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Phytoöstrogene in der westlichen Ernährung sind z. B. Lignane in Leinsamen und Getreide.
 
Onkologie 30. September 2011

Pflanzenöstrogen bei Brustkrebs

Studie: Frauen mit hohen Enterolakton-Blutwerten hatten ein deutlich geringeres Sterberisiko.

Viele Untersuchungen schreiben den Phytoöstrogenen, also Pflanzeninhaltsstoffen mit hormonähnlicher Wirkung, krebshemmende Eigenschaften zu. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) konnten nun erstmals nachweisen, dass die Substanzen bei Brustkrebs nach den Wechseljahren auch das Sterberisiko sowie das Risiko, Metastasen oder Zweittumoren zu entwickeln, um bis zu 40 Prozent verringern.

 

Die wichtigste Klasse von Phytoöstrogenen in der westlichen Ernährung bilden die Lignane, die in Saaten, vor allem in Leinsamen, aber auch in Getreide und Gemüse vorkommen. Im Darm werden die Substanzen zu Enterolakton umgewandelt, das von der Schleimhaut absorbiert wird.

Zwischen 2002 und 2005 nahmen die DKFZ-Forscher im Rahmen der MARIE-Studie Blutproben von 1.140 Frauen, die nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt waren. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von sechs Jahren setzten sie den Enterolakton-Spiegel in Bezug zum klinischen Verlauf der Erkrankung.

Das Ergebnis: Verglichen mit den Teilnehmerinnen mit dem niedrigsten Enterolakton-Spiegel hatten die Frauen mit den höchsten Blutwerten ein etwa 40 Prozent geringeres Sterberisiko.

Berücksichtigten die Forscher zusätzlich das Auftreten von Metastasen und Zweittumoren, kamen sie zu einem ähnlichen Ergebnis: Frauen mit den höchsten Enterolakton-Werten hatten ein geringeres Risiko für einen solchen ungünstigen Krankheitsverlauf.

Signifikant war das Ergebnis aber nur für die Gruppe der Östrogenrezeptor-negativen Tumoren.

Das legt die Vermutung nahe, dass Enterolakton den Schutz vor Krebs nicht nur über seine hormonartige Wirkung vermittelt. Um herauszufinden, ob Enterolakton auch die Aggressivität von Östrogenrezeptor-positiven Tumoren hemmt, müsste diese Untersuchung noch auf wesentlich größere Gruppen von Frauen ausgedehnt werden, so die Heidelberger Wissenschaftler.

Mit einer Kost reich an Vollkornprodukten, Saaten und Gemüsen, die ohnehin als gesundheitsfördernd gilt, kann sich jeder ausreichend mit Lignanen versorgen, heißt es in einer Mitteilung des DKFZ.

Von zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln wird zum jetzigen Zeitpunkt allerdings abgeraten. 

 

Buck, K. et al.: Journal of Clinical Oncology 2011; doi: 10.1200/JCO.2011.34.6478

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