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Onkologie 27. Juni 2011

Kachexie bei Tumorpatienten

Grazer Forscher entdecken möglichen neuen Therapieansatz für Krebspatienten.

Eine der schwerwiegendsten Komplikationen von Krebserkrankungen ist die hochgradige Kachexie der Patienten. Grazer Wissenschaftern gelang nun in einer aufsehenerregenden Arbeit, die im renommierten Wissenschaftjournal science veröffentlicht wurde, der Nachweis, dass die Kachexieentstehung mit der Aktivität fettspaltender Enzyme in Zusammenhang steht. Diese Entdeckung könnte den Weg für eine neue Behandlungsstrategie bei Krebserkrankungen weisen.

20 bis 30 Prozent aller Krebspatienten sterben nicht unmittelbar am Tumor, sondern an den Folgen der Auszehrung. Warum viele Krebspatienten im Laufe ihrer Erkrankung eine Kachexie entwickeln – bei manchen Krebsformen sogar 70-80 Prozent –, ist bis heute nicht vollständig geklärt. „Manchmal kommt es bereits bei relativ kleinen Tumoren zu einer starken Abmagerung der Patienten. Typische Beispiele dafür sind Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs“, erklärt Prof. Dr. Gerald Höfler, Leiter des Instituts für Pathologie der Medizinischen Universität Graz, der sich in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Rudolf Zechner, Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz, schon seit Jahren mit Fragen des Fettstoffwechsels beschäftigt. „Ursache der Kachexie ist nicht mangelnde Nahrungsaufnahme und sie kann nicht durch hochkalorische Ernährung verhindert werden“, stellt der Experte klar.

Dem Grazer Forschungsteam gelang es, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Fettstoffwechsel und der krebsassoziierten Kachexie herzustellen. Im Mausmodell konnten sie zeigen, dass ein vollständiger Schutz gegen krebsassoziierte Kachexie vorhanden ist, wenn das fettspaltende Enzyme „Adipose Triglyceride Lipase“ (ATGL) fehlt. Das heißt, dass trotz unverändertem Wachstum der Tumore der Verlust sowohl an Fett- als auch an Muskelmasse vollständig gestoppt werden kann.

Weiters konnte gezeigt werden, dass bei Fehlen eines anderen wichtigen fettspaltenden Enzyms, der „Hormon-sensitiven Lipase“ (HSL), zumindest ein teilweiser Schutz gegen krebsassoziierte Kachexie gegeben war. Erste Studien belegen, dass diese Ergebnisse auch für Menschen von großer Relevanz sind: Bei kachektischen Krebspatienten wurde eine gesteigerte Aktivität von ATGL und HSL im Fettgewebe nachgewiesen.

Die Studienergebnisse könnten die Grundlage eines ganz neuen Therapieansatzes zur Verhinderung von Kachexie bei Krebserkrankungen werden, sollte es gelingen, die fettspaltenden Lipasen medikamentös zu hemmen. MedUniGraz/FH

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