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In Zukunft gezielte Therapien schlucken, statt Infusionen erhalten.
 
Onkologie 17. Mai 2011

Patienten mit Tumoren personalisiert behandeln

Die Zukunft der Onkologie ist ambulant und oral.

Steht die medizinische Onkologie vor einem Umbruch, der ähnlich gravierend ist wie die Einführung der Antibiotikatherapie in der Infektiologie? Nein, sagte Prof. Dr. Michael Hallek aus Köln. Sie stecke bereits mitten drin.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Therapie mit Trastuzumab beim HER2-positiven Brustkrebs und die Therapie mit Imatinib bei der Philadelphia-Chromosom-positiven CML die beiden einzigen Beispiele für die vielbeschworene Personalisierung der Onkologie. In den vergangenen Jahren hat sich das geändert. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Therapien, die bestimmten molekular definierten Subgruppen von Patienten Fortschritte bringen. So profitieren Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC), bei denen EGF-Rezeptor-Mutationen vorliegen, von einer Therapie mit Erlotinib. Beim Kolonkarzinom ohne KRAS-Mutation nutzen EGF-Rezeptorantikörper wie Cetuximab.

Personalisierte Therapiekonzepte

Für eine kleine Untergruppe von NSCLC-Patienten dürften demnächst ALK-Inhibitoren zugelassen werden. Und bei der akuten myeloischen Leukämie gibt es eine Subgruppe von Patienten, die auf all-trans-Retinsäure anspricht.

Prof. Dr. Michael Hallek vom Centrum für Integrierte Onkologie der Universität Köln zeigte sich in seinem Plenarvortrag beim 117. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) überzeugt, dass es nicht bei diesem noch immer begrenzten Fundus personalisierter onkologischer Therapiekonzepte bleiben wird. Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Lunge sind für ihn Kandidaten für eine der nächsten Personalisierungsrunden. Bei dieser Krebsform sei der FGR1-Rezeptor bei etwa jedem zehnten Patienten überaktiv. Im menschlichen Zellmodell führt die Hemmung dieses Rezeptors bei den entsprechenden Patienten zu einer ausgeprägten Apoptose. Klinische Studien laufen. „Auch bei der chronischen lymphatischen Leukämie gibt es Personalisierungsansätze“, betonte Hallek.

Gleiche Signalwege

Mittelfristig bewege sich die Onkologie weg von einer Disziplin, die sich primär an histologischen Befunden orientiert, und hin zu einem Fachgebiet, das individuelle genetische Charakteristika zur Grundlage von Therapieentscheidungen macht. Komplett ausufern werde das Spektrum der onkologischen Therapien dadurch aber nicht, versicherte der Experte. Denn die Signalwege, die Mutationen aufweisen, wiederholen sich bei unterschiedlichen Tumoren.

„Beim Pankreaskarzinom wurde das im Detail analysiert. Dort gibt es zwölf zentrale Signalwege, die bei 67 bis 100 Prozent aller Tumoren verändert sind“, so Hallek. Viele dieser Signalwege tauchen bei anderen Tumoren auch auf. Wenn sich onkologische Therapien künftig wirklich vor allem nach der Genetik von meist Tyrosinkinase-assoziierten Signalwegen richten, dann dürfte das erhebliche Auswirkungen auf die onkologische Versorgung haben, betonte Hallek. Weil gezielte Therapien viel häufiger als klassische Chemotherapien oral gegeben werden können und besser verträglich sind, werde die Zukunft der Onkologie ambulant sein. Auch die bisher an Organen orientierte Subspezialisierung der Onkologie wäre dann nicht mehr zeit- gemäß.

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