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Ein Becher Urin: Wird damit die Diagnostik eines Prostatakarzinoms künftig einfacher?
 
Onkologie 25. August 2011

Prostatakarzinom: Urintest soll Diagnostik vereinfachen

Forscher hoffen, eine simpel anzuwendende Entscheidungshilfe für die Frage gefunden zu haben, ob bei erhöhtem PSA-Wert eine Biopsie unbedingt sofort notwendig ist oder nicht.

Ein neuer Urintest auf Prostatakrebs könnte etlichen Männern mit erhöhtem PSA-Werten unnötige Biopsien ersparen. Mit dem Urintest wird gezielt nach zwei Genen gesucht, die miteinander verschmolzen sind.

Die pathologische Fusion der Gene TMPRSS2 und ERG können Pathologen bereits in Gewebeproben der Prostata nachweisen, also in Biopsaten oder Op-Präparaten.

Findet man diese Gen-Anomalie, heißt das nahezu immer, dass der Betroffene Prostatakrebs hat. Und diese Gen-Anomalie ist jetzt mit dem neuen Test auch im Urin nachweisbar.

Die Hoffnung ist, dass man mithilfe des neuen Urintests etlichen Männern mit erhöhtem PSA Biopsien ganz ersparen oder diese zumindest hinauszögern kann, wenn sich der Test in größeren Studien bewährt.

In der aktuellen Studie hatte das Team um den Pathologen Dr. Scott Tomlins von der Universität Michigan Urinproben von mehr als 1.312 Männern mit erhöhten PSA-Werten untersucht. Die Ärzte suchten dabei nicht nur nach der Genfusion TMPRSS2:ERG, sondern auch nach dem PCA3-Gen. Dieses PCA3-Gen wird ausschließlich in der Prostata exprimiert. Bei Prostatakrebs exprimieren die Zellen das Gen 60- bis 100-fach stärker als gesunde Prostatazellen. Die zum Gen passende Boten-RNA ist im Urin nachweisbar. Dann wurden die Studienteilnehmer je nach Urinbefund in drei Gruppen eingeteilt: solche mit geringem, mittlerem oder hohem Punktwert (Score). Die Scores wurden als Indikator für das Prostatakrebsrisiko gewertet.

Vergleich mit Histologie

Da bei den Studienteilnehmern ohnehin entweder Prostata-Biopsien oder eine Prostataentfernung vorgesehen war, konnten die Pathologen die Befunde und Scores des Urintests mit denen der Gewebeuntersuchungen vergleichen.

Ergebnisse: In der Gruppe mit dem höchsten Urintest-Score hatten 69 Prozent der Männer ein histologisch nachgewiesenes Karzinom. In der Gruppe mit mittlerem Score waren es 43 Prozent, in der Gruppe mit niedrigem Score 21 Prozent.

Korrelation mit Aggressivität

Darüber hinaus stellten die Forscher fest: Die Befunde des Urintests korrelierten auch mit der Aggressivität des Tumors, die histologisch nach Tumorausdehnung und dem Gleason-Score bestimmt wurde. Der Gleason-Score ist ein Maß dafür, wie entartet Tumorzellen aussehen. In der Gruppe mit dem höchsten Urintest-Score waren 40 Prozent der festgestellten Tumoren aggressiv (in der Gruppe mit niedrigem Score waren es entsprechend nur sieben ­Prozent).

Welchen Stellenwert kann der neue Test haben? Er kann sicher keine histologische Diagnostik bei Verdacht auf Prostatkarzinom ersetzen. Zudem steht er noch nicht zur Verfügung, sondern muss sich erst in weiteren Studien bewähren.

Diagnostischer Zwischenschritt

Für Tomlins hat der Test aber ein großes Potenzial: als wichtiger und einfacher diagnostischer Zwischenschritt für Männer mit erhöhtem PSA-Wert. Denn der Test verbessere die Möglichkeit, vorherzusagen, ob ein Betroffener ein Prostatakarzinom habe oder nicht. Außerdem biete er eine Entscheidungshilfe, ob im Falle eines erhöhten PSA-Werts eine Biopsie unbedingt sofort nötig ist, oder ob, unter Beobachtung des PSA-Verlaufs, zunächst abgewartet werden kann.

Tomlins, S. A. et al.: Urine TMPRSS2:ERG Fusion Transcript Stratifies Prostate Cancer Risk in Men with Elevated Serum PSA. Sci Transl Med 3 August 2011; Vol. 3, Issue 94: 94ra72; doi:10.1126/scitranslmed.3001970

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