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Abb. 1: Häufigster Tumor bei Männern ist das Prostatakarzinom, bei Frauen das Mammakarzinom.
 
Onkologie 19. Dezember 2011

Leben statt „nur“ überleben

Gute Lebensqualität bei onkologischen Erkrankungen von großer Bedeutung

Was kann „Lebensqualität“ bei fortgeschrittenen gynäkologischen Tumoren für Patientinnen bedeuten? Welchen Wert hat „progressionsfreies Überleben“ und welche Rolle spielt der „Faktor Zeit“ bei Krebserkrankten? Diese Fragen diskutierten drei Experten beim Roche Health Talk Ende November in der Gesellschaft der Ärzte in Wien.

Krebs ist laut WHO eine der weltweit führenden Todesarten. Allein 2008 starben etwa 7,6 Mio. Menschen an Krebs, das sind 13 Prozent aller Todesfälle. Laut Statistik Österreich stirbt jeder vierte Österreicher an dieser Krankheit. An Eierstockkrebs erkranken weltweit etwa 220.000 Frauen, etwa zwei Drittel sterben daran. In Österreich erkranken jährlich 700 Frauen, bei 500 von ihnen führt die Krankheit zum Tod. Gleichzeitig bieten neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten Hoffnung: In Österreich leben über 60 Prozent der Krebspatienten länger als fünf Jahre, bei Ovarialkarzinom-Patientinnen sind es etwa 30 bis 40 Prozent, die nach der Diagnoseerstellung länger als fünf Jahre überleben.

Verbesserung der Überlebenszeit

„Historisch gesehen ist die Verbesserung der Überlebenszeit das am meisten anerkannte Ziel einer Therapie. Die Gesamtüberlebenszeit (OS = Overall Survival) und das progressionsfreie Überleben (= Progression Free Survival, PFS) – der Zeitraum während und nach einer Behandlung, in dem die Krankheit nicht fortschreitet – sind dabei die bedeutendsten primären klinischen Eckpunkte einer Studie“, erklärte Dr. Martin Steinhart, Medical Director Roche Austria. Die Verlängerung der progressionsfreien Zeit bedeutet für die Patienten eine Verzögerung von Symptomen, welche die Lebensqualität reduzieren. In der Entwicklung eines Medikaments beweise dies aber vor allem, dass die Substanz wirksam sei.

„Die Verbesserung des Überlebens ist natürlich unser primäres Anliegen“, betonte Prof. Dr. Christian Marth, Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Das Überleben ohne Fortschreiten der Tumorerkrankung ist mit weniger belastenden tumorbedingten Beschwerden verbunden. Gerade beim Ovarialkarzinom sind das besonders schwerwiegende Beschwerden wie Atemnot, Druckgefühl im Oberbauch, Darmkrämpfe und die Aszites-Punktion.

Auch der Faktor Zeit spielt bei Krebserkrankungen für den Patienten eine große Rolle. „Zeit ohne große Sorgen um die Tumorerkrankung ist oft doppelt so viel wert wie ‚nur‘ zu überleben. In der progressionsfreien Zeit können die Patientinnen meist wieder ein sorgenarmes Lebens genießen, das vergleichbar ist mit dem Leben vor der Krebserkrankung“, berichtete Prof. Dr. Edgar Petru, Schwerpunktleiter für konservative gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Universität Graz.

Das Wissen über Krebs

Eine neue Studie gibt Auskunft über das Krebswissen der Österreicher. In einer Blitz-Licht-Umfrage im Auftrag von Roche Austria zum Thema: „Krebs: Lebensqualität und Rolle der modernen Medizin“ befragte Karmasin Motivforschung im November 500 Österreicher online. Fazit: Die Häufigkeit von Krebs wird massiv unter-, die Kosten werden überschätzt. So wussten lediglich 13 Prozent der Befragten, dass jeder dritte Österreicher einmal im Leben von Krebs betroffen ist, 40 Prozent gehen davon aus, dass nur jeder Zehnte an Krebs erkrankt.

Hingegen überschätzen mehr als 61 Prozent den Anteil der Krebsmedikamente an den österreichischen Gesundheitsausgaben deutlich. Tatsächlich betragen die jährlichen Ausgaben 343 Millionen Euro bzw. 1,1 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben. Den Alltag mit Krebs zu erleichtern, ist für 87 Prozent essentiell.

Bei der Entwicklung von modernen Krebsmedikamenten ist für 86 Prozent nicht nur „Überleben verlängern“ wichtig, sondern vor allem auch, eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Für 82 Prozent sind auch verbesserte Diagnosemöglichkeiten ein wesentlicher Fortschritt. Sie können abklären, welche Therapie für welchen Patienten die geeignetste ist („personalisierte Medizin“), und wirkungslose Therapien zu vermeiden helfen. Der uneingeschränkte Zugang zu Krebs-Therapien ist für 80 Prozent der Befragten wichtig. Nur fünf Prozent meinen, dass teure Therapien zu leichtfertig verschrieben werden, drei Prozent sind der Meinung, dass Krebsmedikamente das Gesundheitssystem übermäßig belasten.

Michael Strausz

Quelle: Roche Health Talk zum Thema Krebs, 29. November 2011, Wien

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