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Onkologie 5. Juli 2011

Mammakarzinom: Heilungschancen steigen

Klinische Wissenschaftler der ABCSG stellten beim ASCO neueste Studienergebnisse zur Brustkrebstherapie vor.

Krebsforscher der österreichischen Studiengruppe ABCSG stellten am 7. Juni beim Annual Meeting der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago Resultate einer mehr als sechsjährigen Nachbeobachtung von Brustkrebspatientinnen vor, die nachdrücklich bestätigen, wie Erfolg versprechend eine in Österreich maßgeblich mitentwickelte neue Therapie für jüngere Frauen mit Brustkrebs ist.

 

Die nach den ersten Studienergebnissen hohen Erwartungen in die neue Therapie, die schon im Jahr 2008 international Aufsehen erregt hatte, sind bestätigt und berechtigt, betonte Prof. Dr. Michael Gnant von der Universitätsklinik für Chirurgie, MUW und Präsident der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG). Die Untersuchungen von Brustkrebspatientinnen im frühen Stadium der Erkrankung erfolgten im Rahmen der ABCSG-Studie 12, die im Jahr 1999 begonnen und bis zum Jahr 2006 insgesamt 1.803 prämenopausale hormonrezeptorpositive Brustkrebspatientinnen rekrutiert hat. Diese erhielten nach der Operation drei Jahre lang eine Antihormontherapie mit Goserelin, die entweder mit dem Standardmedikament Tamoxifen oder dem Aromatasehemmer Anastrozol kombiniert wurde. Zusätzlich – und das erwies sich als entscheidender Vorteil – wurde den Patientinnen alle sechs Monate das Bisphosphonat Zoledronsäure verabreicht.

Diese zusätzliche Gabe des Bisphosphonates Zoledronat sollte das bei Brustkrebspatientinnen erhöhte Risiko von Osteoporose senken. Im Zuge der Studie stellte sich allerdings heraus, dass der Effekt dieser Behandlung noch viel weitreichender ist. Gnant: „Es ist eine für die erfolgreiche Krebsbehandlung entscheidende Erkenntnis, dass mit Zoledronat auch die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens der Krebserkrankung verringert werden kann – und dass sogar das Gesamtüberleben der Patientinnen um etwa 40 Prozent verbessert werden kann. Die ABCSG-Studie 12 ist weltweit die erste groß angelegte Untersuchung, die den signifikanten Wert dieses Bisphosphonates in der Tumorbehandlung demonstriert.“

Ergebnis „Made in Austria“

In der Fachwelt erhielten diese Studiendaten große Aufmerksamkeit, denn im Vergleich zu einer ausschließlichen Antihormontherapie verringert sich durch das Bisphosphonat das Rückfallrisiko bei jungen Frauen mit frühem Brustkrebs, die eine Antihormontherapie erhalten, enorm. Darüber hinaus, und das ist die eigentliche Sensation, steigen die Gesamtüberlebenschancen signifikant.

Dr. Georg Pfeiler von der Abteilung für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der MUW, ebenfalls aus dem Kreis der ABCSG, hat bereits vor einem Jahr für Aufsehen gesorgt, als er untersuchte, wie weit Übergewicht der Patientinnen – das trifft auf etwa ein Drittel dieser krebskranken Frauen zu – die Effektivität des Aromatasehemmers bei der Behandlung beeinflusst. Dabei griff er auf die Daten aus der Studie ABCSG-12 zurück.

Pfeiler bei seiner Präsentation am ASCO: „Tatsächlich konnten wir bei der Analyse nachweisen, dass übergewichtige prämenopausale Frauen mit einem Body-Mass-Index von mehr als 25 kg/m², die mit dem Aromatasehemmer Anastrozol therapiert wurden, schlechtere Chancen haben, sowohl bezüglich dem Gesamtüberleben als auch dem krankheitsfreien Überleben. Bei Frauen, die mit Tamoxifen behandelt wurden, konnte dieser Effekt dagegen nicht nachgewiesen werden.“

Weitere Untersuchungen gingen der Frage nach, wie weit dynamische Veränderungen des Gewichtes während der endokrinen Therapie Einfluss auf den Effekt der Behandlung haben. Das Ergebnis: Entscheidend ist das Ausgangsgewicht, ob die Patientinnen während der Therapie zu- oder abnehmen, spielt keine besondere Rolle.

abcsg.communications/FH, Ärzte Woche 27/28/2011

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