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Onkologie 1. September 2011

Klinische Charakteristika von Patienten mit hepatozellulärem Karzinom in Österreich – ist ein strukturiertes Screeningprogramm notwendig?

HINTERGRUND: Ziel dieser Studie war es, die Unterschiede in der klinischen Erstpräsentation von Patienten mit hepatozellulären Karzinom (HCC) vor und nach der Veröffentlichung der europäischen (EASL) Empfehlungen zu HCC-Vorsorge und Behandlung zu untersuchen. METHODEN: Zwischen 1991 und 2009 wurde an unserer Abteilung bei 907 Patienten ein HCC neu diagnostiziert, wovon 850 in diese Studie aufgenommen wurden. Daten zur Demographie, Leberfunktion und Tumorstadium wurden retrospektiv erhoben. Die Publikation der EASL Empfehlungen im Oktober 2001 diente als Stichtag um klinische Charakteristika und Gesamtüberleben davor (Zeitraum 1) und danach (Zeitraum 2) zu vergleichen. RESULTATE: Im zweiten Untersuchungszeitraum waren Patienten übergewichtiger (BMI: 26,1 vs. 27,5, p = 0,003) litten häufiger an Diabetes (25,4 vs. 37,3 %, p = 0,001) und an einer nicht-alkoholische Fettleberhepatitis (NASH) (0,7 vs. 5,1 %, p < 0,001). Die alkoholische Lebererkrankung löste die Virushepatitis als häufigste Ätiologie ab, jedoch nicht in der wachsenden Gruppe der Patienten mit Migrationshintergrund, bei denen die virale Hepatitis (76,3 %) die Hauptätiologie blieb. Keine Veränderung konnte hinsichtlich der Leberfunktion und Tumorstadien zum Zeitpunkt der Erstdiagnose beobachtet werden. Bei den meisten Patienten wurden überwiegend fortgeschrittene nicht kurativ behandelbare HCCs festgestellt. Allerdings war das mediane Gesamtüberleben aller HCC Patienten in Periode 2 signifikant besser (7 vs. 14 Monate, p < 0,001), was für eine Verbesserung palliativer Therapien spricht. KONKLUSION: Patienten mit HCC werden trotz klarer, seit 9 Jahren bestehender europäischer Screening Empfehlungen überwiegend in nicht kurativ behandelbaren Tumorstadien diagnostiziert. Die Forderung nach einem offiziellen österreichischen HCC-Screeningprogramm für Patienten mit Leberzirrhose scheint gerechtfertigt.

Florian Hucke, Wolfgang Sieghart, Maximilian Schöniger-Hekele, Markus Peck-Radosavljevic, Christian Müller, Wiener klinische Wochenschrift 17/18/2011

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