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Onkologie 17. Februar 2012

Arzneimittelfälschungen erreichen Krebstherapeutika

Vor Fälschungen des Biotech-Medikaments Bevacizumab ("Avastin") haben in den USA die Arzneimittelagentur FDA und Genentech (Roche) gewarnt. Der monoklonale Antikörper wird in der Therapie mehrerer Tumorerkrankungen eingesetzt und soll die Gefäßneubildung verhindern.


"Das gefälschte Produkt enthält keinen echten Wirkstoff. Das könnte bedeuten, dass Patienten nicht die benötigte Therapie erhielten", warnte die FDA. Das Medikament gehört zur sogenannten "zielgerichteten Therapie" bei onkologischen Erkrankungen und wird zum Beispiel bei Dickdarm- und Lungenkrebs - zumeist in Kombination mit Chemotherapeutika - eingesetzt.


Verdacht durch falschen Firmennamen


Allein in den USA hat das Arzneimittel vergangenes Jahr einen Umsatz von rund 2,5 Mrd. Dollar (1,93 Mrd. Euro) gemacht. Eine Packung des Produkts zur intravenösen Verabreichung kostet dort 2.400 Dollar (1.849 Euro). Auffällig war offenbar vor allem, dass die Packungen unter "Roche" und mit französischem Aufdruck firmierten. In den USA erfolgt der Vertrieb allerdings über den eigentlichen Hersteller, das Tochterunternehmen des Schweizer Pharmakonzerns Roche, Genentech.


Verbreitung über Arztpraxen


Die FDA hat 19 Arztpraxen vor der Verwendung solcher zweifelhafter Präparate gewarnt. Sie tauchten offenbar als Empfänger von Lieferungen zweier Pharma-Versandgroßhändler auf. Die Verbreitung solcher Fälschungen in Arztpraxen könnte in den USA bei solchen Produkten leichter erfolgen, weil dort auch onkologische Therapien zu einem guten Teil außerhalb von Spitälern - oft auch privat bezahlt - erfolgen. Das macht die Überwachung schwieriger. In Österreich gibt es de facto keine Onkologie außerhalb von Krankenhäusern, Tageskliniken oder Ambulanzen.


Weltweit wurde 2009 ein Arzneimittelumsatz von rund 800 Mrd. US-Dollar (616 Mrd. Euro) gemacht. Je nach Anwendungsgebiet kamen Fälschungen laut Schätzungen auf einen Anteil von sieben bis 15 Prozent. Zu unterscheiden sind Fälschungen ohne Inhaltsstoff, mit toxischen, exakt "nachgebauten" oder nur ähnlichen Wirksubstanzen. Oft stammen die Präparate aus dem Fernen Osten, zum Beispiel aus China.

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