bei Brustkrebs führen würden, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es steht fest, dass mehr Brustkrebserkrankungen diagnostiziert werden würden, allerdings sind die Vorteile für die Gesamtbevölkerung nicht klar vorhersehbar, da sich auch die Zahl der falsch positiven Befunde deutlich erhöhen würde. Ebenso muss festgehalten werden, dass je jünger die Patientinnen sind, desto niedriger ist auch das Risiko an Krebs zu erkranken.


Eindeutige Empfehlungen sind schwierig


Eine weitere Herausforderung, der die Radiologen gegenüberstehen, ist die hohe Prozentzahl an Patientinnen mit dichtem Brustgewebe (percentage of mammographic density PMD), welches die Diagnosestellung deutlich erschwert. Hierdurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung zu übersehen und eben auch die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Methoden hinzugezogen werden, was aber nicht immer sinnvoll ist. "Es würde zwar helfen mehr Krebserkrankungen abzuklären, aber ebenso erhöht sich wiederum die Anzahl der falsch positiven Befunde", ist sich Dr. Wallis des Dilemmas bewusst.

Individualisierung


Der Radiologe muss sich über diese Risiken im Klaren sein, diese in den einzelnen Fällen abwägen können und es auch der individuellen Patientin klar kommunizieren. Wenn nicht beide Seiten diese Faktoren verstehen, dann ist die Chance sehr hoch, dass es zu Missverständnissen kommt und Patientinnen eventuell falsche Erwartungen haben und sich vor den Kopf gestoßen fühlen, falls das Ergebnis nicht so ist, wie sie es sich erhofft haben.

OTS/AN

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