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Onkologie 27. Oktober 2011

Über den Unsinn von Screenings

EUFEP-Bilanz über Screenings in der Krebsprävention: Der Schaden sei größer als der Nutzen, kam die U.S. Preventive Services Task Force, mächtiges Instrument des amerikanischen Gesundheitsministeriums, zum Schluss. Welche Screenings machen nun tatsächlich Sinn in der Krebsfrüherkennung, welche nicht?

Eine klare Empfehlung gab es für die Darmspiegelung in der Darmkrebsvorsorge. Im Nutzen vollkommen überschätzt werden sowohl das Brustkrebs- als auch das Prostatakrebs-Screening. Wer sich dazu entscheidet, sollte in spezialisierte Zentren gehen. Eine klare Empfehlung gibt es gegen das Ganzkörperscreening. 

Prostata- und Mamma - Screenings werden überschätzt

Der PSA-Test ist seit Jahren umstritten. Zu ungenau, sagen die Epidemiologen. Es ist das beste, was wir haben, sagen die Urologen,denen die Problematik nicht immer bewusst ist. Tatsächlich zeigen Studien in Deutschland, dass der Nutzen von Früherkennung des Prostatakarzinoms wie auch des Brustkrebs in der Bevölkerung beiweitem überschätzt wird. Sowohl beim Prostatakarzinom als auch beim Mammakarzinom sind sich europäische Experten inzwischen einig darüber, dass der Nutzen nicht sehr groß ist.

Postatakrebs

Maximal eine Frau von 1000 Frauen kann durch Früherkennung gerettet werden. Ähnlich verhältes sich beim Prostata-Karzinom: "In Deutschland sterben 4 von 1000 Männern an Prostatakrebs. Wenn man 1000 Männer screent, sterben trotzdem immer noch 3.  Sicher ist allerdings ein deutlicher Schaden für weitere 50 Männer. So viele werden im Durchschnitt operiert,obwohl sie kein Prostatakarzinom haben," sagt Dr. Klaus Koch, IQWIG Köln,Ressortleiter und Chefredakteur von Gesundheitsinformation.de und Autor von "Mythos Krebsvorsorge".

Mammakarzinome

Wegen der falsch-positiven Diagnose leben viele der Männer nach der Operationinkontinent und/oder impotent. Ähnlich ergehe es den Frauen bei der Früherkennung von Mammakarzinomen: "Screenings machen tausende gesunder Frauen zu Brustkrebspatientinnen, die chirurgisch, strahlentherapeutischund möglicherweise chemotherapeutisch behandelt werden, weil wir nicht feststellen können, welche durch das Screening erkannten Karzinome die überdiagnostizierten sind," erklärt auch Karsten Juhl Jörgensen,MD, vom Nordic Cochrane Centre, Kopenhagen.

Screening reduziert das Risiko, an Brustkrebs zu sterben um 15 Prozent. Zehnmal so viele Frauen als Nutzen daraus ziehen, werden aber unnötiger Weise behandelt. Bei diesen Frauen verursacht das Screening meist völlig unnotwendiger Weise eine persönliche Tragödie."

Neues Mamma-Screening Konzept

In Österreich soll die Bundesgesundheitskommission Ende November über das neue Konzept für ein  koordiniertes und qualitätsgesichertes Mamma-Screening entscheiden. Nach den derzeit diskutierten Empfehlungen sollen in Zukunft Frauen zwischen dem 45. und 69. Lebensjahr regelmäßig alle zwei Jahre zum Mamma-Screeningschriftlich eingeladen werden.

Das Konzept sieht entscheidende Qualitätssicherungsmaßnahmen, wie beispielsweise eine verpflichtende Doppelbefundung vor, und soll bis 2013 umgesetzt werden.  

Kritische Betrachtung gefragt

Zusammenfassend meinte der wissenschaftliche Leiter desKongresses, Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH : "Die Diskussionen bei EUFEP haben klar gezeigt, dass bei Ärzten mehr Bewusstsein und mehr kritisches Denken in Bezug auf Screeninguntersuchungen notwendig sind. Gut gemeint ist bei Krebsscreening nicht immer gut - im Gegenteil, zu häufiges oder zu frühes Screening  kann durch  falsche Alarme zu wirklichem gesundheitlichen Schaden führen".  

Weitere Informationen unter http://www.eufep.at/

OTS EUFEP/AN, springermedizin.at

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