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Onkologie 17. Mai 2011

Was nach dem Krebs kommt

Spätfolgen der Chemotherapie.

Vielen Patienten mit Krebserkrankungen ermöglicht die moderne Medizin durch eine Kombination von operativen, strahlentherapeutischen und medikamentösen Verfahren eine Heilung. Im Besonderen trifft dies für Patienten zu, deren Diagnose und Therapie der bösartigen Erkrankung in der Kindheit stattgefunden hat. Obwohl man in vielen Fällen davon ausgehen kann, dass die ursprüngliche Erkrankung nach Therapie und Ablauf von drei bis fünf Jahren nicht wieder auftritt, unterliegen diese Patienten einem erhöhten Risiko, in den folgenden Jahren infolge der durchgeführten Therapien Folgeerkrankungen zu entwickeln. Diese können einerseits die Funktion betroffener Organe einschränken, andererseits aber auch zu bösartigen Erkrankungen führen, die mit der ursprünglichen Diagnose nicht in direktem Zusammenhang stehen.

Herz oder Lungen geschwächt

Zu den erstgenannten Problemen gehören unter anderem eine medikamentös hervorgerufene Herzleistungsminderung und eine strahlentherapeutisch bedingte Lungenfibrose, welche zu einer deutlichen Minderung der Lungenkapazität führen kann. Auch der Hormonhaushalt der Patienten ist häufig nach den oben genannten Therapien derangiert und erfordert eine medikamentöse Unterstützung.

Diese „Störungen“ der normalen Organfunktion können von einer gelegentlichen Beeinflussung des Gesundheitszustands bis zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lebensqualität reichen.

Sekundärmalignome

Bei den bösartigen Folgeerkrankungen handelt es sich um sogenannte Sekundärmalignome. Üblicherweise finden sich unter diesen Erkrankungen nicht die klassischen Krebserkrankungen, welche den Menschen im Laufe seines Lebens treffen können. Es kommt eher zu einer Häufung anderer, seltener Erkrankungen. Hierzu gehören bösartige Veränderungen des Knochenmarks und Immunsystems, wie Leukämien und Lymphome, aber auch seltene Erkrankungen wie Sarkome, die von Muskeln, Weichgewebe und Knochen ausgehen können. Daneben können aber auch häufige bösartige Erkrankungen wie Brustkrebs oder Schilddrüsenkrebs zu finden sein.

Verursacht werden diese Folgeerkrankungen, sowohl gutartiger als auch bösartiger Art, durch die Toxizität, also Nebenwirkungen der unter Umständen vor vielen Jahren durchgeführten antineoplastischen Therapie. Daraus lässt sich auch ableiten, dass die Art der durchgeführten Therapie in gewissem Maß die Folgeerkrankungen bestimmt. So gibt es Chemotherapeutika, von welchen bekannt ist, dass sie in manchen Fällen, bei Überschreiten einer kumulativen Grenzdosis, zu einer Herzinsuffizienz führen können. Andere ziehen in einigen Jahren ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Leukämie nach sich und nach durchgeführter Bestrahlung kommt es im Bestrahlungsfeld in einigen Fällen zur Entartung von Zellen des bestrahlten Gewebes.

 

Dr. Biersack ist Bereichsleiter Hämatologie/Onkologie der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Von Dr. Harald Biersack, Ärzte Woche 20 /2011

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