zur Navigation zum Inhalt
In der Betreuung und Nachsorge von Krebspatienten besteht Nachholbedarf, wie eine am ASCO präsentierte Studie unterstreicht.
 
Onkologie 27. Juni 2011

Nicht optimal betreut

Schlechte Nachsorge von Krebspatienten – woran liegt‘s? Die Anzahl der Krebsüberlebenden hat sich seit den 70er Jahren vervielfacht. Allerdings: Brustkrebsüberlebende oder auch Patienten, die ein Kolonkarzinom überstanden haben, können noch Jahre später an therapiebedingten Langzeitfolgen oder Rezidiven erkranken. Aber werden diese Patienten optimal betreut?

Onkologischer Fortschritt heißt auf kurze Sicht „Überleben des Patienten“, auf lange Sicht „Überleben mit möglichst wenig Langzeitfolgen“. Was aber ist das beste Nachsorge-Protokoll? Reicht die Nachsorge durch den Hausarzt oder sollte der Patient auch noch Jahrzehnte nach der Krebserkrankung vom Onkologen betreut werden? Wie arbeiten Onkologen und Hausärzte zusammen? Fragen dieser Art sind berechtigt und werden in allen Gesundheitssystemen unterschiedlich beantwortet. Die Ergebnisse von Katherine Virgo und Kollegen aus Atlanta, GA/USA, sollten auch hierzulande Anlass zum Handeln geben. Die Wissenschaftler befragten Hausärzte und internistische Onkologen über ihr Vorgehen bei Langzeitüberlebenden [J Clin Oncol. 2011; 29 (suppl; abstr CRA9006)].

Das Ergebnis: Es kristallisierten sich verschiedene Formen von Barrieren heraus, die in unterschiedlicher Weise eine optimale Betreuung auch im Hinblick auf Kosteneffizienz beeinträchtigen:

  • Hausärzte verordneten häufiger Nachsorgeuntersuchungen oder weitergehende Behandlungen, auch aus Angst vor ärztlichen Kunstfehlern.
  • Sie gaben zudem an, dass sie sich im Therapiemanagement ihrer Patienten nicht immer ausreichend informiert und geschult fühlten.
  • Internistische Onkologen dagegen äußerten öfter Bedenken hinsichtlich einer doppelten Versorgung.
  • Sie stellten zudem die Frage nach der Verantwortlichkeit von Gesundheitsfürsorge, d.h. wer die Primär- und Sekundärprävention von Risikoerkrankungen dieser Patienten durchführen soll.

„Seit Anfang der 70er Jahre habe sich die Zahl der Krebsüberlebenden in den USA vervierfacht, auf über 12 Millionen. Die Betreuung von Krebsüberlebenden gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Krebspatienten leben länger, erleben aber auch mehr Spätfolgen physiologischer und psychosozialer Art“, erklärte Katherine Virgo, Leiterin der Versorgungsforschung der American Cancer Society. „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, wie wichtig es ist, die Versorgung von Krebsüberlebenden besser zu koordinieren.“ Diese große Herausforderung sei gemeinsame Aufgabe aller in die Betreuung von Krebsüberlebenden eingebundenen Experten. Sie trügen dafür Sorge, dass aus Krebspatienten Krebsüberlebende werden, so Virgo im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Jahrestagung der ASCO. springermedizin.de/FH

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben