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Onkologie 7. September 2011

Beschleunigte Bestrahlung

Verkürzte Behandlungsdauer kann die Effizienz einer Strahlentherapie bei Lungenkrebs verbessern.

Statt wie bisher einmal täglich über den Zeitraum von sieben Wochen zu bestrahlen, haben Experten des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden Patienten mit Lungenkrebs dreimal täglich über drei Wochen bestrahlt. Die Ergebnisse einer internationalen Studie unter Dresdner Leitung wurde aktuell in der führenden europäischen Fachzeitschrift der Strahlentherapie, Radiotherapy and Oncology, veröffentlicht.

 

Lungentumoren gehören zu den häufigsten und aggressivsten Krebserkrankungen. Oft kommt zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine Operation nicht mehr in Frage. Sofern noch keine Absiedlungen (Metastasen) in anderen Organen vorliegen, wird dann eine Strahlentherapie, häufig kombiniert mit einer Chemotherapie, eingesetzt. Die Strahlentherapie dauert dabei heute etwa sieben Wochen, wobei werktäglich jeweils eine Fraktion der Behandlung gegeben wird. Hierdurch kann das Tumorwachstum verlangsamt und bei einigen Patienten auch eine vollständige Heilung erreicht werden. Dennoch sind die Heilungsraten insgesamt noch sehr schlecht. Zur Verbesserung der Therapie haben unter Leitung von Prof. Michael Baumann, Direktor der Dresdner Universitätsklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Ärzte aus 13 Zentren in Deutschland, Polen und Tschechien eine intensivere, beschleunigte Strahlenbehandlung mit drei Fraktionen am Tag untersucht.

Krebszellen zerstören, bevor sie nachwachsen können

Wie Radiotherapy and Oncology berichtet (Radiother. Oncol. 100: 76-85, 2011), konnten durch die Beschleunigung der Strahlenbehandlung auf insgesamt knapp drei Wochen trotz geringerer Strahlendosis gleichwertige Effekte gegen den Tumor erzielt werden wie bei der höher dosierten Standardbehandlung über sieben Wochen.

Bei Patienten, die nach einer Chemotherapie bestrahlt wurden, war die Wirkung der kurzen Bestrahlung gegen den Tumor im Vergleich zur Standardtherapie sogar deutlich stärker. Insgesamt 406 Patienten mit nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen waren in der Studie behandelt und nachbeobachtet worden.

Die höhere Wirkung der beschleunigten Bestrahlung auf den Tumor führen die Ärzte darauf zurück, dass während einer langen Behandlungsdauer Tumorzellen zwischen den Fraktionen nachwachsen können und deshalb die Strahlendosis nicht mehr ausreicht, um den Tumor zu vernichten. Eine Chemotherapie vor der Strahlentherapie kann offensichtlich die Tumorzellen sogar zu schnellerem Wachstum stimulieren. Dies kann durch die beschleunigte Bestrahlung aufgehalten werden, während die lange Behandlung dazu nicht geeignet ist. „Dies ist nunmehr die zweite große Studie, die belegt, dass kurze Behandlungszeiten bei der Bestrahlung von Patienten mit nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen besonders effektiv sind“, sagt Baumann. „Die kurze CHARTWEL-Strahlentherapie wird daher schon heute allen geeigneten Patienten des im Aufbau befindlichen gemeinsamen LungenkrebsCentrums des Dresdner UniversitätskrebsCentrums (UCC) und des Fachkrankenhauses Coswig angeboten“, sagt Dr. Gert Höffken, Professor für Lungenerkrankungen am Universitätsklinikum und Chefarzt am Fachkrankenhaus Coswig.

Weitergehende Therapiestudien zur Optimierung der beschleunigten Bestrahlung sind in Vorbereitung. Dabei soll die Dosis im Tumor weiter erhöht und gleichzeitig eine optimale Schonung der gesunden Organe angestrebt werden.

 

Quelle: TU-Dresden, Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie

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